Keine Angst vor der Zinsentscheidung

Mittwoch, 16.03.11 16:27
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Die Ankündigung von Präsident Trichet, auf der nächsten Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) im April eine Zinserhöhung in Erwägung zu ziehen, hat für viele Marktteilnehmer Signalwirkung. Damit wäre in der Eurozone die Phase der lockeren Geldpolitik beendet, die seit der Finanzkrise nötig war, um den Geldkreislauf zwischen den Banken aufrechtzuerhalten. Mit der Ankündigung möglicher Zinsschritte reagiert die EZB auf neue Herausforderungen: Nicht nur die Konjunktur, sondern auch die Inflationsrate hat wieder zugelegt. Für das laufende Jahr wird in der Eurozone eine Preissteigerung von 2,3 Prozent prognostiziert, was über dem Richtwert von maximal zwei Prozent liegt.

Das Ende der Niedrigzinspolitik, auch wenn sie nicht schon im April eingeläutet wird, ist vor diesem Hintergrund nur eine Frage der Zeit. Beunruhigen muss dies aber nicht. Ganz im Gegenteil können sich Sparer, die ihr Geld festverzinslich anlegen, über eine Zinswende freuen. Die Durststrecke mit den doch sehr mickrigen Zinsen auf Tagesgeld- oder Sparkonto dürfte sich bald dem Ende nähern.

 

Ebenso würde für Anleger, die sich längerfristig mit einem Anleihekauf binden wollen, die Rendite steigen. Umgekehrt verlieren zwar bereits ausgegebene festverzinsliche Wertpapiere in der Regel an Wert, da diese deutlich weniger nachgefragt werden. Wer überlegt, von den „alten“ auf die „neuen“ Wertpapiere umzusteigen, muss diese Kursverluste einkalkulieren. Ein Verkauf lohnt sich daher selten, zumal zusätzliche Kosten, z.B. Gebühren der Banken für die Ausführung des Auftrags über die Börse, anfallen. Daher ist es zumeist angeraten, Anleihen auch bei Zinsschwankungen bis zum Ende der Laufzeit zu halten.

 

Eine andere Frage ist, wie der Aktienmarkt auf Zinssteigerungen reagieren wird. Hier ist kein negativer Effekt zu erwarten, denn schon die Ankündigung hat keine außergewöhnlichen Ausschläge des Börsenbarometers verursacht. Ferner ist davon auszugehen, dass mit Blick auf die Euro-Sorgenkinder Griechenland, Irland, Portugal und Spanien der erste Zinsschritt äußerst moderat ausfallen wird. Von einem Viertelprozentpunkt ist die Rede. Die EZB wird nicht riskieren, mit einer drastischen Erhöhung der Leitzinsen die Kreditkonditionen und damit die Konjunkturaussichten in diesen Ländern weiter zu verschlechtern.

 

Darüber hinaus ist die Ertragslage in anderen Teilen der europäischen und insbesondere der deutschen Wirtschaft weitgehend robust. Daran dürfte auch ein leichtes Anziehen der Zinsschraube nichts ändern. Es ist deswegen nicht zu befürchten, dass die Anleger in großen Teilen von der Aktie in festverzinsliche Wertpapiere umschichten und auf diese Weise einen deutlichen Kursverfall an den Börsen provozieren würden. Zudem ist immer noch ausreichend Liquidität vorhanden, die – je nach Chancenorientierung und Risikoneigung – sowohl für Aktien als auch Anleihen zur Verfügung steht.

 

Angesichts der jüngsten Preisentwicklungen ist die geldpolitische Wende absehbar. Dadurch demonstrieren die europäischen Währungshüter Handlungsfähigkeit und signalisieren den Märkten, dass sie ihre primäre Aufgabe, Preisstabilität in den Euroländern zu gewährleisten, sehr ernst nehmen. Ein stabiler Geldwert verhindert eine Verzerrung von Anlageentscheidungen, die sich etwa durch eine „Flucht ins Gold“ äußert. Er ist Grundvoraussetzung für effiziente Kapitalmärkte zum Wohle der Anleger.

 

Prof. Dr. Rüdiger von Rosen ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts e.V.

Quelle: Deutsches Aktieninstitut