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HINTERGRUND: 'Nicht alle passen' - Firmen treffen Geflüchtete auf Jobmesse

Montag, 28.01.19 15:40
HINTERGRUND: 'Nicht alle passen' - Firmen treffen Geflüchtete auf Jobmesse
Bildquelle: iStock by Getty Images
BERLIN (dpa-AFX) - Vor einem Jahr kam Manaf Al Maftah auf eine Berliner Jobmesse - mit Hoffnung und Lebenslauf im Gepäck. IT-Vorkenntnisse halfen dem jungen Syrer, bei einem Unternehmen Interesse zu wecken. Ein Jahr später - an diesem Montag - ist der 32-Jährige wieder auf der Messe. Er arbeitet inzwischen bei der Firma Infinit Services als Junior Software Entwickler - und will anderen Geflüchteten hier Mut machen. "Es ist ein Stück neuer Weg", sagt Al Maftah über das Leben, das er sich hier aufgebaut hat.

Die inzwischen vierte Berufs- und Ausbildungsmesse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende - es soll sich um die größte in Europa handeln - zieht gleich zu Beginn viele junge Leute an. 180 Firmen haben in einer Halle Stände aufgebaut. Es sind namhafte große Unternehmen darunter, aber auch kleinere sowie Verbände und Institutionen, die über Aus- und Weiterbildung informieren. Unter den Messebesuchern ist ein junger Syrer, der einen Ausbildungsplatz sucht. "Hier kann man viele Chancen finden", sagt er. Seit seiner Flucht aus Syrien im Jahr 2015 lebe er in Berlin. Derzeit habe er einen Mini-Job als Zeitungsausträger.

370 000 Menschen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern - das sind Syrien, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak, Somalia, Nigeria und Eritrea - haben laut Bundesagentur für Arbeit zurzeit hierzulande einen Job. Das seien 100 000 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Gesamtzahl teilt sich auf in 300 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen und 70 000 ausschließlich Mini-Jobs. Seit Jahren steigt hierzulande die Zahl der Geflüchteten mit einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit. Im Sommer 2013 waren es noch gut 61 000, Mitte 2017 belief sich die Zahl auf 157 000.

Zugleich sind laut Bundesagentur zurzeit 600 000 erwerbsfähige Geflüchtete bei den Jobcentern registriert. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel Integrationskurse machen oder arbeitslos gemeldet sind. Zehntausende von ihnen werden nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, in diesem Jahr einen Job finden - mit Blick auf die insgesamt gute Arbeitsmarktsituation in Deutschland. Es werden ungefähr zwischen 60 000 und 70 000 sein, wie er auf der Messe sagt. "Ich glaube vor allen Dingen, dass es uns wieder gelingt, viele jugendliche Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen." Bei der Flüchtlingsintegration werde es etwas besser weitergehen als in den vergangenen Jahren. Scheele führt das auf den Spracherwerb zurück, der sich mit den Jahren verfestige.

Von den Geflüchteten mit sozialversicherungspflichtigem Job arbeitete Mitte 2018 laut Bundesagentur-Statistik fast die Hälfte als Helfer - zum Beispiel in der Reinigung oder Logistik. Das spiegelt sich auch auf der Jobmesse wider. Hier bieten viele Firmen Tätigkeiten an, bei denen keine Ausbildung notwendig ist. Die Deutsche Post zum Beispiel wirbt mit Flyern für einen Job als Briefsortierer oder Paketzusteller. Nach der vorigen Jobmesse habe das Unternehmen 180 Leute eingestellt, berichtet ein Mitarbeiter. Viele der Geflüchteten hätten eine "große Motivation" bei ihrer Arbeit.

An einem Aufsteller in der Messehalle sind Jobanzeigen angebracht. Sie lauten unter anderem: Gartenbauhelfer, Helfer Gastgewerbe, Helfer Hotel und Helfer stationäre Krankenpflege.

Ein Vertreter der IT-Firma, für die auch der Syrer Manaf Al Maftah arbeitet, betont über die Bewerberlage für eine Arbeit als Fachkraft: "Nicht alle passen." Vor allem, wenn Vorkenntnisse oder ein Studium Voraussetzung sind.

Zum großen Anteil an Helfer-Jobs unter den arbeitenden Geflüchteten betont Scheele, man habe bei Erwachsenen immer gesagt: "Work first" (Arbeit zuerst). Wenn jemand als Helfer arbeite, dann sei das ein erster Schritt zum Ankommen in Deutschland. "Ich finde, man sollte das nicht zu sehr abwerten."

Die Bundesagentur vereinbarte am Montag auch eine Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, zur engeren Zusammenarbeit. Die Maßnahmen sollen unter anderen dabei helfen, geflüchtete Frauen besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Statistik des Bundesagentur zeigt: Mitte 2018 waren 87 Prozent der Geflüchteten mit Job Männer./rin/DP/fba



Quelle: dpa


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