OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Im Rampenlicht, Kommentar zu ...

Montag, 21.10.19 20:31
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Börsen-Zeitung: Im Rampenlicht, Kommentar zu ProSiebenSat.1 von Heidi

Rohde

Frankfurt (ots) - Während das breite Börsenpublikum ProSiebenSat.1

seit langem die kalte Schulter zeigt, tritt das Unternehmen bei

strategischen Investoren immer stärker ins Rampenlicht. Nach dem

überraschenden Einstieg des italienischen Konkurrenten Mediaset, der

sich im Mai mit knapp 10 Prozent im Kapital der Mediengruppe

breitgemacht hat, hat nun der tschechische Investor Daniel Kretinsky

zugegriffen. Wo das Gros der Anleger vor allem sinkende Umsätze und

Gewinne stören, setzen die Strategen auf die Chancen einer

Transformation, bei der sie früh und außerdem preiswert dabei sein

können: Schließlich hat die ProSieben-Aktie nochmals die Hälfte an

Wert verloren, seitdem Max Conze als CEO angeheuert wurde, um das

Steuer herumzureißen.

Das Misstrauen der Anleger kommt indes nicht von ungefähr. Denn

die strukturellen Herausforderungen im deutschen Fernsehmarkt, wo

sich die Geschäftsmodelle weitgehend auf reichweitenstarkes Free-TV

und entsprechende Werbefinanzierung gründen, sind schon länger

bekannt. Die Angreifer heißen Netflix, Amazon Prime und Co. Sie haben

mit einem vielfältigen zielgruppengerechten Programm an

Pay-TV(-Serien) eine unumkehrbare Fragmentierung des Marktes

eingeläutet, der sich die hiesigen Sender beugen müssen. Mit dem

Aufbau eigener Plattformen als Gegengewicht zu den US-Anbietern, um

Zuschauer und Werbeeinnahmen zurückzugewinnen, hat sich die Branche

insgesamt schwer getan. Alleingänge einzelner Sender erwiesen sich

als Rohrkrepierer oder gewannen nicht die nötige kritische Größe.

Die von ProSiebenSat.1 selbst initiierte Streaming-Plattform Joyn

kommt in Zusammenarbeit mit ARD und ZDF als so etwas wie ein größerer

gemeinsamer Wurf daher. Ihr Erfolg misst sich bisher jedoch nur in

Clicks, nicht in nennenswerten Erträgen, zumal das Angebot vorläufig

kostenlos ist. Die bezahlte Premium-Variante soll erst in Kürze

starten. Für den Erfolg setzt das Unternehmen unter anderem auf

Eigenproduktionen mit Lokalkolorit. Auch wenn dies der richtige Weg

sein sollte, ist das Schritttempo bisher recht langsam, wie das

Zahlenwerk zeigt. Das klassische Werbegeschäft machte im Halbjahr

noch immer die Hälfte vom Umsatz und zwei Drittel vom operativen

Ergebnis aus.

Derweil schläft die Konkurrenz nicht und neben Apple als

Nischenplayer bläst vor allem mit Disney ein inhaltlich und

finanziell stark aufgestellter Player zum Angriff im Streaming-Markt.

Der ProSieben-Vorstand muss aufpassen, dass ihm nicht die Zeit davon

läuft.

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Quelle: dpa-AFX


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