Dividenden: der oft vergessene Teil der Aktienrendite

Dienstag, 15.02.11 17:41
digitale Präsentation mit Kursdaten
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Die Rendite ist für die Entscheidung über die Wahl der verschiedenen Anlageformen im Rahmen der Anlagestrategie ein entscheidender Faktor. Langfristig haben bereits kleine Renditeunterschiede große Auswirkungen auf den Sparerfolg. In einen fairen Vergleich müssen dazu alle Renditebestandteile einbezogen. Bei Aktien ist dies neben der Kursentwicklung auch die oft übersehene Dividende.

Dieses Jahr – so wird geschätzt – werden allein die Unternehmen des Deutschen Aktienindex DAX etwa 25 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – rund 30 Prozent mehr als im letzten Jahr.

 

Im Schnitt macht die Dividende ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Aktienrendite aus, also etwa zwei bis drei Prozent. Über die Jahre kommt damit einiges zusammen: So steht der um Dividenden bereinigte Kurs-DAX aktuell bei rund 4.300 Punkten, während es beim Performance-DAX, der Dividenden berücksichtigt, 7.300 Punkte sind. Wer nur auf die Kurse schaut, hätte in den 23 Jahren, in denen der DAX berechnet wird, insgesamt rund 40 Prozent der Gesamtrendite ignoriert.

 

Allerdings kann die Dividendenrendite von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Gemessen an den aktuellen Kursen, erzielt rund ein Drittel der DAX-Werte eine Dividendenrendite von über drei Prozent. Einige Werte kommen sogar auf fünf bis sieben Prozent. Die Ausschüttungsrendite von Aktien liegt damit auf einem Niveau, das den Vergleich mit festverzinslichen Anlagen nicht scheuen muss. Mit fünf- bis achtjährige öffentliche Anleihen sind zur Zeit z.B. weniger als drei Prozent erzielbar.

 

Dividenden allein machen aber nicht glücklich, denn die ausgeschütteten Mittel stehen zunächst einmal nicht mehr für Investitionen des Unternehmens zur Verfügung. Dies ist auch der Grund, warum Aktien am Tag nach der Dividendenausschüttung in der Regel mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden, der der Höhe der gezahlten Dividende entspricht. Rein mathematisch ist es daher auch für den Anleger eigentlich gleichgültig, ob Dividende gezahlt wird oder nicht. Was langfristig zählt, sind das Geschäftsmodell und die damit verbundenen Gewinnmöglichkeiten des Unternehmens. Bei einem tragfähigen Geschäftsmodell ist es steuerlich sogar günstiger, auf Dividenden zu verzichten und den Gewinn tendenziell stärker einzubehalten. Auf Ausschüttungen ist schließlich unmittelbar Abgeltungsteuer zu zahlen, während der Fiskus auf thesaurierte Gewinne zunächst einmal nicht zugreift, sondern erst, wenn hieraus später ausgeschüttet wird. Die „gestundete" Abgeltungsteuer kann daher vom Unternehmen wieder rentabel reinvestiert werden.

 

Unabhängig von solchen Überlegungen sollte der Anleger aber trotzdem auf die Dividendepolitik achten. Wenn Unternehmen über einen längeren Zeitraum zuverlässig Dividende gezahlt haben, ist das ein Hinweis, dass das Geschäftsmodell insgesamt tragfähig gewesen ist. Dies lässt sich auch mit Fakten belegen. So hat der DivDAX, der die 15 dividendenstärksten Titel des DAX enthält, den Gesamt-DAX in den vergangenen 10 Jahren deutlich übertroffen.

 

Insgesamt ist damit die Dividende ein wichtiger Bestandteil der Aktienerträge, der bei Renditevergleichen nicht ignoriert werden sollte. Sie ist damit auch ein wichtiges Signal bei der Aktienauswahl. Wer auf konstante Rückflüsse aus dem Aktieninvestment Wert legt, wird hierauf besonders achten. Die Dividende sollte aber auch nicht als ausschließliches Kriterium bei der Auswahl einzelner Aktien für das Depot genutzt werden. Letztlich entscheidet die Gesamtperformance aus Dividende und Kursentwicklung – und diese speist sich aus dem Erfolg des Unternehmens beim Verkauf seiner Produkte und Dienstleistungen.

 

Prof. Dr. Rüdiger von Rosen ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts e.V.

Quelle: Deutsches Aktieninstitut