APA ots news: Impffortschritte unterstützen wirtschaftliche Erholung

Freitag, 11.06.21 10:07
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Gesamtwirtschaftliche Prognose der OeNB für Österreich 2021

bis 2023

Wien (APA-ots) - Die mit dem Impffortschritt einhergehende Rücknahme der

Eindämmungsmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von COVID-19

führt zur Jahresmitte 2021 zu einem starken Aufschwung der

österreichischen Wirtschaft. "Die Jahre 2021 und 2022 sind von einem

deutlichen Aufholprozess geprägt", so OeNB-Gouverneur Robert

Holzmann. Nach einem Rückgang des realen BIP um 6,7 Prozent im

Vorjahr erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für die

Jahre 2021 und 2022 ein Wachstum von 3,9 Prozent bzw. 4,2 Prozent.

2023 wird der Aufholprozess abgeschlossen sein und sich das

Wirtschaftswachstum mit einem Wert von 1,9 Prozent in Richtung des

langfristigen Durchschnitts bewegen. Die HVPI-Inflationsrate wird im

Jahr 2021, getrieben von höheren Rohstoffpreisen, auf 2,0 Prozent

ansteigen und 2022 sowie 2023 auf jeweils 1,8 Prozent zurückgehen.

Der Budgetsaldo wird sich im Jahr 2021 auf -6,9 Prozent des BIP

belaufen und sich bis zum Jahr 2023 weiter auf etwa -2 Prozent des

BIP verbessern. Die Schuldenquote wird nach einem weiteren Anstieg im

Jahr 2021 (85,1 Prozent des BIP) ab 2022 wieder rückläufig sein und

2023 knapp unter 82 Prozent des BIP zu liegen kommen.

Weitgehende Eindämmung der Pandemie und Öffnung der Wirtschaft

Seit dem Höhepunkt der dritten Infektionswelle (Ende März) sind die

Neuinfektionen und damit auch die Belegung der Intensivstationen mit

COVID-19-Erkrankten in fast allen europäischen Ländern deutlich

zurückgegangen. Die Durchimpfungsraten weisen eine stark steigende

Tendenz auf. Trotzdem bleiben annahmegemäß im weiteren Verlauf des

Jahres 2021 partielle Eindämmungsmaßnahmen notwendig, deren negative

wirtschaftliche Folgen aber gering bleiben werden und 2022 gänzlich

ausklingen.

Regional differenzierte Erholung der Weltwirtschaft

Die Entwicklung der globalen Wirtschaft ist durch einen starken

Erholungsprozess geprägt. Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften

werden im dritten Quartal 2021 ihr Vorkrisenniveau überschreiten und

gegen Ende 2022 den vor der Krise prognostizierten Entwicklungspfad

erreichen. Im Gegensatz dazu wird das BIP der Schwellenländer

aufgrund der langsameren Impfausrollung auch mittelfristig unterhalb

des Vorkrisentrends liegen. Die Weltwirtschaft wird - der Prognose

zufolge - 2021 überaus kräftig mit 6,0 Prozent wachsen; danach nimmt

die Dynamik graduell auf 4,3 Prozent (2022) und 3,5 Prozent (2023)

ab.

Rasche Rückkehr der Güterexporte zu Vorkrisenniveau, verhaltene

Erholung im Tourismus

Österreichs Exporte brachen im vergangenen Jahr um 10,9 Prozent ein.

Die Vorlaufindikatoren für die Exportindustrie deuten auf eine

schnelle Erholung hin. Insbesondere die kräftige globale

Industriekonjunktur und die starke Entwicklung in den USA werden

hierzu beitragen. Hohe Rohstoffpreise und Lieferengpässe bergen

kurzfristige Abwärtsrisiken. Durch den Komplettausfall der

Wintersaison 2020/2021 wird für das Gesamtjahr 2021 mit einem

erneuten Nächtigungsrückgang gerechnet. Ausgehend von diesem

niedrigen Niveau ist 2022 mit einer deutlichen Zunahme der

Nächtigungszahlen zu rechnen. In Summe werden die Exporte um 7,1

Prozent im laufenden, um 6,4 Prozent im nächsten und 3,4 Prozent im

Jahr 2023 wachsen.

Lockerung der Maßnahmen führt zu deutlichem Aufholprozess im Konsum

Durch die Öffnungsschritte Mitte Mai 2021 wurden die angebotsseitigen

Konsumeinschränkungen weitgehend aufgehoben. In der Folge wird mit

einer starken Erholung des privaten Konsums und einem raschen

Rückgang der stark erhöhten Sparquote gerechnet. Nach dem massiven

Einbruch um 9,4 Prozent im vergangenen Jahr wird der private Konsum

2021 mit 4 Prozent und 2022 mit 5,8 Prozent stark wachsen. Das

Vorkrisenniveau der Konsumausgaben wird im ersten Halbjahr 2022

erreicht werden. Die Sparquote wird von ihrem Höchstwert von 14,4

Prozent im Jahr 2020 auf unter 8 Prozent im Jahr 2023 zurückgehen.

Hierbei ist nur ein geringer Abbau der Überschuss-Ersparnisse

unterstellt. Ein stärkerer Abbau stellt ein Aufwärtsrisiko für die

Konsumprognose dar.

Starker Aufschwung auch bei den Investitionen

Die Investitionen waren in den Jahren vor Ausbruch der Pandemie eine

zentrale Stütze der Konjunktur. Infolge der hohen Unsicherheiten

schrumpften die Bruttoanlageinvestitionen 2020 um 4,8 Prozent. Mit

der anziehenden Industrie- und Exportkonjunktur stieg die

Kapazitätsauslastung zuletzt beständig an. Neben Nachholeffekten ist

daher auch die Notwendigkeit längerfristiger Erweiterungen der

Produktionskapazität gegeben. Nach einer starken Erholung mit einem

Wachstum um 4,7 Prozent im Jahr 2021 kühlt sich die

Investitionskonjunktur graduell ab. Die Bruttoanlageinvestitionen

werden 2022 um 3,3 Prozent und im Jahr 2023 um 1,8 Prozent zulegen.

Konjunkturaufschwung führt zu Erholung auf dem Arbeitsmarkt

Während die geleisteten Arbeitsstunden der unselbstständig

Beschäftigten 2020 um 9,4 Prozent einbrachen, konnten die

Kurzarbeitsregelungen einen stärkeren Rückgang der Beschäftigung (- 2

Prozent) verhindern und den Anstieg der Arbeitslosenquote laut

Eurostat auf 5,3 Prozent (+ 0,8 Prozentpunkte) begrenzen. 2021 steigt

die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 1,2 Prozent. 2022 und

2023 wird ein Wachstum von 1,6 Prozent und 0,9 Prozent erwartet. Die

Zunahme der geleisteten Arbeitsstunden wird mit 4,7 Prozent (2021),

4,1 Prozent (2022) und 1,7 Prozent (2023) deutlich ausgeprägter sein.

Die Arbeitslosenquote wird von 5,2 Prozent im Jahr 2021 auf 4,6

Prozent im Jahr 2023 sinken und damit nur noch knapp über dem

Vorkrisenniveau liegen.

Vorübergehender Anstieg der Inflation im Jahr 2021

Die HVPI-Inflationsrate wird sich - getrieben von vorübergehenden

Faktoren wie dem Anstieg der Rohölpreise - 2021 auf 2,0 Prozent

beschleunigen und 2022 sowie 2023 auf jeweils 1,8 Prozent

zurückgehen. Für die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete

Kerninflation wird im Jahr 2021 eine Teuerungsrate von 1,6 Prozent

erwartet. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung steigt die

Kerninflationsrate im Jahr 2022 auf 1,9 Prozent und im Jahr 2023 auf

2,1 Prozent. Zur Entwicklung der Kerninflation tragen sowohl die

stärkere Nachfrage im Zuge der zu erwartenden konjunkturellen

Aufholprozesse und das beschleunigte Wachstum der Lohnstückkosten

infolge der verbesserten Arbeitsmarktlage bei.

Gradueller Abbau des COVID-19-bedingten Budgetdefizits

2021 verbessert sich der Budgetsaldo auf -6,9 Prozent des BIP (nach

-8,9 Prozent im Jahr 2020), da sowohl das Ausmaß der diskretionären

Maßnahmen als auch der Effekt der automatischen Stabilisatoren im

Vergleich zu 2020 etwas zurückgehen. In den Folgejahren tragen das

Auslaufen vieler diskretionärer Maßnahmen (insbesondere Kurzarbeit,

Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz) und die konjunkturelle Erholung

zu einer starken Verbesserung des Budgetsaldos auf etwa -2 Prozent

des BIP im Jahr 2023 bei. Die Schuldenquote wird nach einem weiteren

Anstieg im Jahr 2021 (von 83,9 Prozent auf 85,1 Prozent des BIP) ab

dem Jahr 2022 wieder rückläufig sein und im Jahr 2023 knapp unter 82

Prozent des BIP liegen.

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

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Quelle: dpa-AFX


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