IPO/ROUNDUP/Überraschender Schritt: SAP will Qualtrics an die Börse bringen

Montag, 27.07.20 00:02
Außenaufnahme eines SAP Firmengebäudes
Bildquelle: Unternehmensbild: SAP
WALLDORF/NEW YORK (dpa-AFX) - Europas größter Softwarehersteller SAP will seinen jüngsten US-Milliardenzukauf Qualtrics überraschend an die Börse bringen. Die Walldorfer wollen nach der geplanten Platzierung in New York Mehrheitsaktionär der Marktforschungstochter bleiben, wie der Dax-Konzern am Sonntagabend in Walldorf mitteilte. SAP hatte den Kauf des US-Anbieters im November 2018 angekündigt und im Januar 2019 abgeschlossen - für das Unternehmen hat SAP acht Milliarden US-Dollar hingeblättert.

Mit dem Anbieter, der auf Marktforschungs- und Umfragedaten spezialisiert ist, wildert SAP vor allem im Revier des stark wachsenden US-Cloudrivalen Salesforce . Ex-Chef Bill McDermott hatte mit der Qualtrics-Übernahme die Verzahnung von Software zur Unternehmenssteuerung - eine SAP-Domäne - und von Software rund um Daten zum Verbraucherverhalten angepriesen. Das sollte die Unternehmenskunden von SAP in die Lage versetzen, ihre Geschäfte ganz neu zu steuern, um im Vermarkten eigener Produkte erfolgreicher zu werden.

Qualtrics-Chef und Gründer Ryan Smith wolle größter Privataktionär nach dem Börsengang werden, hieß es. Eine endgültige Entscheidung über die Emission, den Zeitplan und die Bedingungen steht noch aus. Diese hänge auch vom Marktumfeld ab. Derzeit ist an den Märkten bei Technologie-Werten eine Rally ausgebrochen, weil Anleger wegen der Corona-Krise verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten mit Zukunftsperspektive suchen.

Auch der SAP-Kurs selbst ist zuletzt wieder in neue Rekordhöhen gestiegen und kletterte vergangene Woche erstmals über 140 Euro. Der Softwarehersteller ist mit einem Börsenwert von knapp 170 Milliarden Euro mit Abstand Deutschlands wertvollster börsennotierter Konzern.

Das Unternehmen könnte mit dem Vorhaben eine Gelegenheit nutzen, den Zukauf zu günstigen Bedingungen zu Geld zu machen. Qualtrics habe mit einem Umsatzwachstum von mehr als 40 Prozent im vergangenen Jahr alle Erwartungen übertroffen, sagte SAP-Vorstandschef Christian Klein. Mit möglichen Erlösen aus einem Börsengang könnte SAP weitere Zukäufe finanzieren oder Geld an die Aktionäre weiterreichen.

Zuletzt hatte es in Walldorf auch Knatsch gegeben über das oft selbstbewusste Eigenleben der US-Zukäufe von SAP. Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte Klein daher ins Stammbuch geschrieben, die Cloudfirmen insgesamt besser in den Konzern und die eigenen Stammprodukte zu integrieren. Nun soll Qualtrics durch den Börsengang mehr Unabhängigkeit erhalten. Diese größere Freiheit solle die US-Amerikaner in die Lage versetzen, innerhalb des SAP-Kundenstamms und darüber hinaus erfolgreich zu wachsen, wie es hieß.

SAP hatte im November 2018 bei Qualtrics zugeschlagen, als deren geplanter Börsengang nur noch wenige Tage entfernt war. Das Unternehmen werde weiter voll konsolidiert, daher gebe es keine Auswirkungen der Transaktion auf Finanzziele für dieses oder die kommenden Jahre./men/zb



Quelle: dpa-AFX




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