Börse Frankfurt-News: Comeback der Schwellenländer (ETFs)

Mittwoch, 25.01.23 11:24
News-Schriftzug auf schwarzem Hintergrund.
Bildquelle: pixabay
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Lange wollte kaum jemand etwas wissen von Aktien aus Schwellenländern inklusive China. Nun hat sich der Wind gedreht. Dagegen zeigt so mancher jetzt US-Aktien die kalte Schulter. Anhaltend beliebt: Themen-ETFs, etwa mit Schwerpunkt Cyber Security.

25. Januar 2023. Frankfurt (Börse Frankfurt). Gute Stimmung, gute Umsätze - das ETF-Geschäft brummt. "Es ist sehr viel los, die Umsätze sind klar überdurchschnittlich", meldet Frank Mohr von der Société Générale. Es werde vor allem gekauft. "Das meiste dreht sich um Aktien-ETFs, die machen 80 Prozent unserer Umsätze aus, viel mehr als sonst." Auch Hubert Heuclin von BNP Paribas berichtet von einem sehr umsatzstarken Jahresstart und hohen Zuflüssen, sowohl in Aktien- als auch in Anleihen-ETFs.

Am Dienstagmittag steht der DAX bei 15.068 Punkten. Damit ist der Rutsch unter die Marke von 15.000 Punkten vergangenen Donnerstag schon fast wieder wettgemacht. Seit Jahresanfang kommt der Index nun auf ein Plus von 7 Prozent.

Weniger Interesse an US-Aktien

Die höchsten Umsätze weisen den Händlern zufolge MSCI World-ETFs auf. Heuclin meldet einen klaren Käuferüberhang mit hohen Zuflüssen in den Klassiker iShares MSCI World Core (IE00B4L5Y983) sowie den iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259), der neben Industrie- auch Schwellenländeraktien abbildet. "Wir sehen eher Abflüsse aus den MSCI World-ETFs (IE00B4L5Y983), wenn auch nur leichte", stellt Mohr hingegen fest.

Auch die lange so beliebten US-Aktien sind aktuell nicht mehr ganz so gefragt. Die Umsätze sind auch hier hoch, die Zuflüsse bei der Société Générale aber geschrumpft, bei der BNP Paribas dominieren sogar die Abflüsse. Verkauft wird von BNP-Kund*innen etwa der iShares Core S&P 500 (IE00B5BMR087). "Die USA dürften sich schlechter entwickeln als der Rest der Welt, sowohl im Aktien- als auch im Anleihenbereich", bemerkt Heuclin. "Die Märkte unterschätzen möglicherweise, wie entschlossen die US-Notenbank auf Zinserhöhungskurs ist." Auch ein schwächerer US-Dollar könnte zu Abflüssen von Kapital aus den USA beitragen.

Guter Jahresstart für Chinas Aktien

Auffällig ist das wieder erwachte Interesse an Schwellenländeraktien im Allgemeinen und chinesischen Titeln im Besonderen. "Emerging Markets waren in der zweiten Jahreshälfte 2022 überhaupt kein Thema", erklärt Mohr. Nun landeten in den Portfolios zum Beispiel der Lyxor MSCI Emerging Markets (LU0635178014) und der iShares Core MSCI EM IMI (IE00BKM4GZ66).

Bei der BNP Paribas stehen chinesische Aktien sogar an zweiter Stelle der Zuflüsse - gleich hinter globalen Aktien. So ist zum Beispiel der iShares MSCI China (IE00BJ5JPG56) beliebt, ebenso der iShares MSCI China A (IE00BQT3WG13). Der Letztere bezieht sich nur auf A-Aktien, also Aktien, die an den Börsen in Shanghai und Shenzhen in Renminbi gehandelt werden. Beide ETFs konnten zuletzt deutlich zulegen: Der iShares MSCI China kommt seit Jahresanfang auf ein Plus von 14 Prozent, der iShares MSCI China A immerhin noch auf 9,4 Prozent.

Branchen: Klarer Trend fehlt

Im Geschäft mit Branchen-ETFs ist das Bild nicht so eindeutig. Besonders hohe Umsätze weisen Mohr zufolge Grundstoff-, Technologie- und Energie-ETFs auf. "Es dominiert aber keiner der Sektoren, auch die Unterschiede von Käufen zu Verkäufen sind nicht groß." Für die Grundstoffbranche mit den Goldproduzenten (LU0488317701) meldet er ein ausgeglichenes Bild von Zu- und Abflüssen, für die Technologiebranche leichte Zuflüsse, etwa in den iShares Automation & Robotics (IE00BYZK4552) und den Invesco CoinShares Global Blockchain (IE00BGBN6P67). Heuclin berichtet von hohen Zuflüssen in Banken-ETFs wie dem Invesco Stoxx Europe 600 Optimised Banks (IE00B5MTWD60).

Viel gehandelt wird laut Mohr außerdem der iShares Global Clean Energy (IE00B1XNHC34), mit aktuell leichten Abflüssen. Käufe überwögen beim WisdomTree Cybersecurity (IE00BLPK3577) und beim L&G Hydrogen Economy (IE00BMYDM794), allesamt Themen-ETFs, die branchenübergreifend auf einen bestimmten Trend setzen. "Die kommen schon seit einiger Zeit konstant gut an", stellt Mohr fest.

Anleihen: Auch hier nein zu US-Werten

Was Anleihen-ETFs angeht, sind bei der BNP Paribas vor allem Staatsanleihen gefragt, auch hier speziell europäische. Anleger*innen setzen etwa auf den iShares Germany Govt Bond (IE00B5V94313), trennen sich aber vom Invesco US Treasury Bond 7-10 Year (IE00BF2FN646). Auch im Bereich der Unternehmensanleihen dominieren die Zuflüsse. Absoluter Favorit: der iShares Core EUR Corp Bond (IE00B3F81R35) mit europäischen Unternehmensanleihen. Aus den Portfolios fliegen hingegen inflationsgebundene ETFs (IE00B1FZSC47). Auch Mohr sieht viel Zuspruch für den iShares Core EUR Corp Bond, aber auch für den Amundi Index Euro Corporate SRI mit Nachhaltigkeitsfilter (LU1437018168).

"Gute ETF-Zuflüsse trotz herausfordernder Märkte"

2022 war - trotz Ukraine-Krieg und Energiekrise - hinsichtlich der Flows das fünftbeste in der europäischen ETF-Geschichte, wie ETF-Anbieter Amundi meldet: 82 Milliarden Euro an Neugeldern flossen in europäische ETFs. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre ist der europäische ETF-Markt somit um 17 Prozent pro Jahr gewachsen. Was Aktien-ETFs anging, waren Amundi zufolge im Gesamtjahr vor allem globale und US-Engagements gefragt, während es aus Europa-Aktien-ETFs deutliche Abflüsse gab. Hohe Zuflüsse meldet der Emittent zudem für Themen-ETFs, etwa mit den Schwerpunkten Erneuerbare Energien und Cybersicherheit. Im Bereich der Anleihen-ETFs seien Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen am beliebtesten gewesen. Bei Schwellenländeranleihen kam es laut Amundi hingegen zu erheblichen Abflüssen, insbesondere aus ETFs auf chinesische Anleihen. Weiter stark nachgefragt: ESG-ETFs mit hohen Zuflüssen.

von: Anna-Maria Borse, 25. Januar 2023, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



Quelle: dpa-AFX


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