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Mittwoch, 13.10.21 19:33
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Verordneter Kulturwandel, Kommentar von Tobias Fischer zur BaFin

Frankfurt (ots) - Die Finanzaufsicht verpasst sich nach dem Wirecard-Debakel

mehr Risikobereitschaft, mehr Schlagkraft und mehr Esprit. Die Spitze unter der

neuen Führung von Mark Branson soll in Kombination mit einem Reformplan der

BaFin "mehr Biss" verleihen, sie zur Aufsicht von Weltklasse machen und den

Kulturwandel befördern. So weit der Plan. Mehr Durchschlagskraft versprechen

etwa der Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe, forensische Prüfungen und eine

Fokusaufsicht, die nicht an den Grenzen von Banklizenzen haltmacht.

Ernsthafter Tatendrang lässt sich dem mit viel Vorschusslorbeer bedachten

BaFin-Chef kaum absprechen. Branson kommt nicht nur nach erster Begutachtung

seiner neuen Wirkungsstätte zu den richtigen Analysen, er spricht auch unbequeme

Urteile aus. Beispielsweise, dass jahrelanges Kosten- und Personalwachstum ein

Ende haben muss. Lieber soll intern umsortiert als neu eingestellt werden. Der

Dienstherr mahnt zur Selbstdisziplinierung, weil sich die an Aufrüstungsrituale

gewöhnte Behörde andernfalls in Ineffizienz und Trägheit zu verlieren drohe.

Der von außen kommende Hoffnungsträger läuft jedoch Gefahr, den

Beharrungskräften des Apparats zu unterliegen. Ob sich eine hinreichende Menge

an Mitarbeitern mit ausgeprägtem Sicherheitsdenken zu mehr Risikobereitschaft

hinreißen lässt und in Jahren und Jahrzehnten angeeigneter Risikoaversion nun

vom Reaktions- in den Aktivmodus schaltet, ist fraglich. Das Verhalten ist

verständlich, schließlich ist es vielerorts im Hause geübte Praxis, vor einem

Einschreiten mögliche Risiken nach allen Regeln der Kunst rechtlich abzuklopfen,

um sich nicht in juristischen Händeln zu verstricken oder dem Vorwurf der

Beliebigkeit oder Willkür auszusetzen.

Dem viel beschworenen Kulturwandel der BaFin ist das aber kaum förderlich. Es

darf unterstellt werden, dass er ohnehin vom Bundesfinanzministerium ausgeht.

Kulturwandel lässt sich aber schwerlich von oben verordnen. Ohne Einsicht der

Beschäftigten in die Notwendigkeit von Neuerungen und echten Veränderungswillen

ist er zum Scheitern verurteilt.

Beredtes Beispiel für die Schwierigkeit des Unterfangens ist der Aufschrei von

Teilen der Belegschaft, die sich empört über die zu Recht erlassenen

Einschränkungen privater Wertpapiergeschäfte zeigen und gar Kompensation

einfordern. Der Neuankömmling muss also aufpassen, dass der Kulturwandel nicht

zum Kulturkampf ausartet. Andernfalls erschöpft sich der erhoffte stärkere Biss

der BaFin darin, dass einer auf Granit beißt: Branson.

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Quelle: dpa-AFX


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