WDH/IPO/ROUNDUP: Volkswagen-Konzern peilt Börsengang der Renditeperle Porsche an

Dienstag, 22.02.22 12:32
WDH/IPO/ROUNDUP: Volkswagen-Konzern peilt Börsengang der Renditeperle Porsche an
Bildquelle: Unternehmensbild: VW
(Im fünften Absatz wurden die Angaben zum Ferrari-Börsengang präzisiert.)

Nach der Talfahrt:
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WOLFSBURG/STUTTGART (dpa-AFX) - Der Volkswagen-Konzern macht Ernst und will seine lukrative Sportwagentochter Porsche an die Börse bringen. Derzeit liefen fortgeschrittene Gespräche dazu mit dem Großaktionär des Wolfsburger Konzerns, der Porsche Automobil Holding SE, wie es am Dienstag überraschend von den beiden Unternehmen hieß. Volkswagen und die Porsche SE hätten eine Eckpunktevereinbarung dazu verhandelt, die nun die Basis für weitere Schritte sein soll. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Seit Jahren wird über einen Börsengang der Renditeperle im VW-Konzern spekuliert - vor allem Investoren forderten immer wieder eine Verselbstständigung, weil der Wert von Porsche unter dem Konzerndach nicht recht zur Geltung komme. Die Aktien der Konzerne stiegen deutlich.

Die im Dax notierten Volkswagen-Vorzugsaktien legten am Vormittag um bis zu zehn Prozent auf 192,48 Euro zu. Bereits vor rund einem Jahr hatten sich die Gerüchte um einen möglichen Porsche-Börsengang intensiviert und mit für einen rasanten Höhenflug der VW-Aktien gesorgt - in den vergangenen Monaten hatte aber eher wieder Tristesse Einzug gehalten für die Anleger. Von mehr als 250 Euro im März 2021 ging es mit dem Kurs bis zum Vorabend auf knapp 175 Euro bergab. Die ebenfalls im Dax notierten Vorzugsaktien der Porsche SE gewannen rund 11 Prozent.

In der Porsche SE bündeln die Eigentümerfamilien ihre Anteile am Volkswagen-Konzern. Die Holding wird direkt von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert und besitzt gut 53 Prozent der Stimmrechte am Volkswagen-Konzern. Zu diesem wiederum gehört der nicht mit der Holding zu verwechselnde Sportwagenbauer Porsche AG, der die bekannten Modelle wie den 911er, den Cayenne oder neuerdings den Elektroboliden Taycan baut. Die Porsche AG war im Zuge des gescheiterten Übernahmeversuchs von VW durch Porsche in der Finanzkrise unter die Haube der Wolfsburger geraten - dafür hatten die Eigentümerfamilien im Gegenzug die Mehrheit am Autoriesen bekommen.

Mit den beiden Premiumtöchtern Audi und Porsche fährt der VW-Konzern die größten Gewinne ein. Insbesondere Porsche glänzt dabei mit hohen Renditen, was Aktien an dem Unternehmen auch für bislang Außenstehende interessant machen könnte. So rechnen es sich zumindest die großen Profiinvestoren vor allem aus den USA aus, denen der Börsenwert von Volkswagen insgesamt zu niedrig erscheint. Die Rechnung ist: Wird Porsche an der Börse von Anlegern einzeln bewertet, könnte der Wert des Autobauers aus Stuttgart-Zuffenhausen freier zur Entfaltung kommen und auch den VW-Aktien selbst einen Schub geben.

Die Analysten der US-Investmentbank Jefferies etwa taxierten allein den möglichen Wert einer eigenständigen Porsche AG in einer aktuellen Studie auf zwischen 60 und 90 Milliarden Euro. Selbst inklusive des starken Anstiegs nach der VW-Mitteilung kommt der Gesamtkonzern auf der Börsenwaage derzeit nur auf rund 115 Milliarden Euro. Vorbild für die Analysten sind unter anderem die hohen Bewertungen für Luxusautobauer wie Ferrari . Dieser war 2015 und 2016 von der damaligen Mutter Fiat Chrysler in zwei Schritten an die Börse zuerst in New York und dann in Mailand gebracht worden. Der italienische Sportwagenhersteller blickt bisher auf eine erfolgreiche Zeit am Kapitalmarkt zurück.

Selbst im vergangenen Jahr, das stark von der Halbleiterknappheit belastet war, konnte Porsche die Auslieferungen weltweit deutlich um elf Prozent auf 301 915 Autos steigern. Auch dieses Jahr peilt Porsche-Vertriebschef Detlev von Platen einen weiteren Zuwachs ein. Im Gegensatz dazu gingen die Verkäufe der Kernmarke VW Pkw im vergangenen Jahr um acht Prozent zurück. VW hatte knappe verfügbare Elektronikchips auch bevorzugt auf renditeträchtigere Modelle im Konzern verteilt, um die Gewinne nicht zu stark zu beschädigen.

Die Jahreszahlen will VW erst im März vorlegen, doch nach neun Monaten hatte Porsche vergangenes Jahr im Autogeschäft bereits ein operatives Ergebnis von 3,4 Milliarden Euro eingefahren. Unter den VW-Fahrzeugmarken kam nur Audi bei deutlich höheren Stückzahlen mit 3,9 Milliarden Euro auf mehr Ergebnis.

VW-Chef Herbert Diess hatte im vergangenen Jahr Spekulationen rund um die Edeltochter dahingehend kommentiert, dass Porsche mit seinen Gewinnen auch nötig sei, um den forcierten, teuren Konzernumbau hin zu Elektroantrieben stemmen zu können. Gedankenspiele rund um eine Börsennotierung der Porsche AG wurden vor allem den Eigentümerfamilien nachgesagt, die damit wieder mehr direkten Zugriff auf den Autobauer mit dem Familiennamen bekommen könnten. Die Porsche-Holding teilte auch sogleich mit, im Zuge eines möglichen Börsengangs könnte die Porsche SE auch Stammaktien des Autobauers Porsche AG erwerben.

Die Macht-Arithmetik in Wolfsburg ist kompliziert. Der Autobauer Porsche wurde von der Ingenieurslegende Ferdinand Porsche gegründet. Weil das Unternehmen aber zum VW-Konzerngefüge gehört, entscheidet der Konzern-Aufsichtsrat in Wolfsburg über Strategie und Geschäft mit - und dort hat die Politik über das Land Niedersachsen und die starke Arbeitnehmervertretung ein großes Wörtchen mitzureden.

Bis ein Börsengang kommen könnte, ist daher offenkundig auch noch viel zu besprechen. Die Eckpunktevereinbarung über weitere Schritte ist erst mal nur verhandelt, ihr Abschluss setze die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat der Volkswagen AG voraus, hieß es in Wolfsburg. Es sei offen, ob das zustande komme und ob ein Börsengang weiter geprüft werde. Selbst wenn es zu entsprechenden Beschlüssen von VW und Porsche SE komme, stünden weitere Prüfungen im Raum, hieß es aus Stuttgart - und dabei sei auch die allgemeine Marktentwicklung von Belang./men/jcf/zb



Quelle: dpa-AFX


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