Börse Frankfurt-News: "Starke Verkaufswelle" (ETF-Handel)

Dienstag, 27.10.20 16:35
Kursticker auf einer digitalen Anzeige.
Bildquelle: pixabay
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Angesichts der rasant steigenden Neuinfiziertenzahlen in Europa werden auch ETF-Anleger nervös und nehmen bei ihren Aktien-ETFs lieber Gewinne mit. Auffällig hoch ist das Interesse an Chinas Aktien und Anleihen - das Land scheint das Virus unter Kontrolle zu haben.

27. Oktober 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die heftigen Kursrücksetzer am Aktienmarkt machen sich auch im ETF-Handel bemerkbar: Aktien-ETFs stehen meist auf den Abgabelisten, während Staatsanleihen-ETFs eher gekauft werden. "Wir sehen eine starke Verkaufswelle bei DAX-ETFs", berichtet Andreas Schröer von Lang & Schwarz. Der DAX hatte gestern noch einmal kräftig nachgegeben, am Dienstagmittag steht der Index bei 12.166 Punkten. Damit kommt er für die vergangenen zwei Wochen auf ein Minus von rund 1.000 Punkten.

Wegen der rasant steigenden Corona-Fälle in Europa sind es allerdings vor allem europäische Aktienindizes, die in die Knie gehen. "Die positiven Erwartungen müssen wahrscheinlich zurückgeschraubt werden", meint Hubert Heuclin von BNP Paribas. Den Ländern gelinge es einfach nicht, COVID-19 in den Griff zu bekommen, Enttäuschungen könne es zudem bei den Impfstoffen geben. "Kursrückgänge bei Aktien und Renditerückgänge bei Anleihen könnten die kommenden Wochen prägen."

Nur wenig Zuflüsse in Aktien-ETFs

Heuclin meldet deutliche Abflüsse aus Aktien-ETFs, etwa aus S&P-Trackern (WKN A1JX53, A1C19C), aber auch aus europäischen Aktien (WKN DBX0P1, 263530). Von deutschen Aktien verabschiedeten sich Anleger laut Heuclin ebenfalls, etwa vom Xtrackers DAX (WKN DBX1DA) und vom iShares Core DAX (WKN 593393).

Höhere Zuflüsse beobachtet er lediglich bei einigen globalen ETFs wie dem Vanguard FTSE All-World (WKN A2PKXG) und auch dem iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGWC), Abflüsse registriert er hingegen für den MSCI ACWI der UBS (WKN A14VJR).

Chinas Aktien im Blick

Zu den wenigen Lichtblicken in diesem Jahre gehört der chinesische Aktienmarkt. Zum Beispiel kann der Xtrackers MSCI China (WKN DBX0G2) seit Jahresanfang mit einem Plus von 14,4 Prozent punkten. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage hat er es in die Top-25 geschafft.

China ist das einzige größere Land, das in diesem Jahr wachsen dürfte. Zuletzt meldet Peking für das dritte Quartal ein Plus von 4,9 Prozent, für das Gesamtjahr prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Plus von 1,9 Prozent. Für die USA rechnet der IWF hingegen mit einem Minus von 4,3 Prozent, für die Eurozone sogar von minus 8,3 Prozent.

Dauerthemen Technologie und Nachhaltigkeit

Digitalisierung und Klimawende - das bleiben nach Einschätzung der Anleger Zukunftsthemen. So sind Technologie-ETFs unverändert gesucht, vor allem der iShares Nasdaq 100 (WKN A0F5UF, A0YEDL). Der hat zuletzt zwar etwas gelitten, kommt seit Jahresanfang aber immer noch auf dickes Plus von 24 Prozent. Auch deutsche Technologieaktien werden gekauft, wie Schröer berichtet, etwa mit dem TecDAX-ETF (WKN 593397).

Beliebt sind außerdem weiter Aktien mit Nachhaltigkeitsanspruch: Schröer berichtet etwa von einer anhaltend hohen Nachfrage nach dem iShares Global Clean Energy (WKN A0MW0M). Der verzeichnete in den vergangenen fünf Handelstagen auch an der Börse Frankfurt auffällig hohe Umsätze.

Run auf chinesische Staatsanleihen

Im Handel mit Anleihen-ETFs ist das Bild ebenfalls klar: Anleger trennen sich von Unternehmensanleihen- (WKN 911950) und positionieren sich stattdessen in US-Staatsanleihen-ETFs (WKN A0LGP4). Auch die Zuflüsse in inflationsgeschützte Anleihen halten an.

Eine wachsende Rolle spielen mittlerweile chinesische Staatsanleihen: Hier meldet Heuclin hohe Zuflüsse in den iShares China CNY Bond in ausschüttender und thesaurierender Variante (WKN A14T8G, A2P3WK). Die ETFs bilden auf Renminbi lautende Investment-Grade-Anleihen ab, die vom chinesischen Finanzministerium oder staatlichen Stellen, die nicht explizit staatsgarantiert sind, begeben wurden. Sie ermöglichen somit eine Direktanlage am chinesischen Staatsanleihenmarkt. Die ETFs haben zuletzt deutlich zulegen können, haben die Verluste bis Juli dieses Jahres aber längst noch nicht wettgemacht und bringen Anlegern bislang kaum Rendite.

Neben dem umsatzstarken und mit Abstand größten iShares China CNY Bond bilden noch weitere ETFs chinesische Staatsanleihen ab, konkret der Goldman Sachs Access China Government Bond (WKN A2PPCG), der Xtrackers II Harvest China Government Bond (WKN DBX0PN) und der UBS J.P. Morgan CNY China Government 1-10 Year Bond. Während die Fondswährung der ersten drei der US-Dollar ist, ist es beim UBS-ETF der Renminbi.

von: Anna-Maria Borse

27. Oktober 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



Quelle: dpa-AFX




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