Morningstar: Haben Value-Anleger final verloren? Fondsnews

Freitag, 25.09.20 13:00
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Wien (www.fondscheck.de) - Value-Investing hat im Laufe der Zeit viele Investoren reich gemacht, so die Experten von "FONDS professionell".

Zu den bekanntesten würden Wall Street-Legenden wie Warren Buffett, Charlie Munger oder John Templeton gehören. Auch viele Kleinanleger setzten und setzen noch heute darauf, Firmen ausfindig zu machen, die an der Börse zu niedrig bewertet werden, so die Experten von "FONDS professionell". Das Problem: Die Value-Strategie laufe nicht mehr und das bereits seit Jahren. Growth-Aktien, vor allem Technologiewerte, würden Substanzaktien sowohl in den USA als auch in Europa immer weiter hinter sich lassen.

Experten der Fondsratingagentur Morningstar hätten sich die Zahlen angeschaut und die sähen nicht gut aus für Value-Fans. Der MSCI USA Value habe in den vergangenen zehn Jahren in US-Dollar pro Jahr um 9,1 Prozent an Wert zugelegt. Der MSCI USA Growth sei im selben Zeitraum um satte 16,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Ein Blick auf die kumulierte Rendite illustriere den Unterschied: Hätte man vor einer Dekade 10.000 Euro in den Value-Index investiert, stünde man heute mit 24.000 Dollar da. Ein Investment in das Growth-Barometer hätte dagegen 47.000 Dollar eingebracht. In Europa klaffe die Lücke zwischen den Investmentstilen sogar noch weiter auseinander: Der MSCI Value für Europa habe im vergangenen Jahrzehnt nur um 2,8 Prozent pro Jahr zugelegt, sein Growth-Pendant verzeichne dagegen einen jährlichen Zuwachs von 8,6 Prozent.

Parallel zur Performance-Schere habe sich die Bewertungslücke zwischen Substanz- und Wachstumsaktien in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet, schreibe Ali Masarwah aus dem Frankfurter Research-Team von Morningstar. Growth-Titel seien mittlerweile massiv höher bewertet als Value-Titel. Vor allem Wachstumsunternehmen mit hoher Marktkapitalisierung scheinen deutlich überbewertet zu sein, so die Experten von "FONDS professionell". Value-Unternehmen, insbesondere in Europa, würden dagegen offensichtlich deutlich unterhalb ihres fairen Wertes notieren.

Sei der Value-Ansatz also tot? Diese Frage könne man laut Morningstar nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Für den endgültigen Niedergang der Substanzwert-Strategie spreche, dass klassische Value-Kennzahlen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) an Bedeutung verloren hätten, argumentiere Masarwah. Immaterielle Vermögenswerte würden sich damit nämlich nicht gut greifen lassen. "Gerade Growth-Unternehmen weisen hohe immaterielle Werte auf", so der Experte. In den 1990er Jahren hätten Patente, Urheberrechte und Co. in den USA rund zehn Prozent der Unternehmenswerte ausgemacht. Heute seien es rund 20 Prozent, im Technologiesektor sogar 40 Prozent.

Firmen mit hohen immateriellen Vermögenswerten könnten ein hohes KBV aufweisen und deshalb teuer erscheinen, weil sich ihr echter Wert mit dieser Kennzahl nicht korrekt ermitteln lasse. "Auch Aktienrückkäufe verringern den Buchwert und werden als Grund genannt, warum klassische Value-Kennziffern nicht mehr greifen", erkläre Masarwah.

Es gebe allerdings auch Argumente, die gegen den Tod von Value sprächen. So sei es keineswegs ausgemachte Sache, dass das Comeback der Substanzaktien, auf das viele Investoren nun schon so lange warten würden, tatsächlich abgesagt sei. Langfristig könnten die hohen Kurse vieler Growth-Aktien auf die erwarteten Renditen drücken und Value-Aktien wieder attraktiver machen. Auch das schwache Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre habe kein ideales Umfeld für den Value-Stil geboten, gebe Masarwah zu bedenken. In solchen Zeiten würden Anleger klassischerweise Growth-Titel bevorzugen. Früher oder später dürfte die konjunkturelle Dynamik aber wieder anziehen.

Letztlich könne die Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Value-Stils nur unbefriedigend ausfallen. Auch nach weiteren zehn Jahren Underperformance werde man nicht klar sagen können, ob Value tot sei oder nur schlafe, sei Masarwah überzeugt. Denn es handle sich dabei um eine Glaubensfrage. Growth-Fans sollten sich nach Ansicht des Morningstar-Experten aber eines verdeutlichen: "In der über hundertjährigen Geschichte des Aktienmarktes gibt es keine Anzeichen dafür, dass manche Unternehmen ewig steigende Umsätze und Gewinne verbuchen." Langfristig würden die Bewertungen von Aktien stets zu ihrem langfristigen Durchschnitt zurückkehren. Value-Investoren dürften also für ihre Engelsgeduld belohnt werden. Irgendwann. (25.09.2020/fc/n/s)



Quelle: Aktiencheck




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