Drastischer Preissprung: Inflation in Deutschland auf höchstem Stand seit 30 Jahren

Donnerstag, 29.07.21 20:13
Drastischer Preissprung: Inflation in Deutschland auf höchstem Stand seit 30 Jahren
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WIESBADEN (dpa-AFX) - Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gesprungen. Die Verbraucherpreise lagen um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand einer vorläufigen Berechnung mitteilte. Das Leben in Deutschland verteuerte sich somit kräftig - und die Teuerung dürfte in den nächsten Monaten weiter anziehen. 

Erhöhen sich Preise allgemein, spricht man von Inflation. Das Geld ist dann weniger wert, Verbraucher können für einen Euro weniger kaufen als zuvor. Waren insgesamt verteuerten sich in Deutschland binnen Jahresfrist um 5,4 Prozent. Überdurchschnittlich zogen dabei die Energiepreise mit 11,6 Prozent an. Für Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli des laufenden Jahres 4,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. In allen Kategorien zogen die Preise deutlich stärker an als in den vergangenen Monaten.

In Deutschland sind seit Januar 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Beides sorgt dafür, dass Tanken und Heizen teurer wird. "In den nächsten Monaten dürfte Deutschland den stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten erleben", prognostizierte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. 

Die Europäische Zentralbank (EZB), für die stabile Preise im Euroraum der 19 Länder das zentrale Ziel sind, hat sich mit ihrer neuen Strategie bereits mehr Flexibilität beim Umgang mit vergleichsweise hohen Inflationsraten verschafft: Die Notenbank strebt nun für den Währungsraum eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an und ist dabei zumindest zeitweise bereit, eine moderate Über- oder Unterschreitung dieser Marke zu akzeptieren. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, lag in Deutschland im Juli nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 3,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und um 0,5 Prozent über dem Stand von Juni 2021.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar mahnte: "Der drastische Preisanstieg ist absolut beunruhigend und sollte nicht vorschnell klein geredet und auf Sondereffekte zurückgeführt werden. Wir haben zehn Jahre ultralockere Geldpolitik hinter uns, insofern besteht aller Anlass zur Sorge, dass die Preise weiter steigen könnten."/ben/DP/jsl



Quelle: dpa-AFX


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