Merck-Chef Oschmann warnt vor Impfstoffkrieg

Montag, 22.03.21 15:42
Merck-Chef Oschmann warnt vor Impfstoffkrieg
Bildquelle: Merck AG
DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, Stefan Oschman, warnt vor möglichen Exportbeschränkungen für Impfstoffe aus der EU. "Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung, über die ich mir große Sorgen mache. Ein Impfstoffkrieg wird allen schaden", sagte der Manager dem "Handelsblatt" (Montag).

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Die Europäische Union lässt bisher die Ausfuhr von Corona-Impfstoffen zu, obwohl in der EU Mangel herrscht. Das könne man den Bürgern kaum noch erklären, hatte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kürzlich gesagt und mit weiteren Exportbeschränkungen, vor allem gegen Astrazeneca und Großbritannien, gedroht. Von der Leyen hatte auch neue Exportauflagen ins Spiel gebracht und dabei auch Exporte in solche Länder infrage gestellt, in denen ein höherer Anteil der Bevölkerung geimpft ist als in der EU - das wären auch die USA.

Dass die Vereinigten Staaten Millionen Impfdosen von Astrazeneca lagern, obwohl ihn die US-Arzneimittelbehörde FDA noch gar nicht zugelassen hat, verteidigte Oschmann: "Mit Blick auf eine erwartete Markteinführung für ein solches Produkt ist das durchaus rational." Merck produziert unter anderem Einweg-Reaktoren und Filter für die Biotech- und Impfstoffproduktion überwiegend in den USA. "Wenn die EU jetzt anfängt, Exportverbote in die USA zu verhängen, könnte die US-Regierung darauf leicht reagieren und vieles in der europäischen Pharma- und Biotechindustrie lähmen", befürchtet der Merck-Chef.

Auch der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte vor Exportstopps. Für einen Corona-Impfstoff brauche man Hunderte Bestandteile und Hilfsmittel, die von überall auf der Welt geliefert und in Vorbearbeitungsstufen zwischen verschiedenen Ländern ausgetauscht würden. Wenn nun immer mehr Länder zu einseitigen Exportstopps griffen, komme irgendwann die ganze Logistikkette ins Straucheln, so der vfa. "Das können weder Deutschland noch die EU, obwohl sie starke Produktionsstandorte sind, wegstecken."/als/DP/fba



Quelle: dpa-AFX


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