AKTIE IM FOKUS 2: Bankensektor in Turbulenzen - Hedgefonds zieht CS-Kurs runter

Montag, 29.03.21 12:17
AKTIE IM FOKUS 2: Bankensektor in Turbulenzen - Hedgefonds zieht CS-Kurs runter
Bildquelle: Adobe Stock
(neu: aktuelle Kurse, Entwicklung Bankensektor, weitere Stimmen, Kreisemeldung zu Deutsche Bank)

Wissen Sie, wann Ihr Fonds kauft und verkauft?
Die boerse.de-Fonds sind transparent, regelbasiert und defensiv!


ZÜRICH (dpa-AFX) - Der Zahlungsausfall eines US-Hedgefonds hat am Montag die Aktien der Credit Suisse nach unten gerissen und den gesamten europäischen Bankensektor in Mitleidenschaft gezogen. Die Papiere der Schweizer Großbank weiteten am Vormittag ihre Verluste zeitweise auf mehr als 14 Prozent aus und drohten auf den tiefsten Stand seit dem 13. November des vergangenen Jahres abzurutschen. Zuletzt büßten sie noch mehr als 13,5 Prozent ein auf 10,79 Franken. Der Schweizer Gesamtmarkt wurde davon belastet, der SMI-Index in Zürich gab um 0,3 Prozent nach.

Ein bedeutender Hedgefonds mit Sitz in den USA sei in der vergangenen Woche den Nachschussforderungen der Credit Suisse und einiger anderer Banken nicht nachgekommen, teilte das Schweizer Finanzhaus am Montag mit. Man sei nun dabei, sich aus diesen Positionen zurückzuziehen. Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht sei, die genaue Höhe des Verlustes aus diesem Ausstieg zu beziffern, könnte er "sehr bedeutend und wesentlich" für das Ergebnis des ersten Quartals sein, hieß es.

Die Analysten der Bank of America (BofA) reagierten umgehend auf die Nachrichten, indem sie ihre Kaufempfehlung für die Credit-Suisse-Titel strichen und nun mit "Neutral" votieren bei einem von 14,00 auf 12,50 Franken gesenkten Kursziel. Sie reduzierten ihre Schätzung für das Ergebnis in diesem Jahr um 500 Millionen Schweizer Franken. Nach mehreren mit Risiken behafteten Angelegenheiten könnte nun der Punkt erreicht sein, an dem die Aktienrückkäufe unmittelbar betroffen seien, führten sie aus. Die Credit Suisse dürfte nun eine Phase der Eigenüberprüfung vor sich haben.

Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Hedgefonds um Archegos Capital, es ist von Zwangsverkäufen der stark fremdfinanzierten Archegos-Vermögenswerte in der Größenordnung von 20 bis 30 Milliarden US-Dollar die Rede. Neben der Credit Suisse warnte am Montag auch die japanische Bank Nomura vor einem womöglich erheblichen Verlust und schätzte die Höhe der Forderung auf zirka zwei Milliarden US-Dollar, basierend auf den Marktpreisen vom 26. März. Die Nomura-Papiere brachen zum Wochenauftakt in Tokio um 16 Prozent ein.

Laut dem Marktbeobachter Neil Wilson von Markets.com bringt dies Unsicherheit in den ganzen Sektor wegen der Frage, welche Bank in die Sache noch involviert sein könnte. Zu den betroffenen Banken gehören laut Medienberichten auch Goldman Sachs , Morgan Stanley , die Deutsche Bank und die UBS , die alle als Prime Broker für Archegos tätig waren. Die UBS wollte die Vorgänge um Archegos nicht kommentieren. Ihr Aktienkurs verlor am Montag annähernd viereinhalb Prozent.

Der Kurs der Deutschen Bank sackte teils um mehr als fünf Prozent ab. Erstmals seit Ende Februar waren die Anteile wieder weniger als zehn Euro wert. Kreisen zufolge hat die Deutsche Bank bei Archegos aber noch keine Verluste erlitten. Im Vergleich zu anderen Instituten sei die Abhängigkeit von Archegos auch viel geringer.

Die Bank Vontobel kommentierte dies so: Während die Greensill-Angelegenheit noch lange nicht gelöst sei, sehe sich die Credit Suisse mit einem weiteren Problem konfrontiert, das einen wesentlichen Einfluss auf ihr Ergebnis haben könnte. Man werde vermutlich in den nächsten Tagen oder Wochen von den Auswirkungen des erzwungenen Schuldenabbaus auf eine Reihe von Banken hören.

Etwas pointierter äußerte sich die ZKB. Man sei fast geneigt, den alten Spruch zu zitieren, dass die Bank erst kein Glück gehabt habe und dann auch noch Pech dazu gekommen sei. Angesichts der ganzen Sonderereignisse, welche das Kerngeschäft überschatten, dränge sich ein Engagement in den Papieren der Credit Suisse jedenfalls nicht auf.

Auf Europas Bankensektor färbten die Nachrichten zur Credit Suisse am Montag negativ ab. Zeitweise belief sich das Minus auf rund 1,3 Prozent. Zuletzt verlor er unter den schwächsten Branchen der Stoxx-600-Übersicht noch rund ein Prozent. Im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 waren BNP Paribas mit minus 2,1 Prozent und Santander mit einem Abschlag von 1,3 Prozent auffällig schwach.

Experten bringen den Kursrutsch im Bankensektor in Zusammenhang mit Kursstürzen bei einigen US-Werten, die sich vor dem Wochenende schon ereigneten. In New York hatte sich der jüngste Ausverkauf bei Aktien notierter chinesischer Tech-Unternehmen wie Baidu zuletzt verschärft. Laut dem Experten Neil Wilson wurde Archegos von mehreren Banken darauf gedrängt, seine Positionen in solchen Werten zu schließen. Offenbar habe der Hedgefonds zu stark auf solch risikobehaftete Anlagen gesetzt./ajx/AWP/tih/fba



Quelle: dpa-AFX


Pflichtpublikation für Deutsche Bank-Aktionäre:
Der „Leitfaden für Ihr Vermögen“. Kostenlos!


Titel aus dieser Meldung

Datum :
18.05.21
11,76 EUR
0,62 %
Datum :
18.05.21
11.117,07
-0,36 %
Datum :
18.05.21
8,53 EUR
-0,89 %
Datum :
18.05.21
4,35 EUR
-0,18 %
Datum :
18.05.21
12,76 EUR
-0,80 %

Value oder Growth? Eine Frage so alt wie die Börse

Value oder Growth? Eine Frage so alt wie die Börse
Die Frage, ob es sinnvoller ist, auf Value- oder auf Growth-Titel zu setzen, ist beinahe so alt wie die Börse selbst. Dabei sind mit der Bezeichnung „Value“ bewährte Unternehmen gemeint, deren Buchwert idealerweise aktuell möglichst niedrig bewertet wird.
© 1994-2021 by boerse.de - Quelle für Kurse und Daten: ARIVA.DE AG - boerse.de übernimmt keine Gewähr