OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Es wird ungemütlich, Marktkommentar von ...

Freitag, 20.09.19 20:27
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Börsen-Zeitung: Es wird ungemütlich, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Konjunkturell wird es nun ungemütlich. Die

Industriestaatenorganisation OECD rechnet auf globaler Ebene mit dem

schwächsten Wachstum seit der Finanzkrise vor rund einem Jahrzehnt.

Das globale Bruttoinlandsprodukt soll den OECD-Schätzungen zufolge in

diesem Jahr noch um 2,9 Prozent und 2020 um 3,0 Prozent zulegen. Im

Mai waren die Experten noch von Zuwächsen von 3,2 bzw. 3,4 Prozent

ausgegangen. Nach Ansicht von OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone

haben sich die Aussichten weltweit weiter eingetrübt.

"Handelskonflikte und politische Spannungen befeuern die Gefahr eines

anhaltend schwachen Wachstums", so Boone.

Einen klaren Dämpfer bekommen die Volkswirtschaften rund um den

Globus offenkundig durch den Handelskonflikt der USA mit China - so

sieht es die OECD. Denn allein die von den USA und China gegenseitig

verhängten Strafzölle dürften laut OECD das weltweite Wachstum im

nächsten Jahr um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte belasten. Und es könnte

durchaus noch schlimmer kommen. Ein harter Brexit, die politischen

Unsicherheiten in Europa und eine womöglich noch stärkere

Konjunkturabkühlung im Reich der Mitte sollten dann das Wachstum auf

globaler Ebene noch stärker beeinträchtigen.

Diese Ängste teilen Marktteilnehmer und Notenbanken ebenfalls. Und

Zentralbanken haben bereits angefangen, sich gegen die

Negativeinflüsse des Handelskonfliktes auf die Wirtschaften zu

stemmen. Japans Notenbank steuert den Niedrigzinskurs und

signalisierte, bei Bedarf die Geldschleusen noch weiter zu öffnen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagensatz weiter ins

Minus zurückgestuft und wird ab November wieder Nettoanleihekäufe

vornehmen - ein klares Signal auch gegen die konjunkturelle

Abschwächung. Und die Fed hat in der gerade abgelaufenen Woche erneut

den Leitzins gekappt, und zwar um 25 Basispunkte auf nun 1,75 bis 2,0

Prozent. Fed-Chef Jerome Powell erklärte im Anschluss an den

Zinsentscheid, dass weitere Zinssenkungen notwendig werden könnten,

wenn die Wirtschaft zur Schwäche neigen sollte. Sieben von 17

US-Notenbankern sehen einen weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr

als angemessen an. James Bullard hatte sogar eine doppelt so starke

Rücknahme der Fed Funds Rate um 50 Basispunkte eingefordert.

Die Fed gab in Summe betrachtet aber keine klaren Signale ab, wo

die Reise bei den Zinsen hingehen soll. Nach Ansicht der Experten der

Investmentgesellschaft Franklin Templeton lautete die Botschaft der

Fed nach der jüngsten Zinsentscheidung, dass es derzeit keinen Grund

zur Panik gibt, dass man nicht am Rande der Rezession steht und es

derzeit keinen Grund gibt, mit einer massiven weiteren monetären

Lockerung zu rechnen. Die Fed habe sich in diesem Jahr schon in eine

Ecke drängen lassen und sich an die Markterwartungen für

Zinssenkungen gehalten. Nun habe sie einige Schritte unternommen, um

sich daraus zu befreien. Für Franklin Templeton lautet die Aussage

der Fed nun: Warten wir die Auswirkungen der Zinssenkungen ab, die

US-Wirtschaft wächst weiterhin stabil.

Natürlich will die Fed sich nicht in die Ecke gedrängt sehen, ein

Getriebener der Märkte zu sein, genauso wenig, wie sie als politisch

beeinflussbar gelten will. Das ist nur allzu normal. Es ist auch

vollkommen klar, dass sie die Wirkungen ihrer Maßnahmen abwarten will

und sich nicht kategorisch auf immer weitere Maßnahmen vorab

festlegen möchte. Die Fed ist ja bekannt dafür, auch mal länger

abzuwarten. Man denke nur daran, wie lange sie gewartet hat und immer

wieder alle möglichen Gründe genannt hat, warum sie keine

Zinserhöhung vornehmen kann. Das reichte von der Verfassung des

US-Arbeitsmarktes über die geopolitischen Risiken und Chinas Wachstum

bis hin zur Situation in den Emerging Markets und ob diese einen

US-Zinsschritt verkraften können.

Nichts anderes macht die Fed jetzt. Natürlich kann es dazu kommen,

dass sie in diesem Jahr auch noch auf einer Sitzung nicht die Zinsen

senkt. Man müsste sich eigentlich wünschen, dass sie auf beiden noch

verbleibenden Sitzungen im Oktober und Dezember genau das tun könnte.

Welche Bedingungen müssten da vorliegen? Vermutlich eine Beendigung

des US-Handelskonflikts, ein geordneter Brexit, eine US-Wirtschaft,

die ihren mehr als zehnjährigen Expansionstrend fortsetzt, sowie

noch einige weitere positive Konjunkturmeldungen auf globaler Ebene.

Natürlich kann das passieren. Aber das ist nicht das von der OECD

jetzt prognostizierte Szenario. Zinssenkungen sind da schon

wahrscheinlicher.

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Quelle: dpa-AFX


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