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Donnerstag, 14.10.21 20:31
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Dem Zufall überlassen, Kommentar zu den Geldvermögen in Deutschland

von Jan Schrader

Frankfurt (ots) - Was trägt die meisten Menschen an die Börse? Ein Schauspieler,

der das Prinzip einer Volksaktie umwirbt? Nur bis zum nächsten Kursrutsch!

Fördergelder aus dem Topf der Riester-Rente? Nur bis die Beitragsgarantie im

Tiefzinsumfeld jeden Spielraum für Rendite raubt. Oder eine Geldschwemme infolge

einer Pandemie plus Negativzinsen auf große Geldbeträge, die börsenfaule

Menschen zum Umdenken zwingen? An diesem Punkt stehen wir jetzt. Mag sein, dass

von der wiederholt beschworenen Aktienkultur diesmal mehr hängenbleibt.

Garantiert ist das nicht.

Natürlich sind die 30 Mrd. Euro, die allein im zweiten Quartal laut Bundesbank

in Aktien und Fonds flossen, mehr als nur ein Signal. Das Geld wird einmal

gebraucht werden, wenn der Anteil der Menschen im hohen Alter zugenommen hat und

die öffentlichen Kassen leer sind. Je mehr Menschen Geld langfristig zur Seite

legen und je mehr sie sich dabei auch an renditeorientierte Anlageformen

heranwagen, desto besser. Aber die hohen Zuflüsse und das neue Interesse an

Wertpapieren sind von niemandem geplant worden, sondern ein Produkt des Zufalls.

Die Pandemie kam unerwartet, ein Strafzins auf Bankeinlagen war bis vor wenigen

Jahren undenkbar. Es hätte auch anders kommen können.

Langfristiger Wohlstand geht alle an, denn Steuereinnahmen und sozialstaatliche

Aufgaben hängen davon ab. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, die auch Aktien

mit einschließt, muss auch politisches Ziel sein. Deutschland ist nach globalen

Maßstäben freilich schon jetzt ein ungeheuer wohlhabendes Land, aber im

Vergleich zu anderen reifen Industrieländern dann doch nicht mehr ganz so reich:

Gut 88000 Euro Geldvermögen besitzt ein deutscher Haushalt im Durchschnitt, in

vielen anderen Ländern sind höhere Beträge üblich. Ob die USA mit ihren

401k-Plänen, Norwegen mit dem Ölfonds, die Niederlande mit einem umfassenden

Pensionssystem oder Schweden mit einem Fondsmodul in der öffentlichen Rente -

anderswo hat die Kapitalanlage einen höheren Stellenwert, womit die Länder auf

den demografischen Wandel besser vorbereitet sind. Diesen Vorsprung holt

Deutschland nicht mehr ein, doch sollte der Abstand im internationalen Vergleich

nicht weiter wachsen.

Die Pflege einer Aktienkultur sollte also nicht nur Schauspielern, Influencern

und schicken Apps überlassen werden. Wenn die neue Bundesregierung steht, gehört

das Problem auf die Agenda. Die Sicherung des Wohlstands ist zu wichtig, um sie

dem Zufall zu überlassen.

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Quelle: dpa-AFX


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