APA ots news: Wettbewerb auf österreichischem Kreditmarkt nimmt zu

Mittwoch, 23.10.19 10:10
APA ots news: Wettbewerb auf österreichischem Kreditmarkt nimmt zu
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Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das

Kreditgeschäft vom Oktober 2019

Wien (APA-ots) - In Österreich profitieren Unternehmen und private

Haushalte weiterhin von der Konkurrenzsituation am Kreditmarkt. In

einem Umfeld von hoher Liquidität senkten die Banken im dritten

Quartal 2019 in ihrem Werben um Kreditkunden abermals die Margen für

Neukredite. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage

über das Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach

ihren Einschätzungen gefragt werden.

Der bereits seit Mitte 2016 bestehende Trend sinkender Margen bei neu

vergebenen Unternehmenskrediten und bei neu vergebenen

Wohnbaukrediten an private Haushalte setzte sich im dritten Quartal

2019 verstärkt fort. Aktuell berichtete eine größere Anzahl an Banken

von Margensenkungen als in der Umfrage für das zweite Quartal 2019.

Hauptgrund für diese Entwicklung ist der anhaltende Wettbewerbsdruck

auf dem Kreditmarkt. Margen sind Aufschläge auf Referenzzinssätze

(wie z. B. den Euribor) und bestimmen gemeinsam mit diesen die Höhe

der Kreditzinsen. Niedrigere Margen senken die Kreditzinsen und

begünstigen die Kreditkunden, drücken aber die Zinserträge der

Banken.

Die hierdurch günstigeren Kreditkonditionen kommen allerdings nur

Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Bei risikoreicheren

Unternehmens- und Wohnbaukrediten wurden die Margen nicht gesenkt.

Auch bei Konsum- und sonstigen Krediten an private Haushalte kam es

zu keinen Margensenkungen.

Die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen

Kreditzinsen sind allerdings der Geldpolitik des Eurosystems

geschuldet, durch die sich das Zinsniveau seit 2008 deutlich nach

unten verschoben hat. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie

an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa 4

Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele

variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in

allen Fristigkeiten negativ.

Restriktiver wurden die Banken hingegen bei den Kreditrichtlinien

(interne Kriterien der Banken für die Kreditvergabe) für private

Haushalte (Wohnbaukredite sowie Konsumkredite und sonstige Kredite).

Diese wurden in den ersten drei Quartalen 2019 hauptsächlich aufgrund

einer geringeren Risikotoleranz der Banken verschärft. Im

Unternehmenskundengeschäft blieben die Kreditrichtlinien schon seit

2017 weitgehend unverändert.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten war in den Jahren 2016 bis

2018 außergewöhnlich stark. Im Verlauf des heurigen Jahres stagnierte

sie im Wesentlichen. Letzteres dürfte auf den sich abschwächenden

Investitionszyklus zurückzuführen sein.

Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite sowie Konsumkredite und

sonstige Kredite) hat sich die Kreditnachfrage von Ende 2017 bis

Mitte 2019 kaum geändert. Die Umfrageergebnisse für das dritte

Quartal 2019 und der Ausblick auf das vierte Quartal deuten aber eine

moderate Belebung der Nachfrage nach Wohnbaukrediten an - unterstützt

vom anhaltend niedrigen Zinsniveau.

Im dritten Quartal 2019 gab es für die befragten österreichischen

Banken - wie schon in den beiden Quartalen davor - Verbesserungen bei

der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen. Dem steht

ein leichter Rückgang der langfristigen Einlagen im dritten Quartal

2019 gegenüber. Auch für das vierte Quartal 2019 wird ein weiterer

Rückgang erwartet.

Hinsichtlich der Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen gaben die

an der Umfrage beteiligten Banken an, dass das

Wertpapierankaufprogramm des Eurosystems seit seinem Bestehen ihre

Ertragslage aufgrund negativer Effekte auf die Nettozinsmargen

belastet. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch auch positive

Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierungsbedingungen der Banken.

Auch der negative Einlagenzinssatz des Eurosystems beeinträchtigt die

Ertragsentwicklung der Banken, da dieser gemäß den Ergebnissen der

Umfrage einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und

-margen verursacht und insbesondere die Nettozinserträge der Banken

dämpft.

Es bleibt anzumerken, dass die allgemeine Wirksamkeit der

geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems (Ankaufprogramm,

Einlagenzinssatz), die auf den Euroraum insgesamt abzielen, nicht

anhand der hier präsentierten nationalen Effekte besprochen werden

kann.

Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die Oesterreichische

Nationalbank (OeNB) - führen gemeinsam mit der Europäischen

Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über

das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über

das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von

Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik

betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende

Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht

Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in

Statistiken - Daten & Analysen Q4/2019 und vorab auf der OeNB-Website

veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten

zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage

www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website

publiziert www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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OTS0032 2019-10-23/10:04



Quelle: dpa-AFX


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