Mini-Zertifikate auf EUR/JPY: Zum Erfolg verdammt - Zertifikateanalyse

Mittwoch, 02.08.17 09:00
Mini-Zertifikate auf EUR/JPY: Zum Erfolg verdammt - Zertifikateanalyse
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Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" das Mini Long-Zertifikat (ISIN DE000PA2SAS0 / WKN PA2SAS) und das Mini Short Zertifikat (ISIN DE000PA2SF87 / WKN PA2SF8) auf den EUR/JPY (ISIN EU0009652627 / WKN 965262) vor.

Nach einer Vorbereitungszeit von vier Jahren hätten sich Japan und die Europäische Union (EU) Anfang Juli über die Grundsätze zum JEFTA geeinigt. Hinter der Abkürzung verberge sich das Japan-EU Free Trade Agreement, ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und der EU. Mit dem Abkommen sollten Handelshemmnisse und Zölle zwischen den beiden Ländern beziehungsweise Wirtschaftsregionen schrittweise abgebaut werden. Mit der Vereinbarung sei auch eine engere Partnerschaft verbunden, die ab 2019 in Kraft treten solle. Mit ihr entstehe, gemessen an der Wirtschaftskraft, die weltweit größte Freihandelszone, die ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung abdecke. Neben den Unternehmen sollten auch die Verbraucher von weniger Zöllen, mehr Wettbewerb und niedrigeren Preisen profitieren. Analysten würden schätzen, dass pro Jahr Kosteneinsparungen in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro den Konsumenten zugutekämen.

Der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen werde bei den Wirtschaftsräumen nutzen und voraussichtlich zu mehr Wachstumsdynamik führen. Noch mehr als die EU sei allerdings Japan auf eine Belebung der Konjunktur angewiesen, denn bereits seit der Immobilienkrise zu Beginn der 1990er Jahre stecke das Land in einer Phase der Stagnation. Nur zwischenzeitlich sei es der Regierung mit massiven staatlichen Ausgabenprogrammen gelungen, die Konjunktur anzukurbeln. Die Wachstumseffekte dieser Maßnahmen seien aber alsbald wieder wie Strohfeuer in sich zusammengefallen. Im Durchschnitt der Jahre von 1992 bis 2002 sei die Wirtschaft im Schnitt um 1,0 Prozent pro Jahr gewachsen; das sei das schwächste Wachstum aller Industriestaaten in diesem Zeitraum. In den folgenden Jahren sei es auch nicht besser geworden: Von 2003 bis 2016 habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Schnitt sogar nur um 0,86 Prozent pro Jahr zugelegt.

Von den vielen Ausgabenprogrammen sei am Ende vor allem eine massive Ausweitung der Staatsschulden zurückgeblieben. Von 1999 bis 2016 seien die Staatsschulden von 122,7 auf 222,2 Prozent in Relation zum BIP gestiegen. Nach der Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werde diese Quote bis 2018 sogar noch auf 227,9 Prozent steigen. Das sei die höchste Staatsverschuldung aller OECD-Länder. Zum Vergleich: In der Eurozone habe die Staatsverschuldung 2016 bei 109,2 Prozent gelegen und sie werde voraussichtlich bis 2018 auf 106,4 Prozent sinken.

Premierminister Shinzo Abe sei im Jahr 2012 angetreten, dieses "Durchwursteln" zu beenden und die Wirtschaft endlich aus ihrer Stagnation zu befreien. Zu den Mitteln der Wahl habe auch diesmal eine massive Erhöhung der Staatsausgaben gezählt. Im Unterschied zu früheren Programmen sollte dies aber durch eine extrem expansive Geldpolitik begleitet werden - und durch energische Strukturreformen. Frühere Versuche, Japan aus seiner Stagnation zu führen, seien nach Einschätzung vieler Experten daran gescheitert, dass die Geldpolitik zu früh den Geldhahn wieder zugedreht habe. Das solle diesmal anders sein: Die Bank of Japan (BoJ) wolle so lange auch mit unkonventionellen Maßnahmen die Liquidität im Finanzsystem hoch halten, bis die Inflationsrate über die Zielgröße von 2,0 Prozent gestiegen sei und die Gefahr einer Deflation auf Dauer gebannt sei. Zu diesem Zweck kaufe die BoJ wie die US-Notenbank FED und die Europäische Zentralbank (EZB) in sehr großem Umfang Anleihen ("Quantitative Easing").

Während Shinzo Abe bei seinem unter dem Schlagwort "Abenomics" bekannten Wirtschaftsprogramm die Notenbank auf seiner Seite habe, gebe es kaum Fortschritte bei der dritten Säule, den Strukturreformen. Dazu zähle neben der Vereinfachung von Verwaltungsabläufen auch das Aufbrechen der Verkrustungen am Arbeitsmarkt. Japan wäre aufgrund seiner schrumpfenden Bevölkerung und seiner überalterten Gesellschaft zum Beispiel auf verstärkten Zuzug ausländischer Arbeitnehmer angewiesen. Doch In dieser Hinsicht habe sich in den letzten Jahren wenig getan. Auch die Landwirtschaft sei ein stark gegen ausländische Konkurrenz abgeschotteter Sektor. Es bleibe abzuwarten, ob sich das durch JEFTA ändere.

Aber es sei derzeit keineswegs alles schlecht in Japan. Im Gesamtjahr 2017 solle sich die Expansion des BIPs auf 1,4 Prozent beschleunigen, das sei die höchste Wachstumsrate seit 2013. Japan profitiere derzeit nicht nur dank der soliden Weltwirtschaft von einem Exportboom, auch die Nachfrage im Inland habe sich belebt. Doch obwohl die Arbeitslosenquote im April mit 2,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit 22 Jahren gefallen sei und viele Branchen händeringend Mitarbeiter suchen würden, bleibe das Lohnwachstum verhalten. Ohne steigende Löhne ziehe allerdings auch die Inflation nicht an. Offenbar würden Japans Unternehmen nach Jahrzehnten geringer Inflation aus Angst, Marktanteile zu verlieren, davor zurückscheuen, die Preise zu erhöhen. Lieber würden sie ihre Kosten weiter reduzieren. Die von der Notenbank erhoffte Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen komme daher bisher nicht in Gang. Zwar habe die Inflationsrate 2017 angezogen, sie sei aber mit +0,4 Prozent immer noch weit von der Zielgröße der BoJ von 2,0 Prozent entfernt.

Darüber seien nicht nur Japans Notenbanker, sondern auch viele andere Wirtschaftsexperten beunruhigt. Sollte auch diesmal die Chance einer guten Konjunktur nicht genutzt werden können, um die Deflationsgefahr in Japan auf Dauer zu beseitigen, dann werde sich so schnell keine weitere Gelegenheit bieten. Die Staatsschulden könnten nicht ewig weiter erhöht werden, ohne einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu riskieren. Die BoJ sei daher zum Erfolg verdammt und werde weiter an ihrer extrem expansiven Geldpolitik festhalten. Genau dies hätten die Notenbanker zuletzt immer wieder bestätigt.

In der EZB dagegen werde offenbar inzwischen über den langsamen Ausstieg aus dem Programm zum Aufkauf von Anleihen nachgedacht. Das werde zwar voraussichtlich auch erst 2018 der Fall sein und eine Anhebung des Leitzinses werde noch länger auf sich warten lassen, aber die geldpolitische Wende werde in der Eurozone dennoch früher kommen als in Japan. Diese Erwartung spiegle sich unter anderem im Anstieg der Umlaufrendite am deutschen Rentenmarkt auf 0,35 Prozent wider - das sei der höchste Stand seit Anfang 2016. In Japan seien die Anleiherenditen dagegen nicht gestiegen. Denn die Bank of Japan habe sich eine "Kontrolle der Zinskurve" auf die Fahnen geschrieben und verhindere einen Anstieg der Renditen gezielt durch den erhöhten Ankauf von Anleihen.

Die unterschiedliche Entwicklung der Zinsen und vor allem der Zinserwartungen spreche daher für einen Anstieg des Wechselkurses Euro/Japanischer Yen (EUR/JPY). Denn das internationale Kapital fließe dahin, wo es eine höhere Verzinsung gebe. Zudem würden Japans Anleger wegen geringer Investitionsmöglichkeiten im Inland bereits seit vielen Jahren stark auf Auslandsinvestitionen angewiesen setzen. Diese Kapitalströme würden die Entwicklung des Yen-Wechselkurses mehr als der Austausch von Waren und Dienstleistungen bestimmen. Die hohen Auslandsinvestitionen - auch in Form von Produktionsstätten im Ausland - hätten jedoch auch eine Kehrseite: Es gebe laufend einen hohen Kapitalzufluss durch Einnahmen aus Dividenden, Lizenzen und Patenten. Das bringe Japan dauerhaft einen Überschuss in der Leistungsbilanz und dieser wiederum stabilisiere den Wechselkurs des Yen in Krisenzeiten.

Das JEFTA-Abkommen könne langfristig dazu beitragen, Japans Wirtschaft mehr zu öffnen und damit zu beleben. Das wäre positiv für den Yen. Engere Handelsbeziehungen zur EU würden vermutlich auch die starken Schwankungen bei EUR/JPY verringern. Kurzfristig habe das Abkommen aber kaum Auswirkungen auf die Wechselkursentwicklung, die derzeit vor allem von der Bereitschaft der BoJ bestimmt werde, länger an der extrem expansiven Geldpolitik festzuhalten als die US-Notenbank und die EZB. In den letzten zwölf Monaten habe der Yen daher nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem US-Dollar unter Abwertungsdruck gestanden. Diese Tendenz dürfte anhalten. Allerdings habe sich der Wechselkurs EUR/JPY in den letzten Jahren durch starke Schwankungen ausgezeichnet, das sollten Anleger bedenken. Nehme die Risikoaversion an den Märkten zu, dann würden die Japaner Geld aus Auslandsinvestitionen abziehen. Der Yen werde dann zur Fluchtwährung und lege an Wert zu. Zuletzt sei dies in der ersten Jahreshälfte 2016 zu beobachten gewesen. (Ausgabe August 2017) (02.08.2017/zc/a/a)



Quelle: ac


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