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Mittwoch, 21.07.21 19:31
Tafel mit Kursen
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Party ohne Besoffene, Kommentar zu Spacs von Christoph Ruhkamp

Frankfurt (ots) - Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) sind gekommen,

um zu bleiben. Auf den Hype im ersten Quartal folgte ein Einbruch im zweiten

Quartal, der sich jetzt als vorübergehend erweist: Fast jeden Tag kommt eines

der zunächst leeren Blankoscheck-Übernahmevehikel neu an die Börse, und fast

jeden Tag führt ein Spac ein bisher nicht gelistetes Unternehmen per Übernahme

im Eiltempo auf kurzem Weg an die Börse. Die meisten dieser Deals gehen in den

USA über die Bühne, wo sie schon ein größeres Volumen haben als die

traditionellen Börsengänge - aber auch Amsterdam und Frankfurt sind zu

Schauplätzen geworden.

Der vorübergehende Einbruch am Spac-Markt im Frühling hatte vor allem zwei

Gründe. Zum einen wurden die "Pipe"-Investoren (Private Investment in Public

Equity), die die flankierenden Kapitalerhöhungen bei Spac-Übernahmen

finanzieren, angesichts der Überfülle an neuen Spacs wählerischer. Zum anderen

dämpfte die US-Börsenaufsicht den Überschwang durch Regulierung. Seither müssen

Spacs die Optionen, die mit ihren Aktienemissionen verbunden sind, als

Verpflichtungen bilanzieren und dürfen keine maßlosen Geschäftsprognosen mehr

aufstellen.

Dennoch haben sich Spacs dem Anschein nach inzwischen dauerhaft am Kapitalmarkt

etabliert. Dafür gibt es gute Gründe. Als Hauptkritikpunkt an den Vehikeln gilt

zu Recht, dass die Gründer ("Sponsoren") meist 20 % der Aktien kostenlos

zugeteilt bekommen und deshalb immer gut verdienen - auch wenn sich später

erweist, dass sie nicht in der Lage waren, die Verwässerung der übrigen

Aktionäre durch einen guten Deal wieder wettzumachen.

Darauf hat der Markt reagiert: Die kostenlose Zuteilung der Aktien ist

inzwischen meist an die Erreichung bestimmter Kursziele geknüpft - und das gibt

den Gründern den Anreiz, die Aktionärsinteressen mit Priorität zu verfolgen.

Außerdem ist das Volumen der Spac-Deals durch die flankierenden Pipe-Investments

meist so groß, dass sich die Verwässerung von 20 % auf 3 oder 4 % verringert

hat.

Berauschende Erfolge feiern die Spacs allerdings durchaus nicht alle. Das zeigt

ein Blick auf die beiden in Frankfurt gelisteten Vehikel, die schon

Übernahmeziele gefunden habe. Sowohl der Spac Lakestar des

Wagniskapitalinvestors Klaus Hommels, der den Ferienhausvermittler Home To Go

übernahm, als auch der Spac 468, der den Kleinkinderhörspielanbieter Boxine

kauft, notieren knapp unter dem Standardausgabepreis von 10 Euro. Die Spac-Party

ist nicht vorüber - aber es wird auch keiner mehr besoffen vor Glück.

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Quelle: dpa-AFX


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