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Dienstag, 15.09.20 20:27
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Verschludert, Kommentar zur Fondsbranche von Silke Stoltenberg

Frankfurt (ots) - Der Mensch verdrängt gerne Schlechtes, ein Fondsmanager ist

auch nur ein Mensch: Corona? Ist alles doch nicht so schlimm! Während nicht

wenige immer laxer mit den Empfehlungen und Vorschriften umgehen, wie man sich

und andere vor einer Ansteckung schützt, haben auch manche Assetmanager

angesichts wieder erfreulicher Absatzzahlen verdrängt, wie heftig sie im März

während der Börsenturbulenzen von Anlegerrückgaben überrannt worden waren. Die

Angst vor der Pandemie ist bei den Fondsanbietern ebenso in den Hintergrund

gerückt wie in der Bevölkerung. Die Sonne lacht vom Himmel, das Neugeschäft

läuft.

Das ist für die Investmentbranche natürlich erfreulich, aber Hausaufgaben von

der Aufsicht sollte man dennoch nicht verschludern. Welche diese sind, hatte die

oberste Fondsaufseherin Elisabeth Roegele schon im April überdeutlich

formuliert: neue Werkzeuge nutzen. Der deutsche Gesetzgeber hatte der

Fondsbranche schon vor Corona neue Mittel an die Hand gegeben, um in

Krisenzeiten ihre Produkte schützen zu können. Einst von den Anbietern

herbeigesehnt, hatte sich die Aufnahme in das Kapitalanlagegesetzbuch in die

Länge gezogen. Derweil war den Assetmanagern die Lust an den neuen Tools

vergangen. Dabei möchte kein Anbieter das Desaster einer Fondsschließung

erleben, wenn die Anleger schneller ihre Anteile losschlagen, als Geld in der

Kasse ist. Die neu zugelassenen Steuerungsinstrumente - Rückgabefristen,

Rücknahmegrenzen und atmende Fondspreise - sind die bessere Alternative als die

Ultima Ratio der Fondsschließung.

Zwar hat es während der März-Turbulenzen keine Schieflagen bei deutschen Fonds

gegeben. Glück gehabt! Da aber Krisen leider in ihrer DNA stecken haben, dass

sie keiner vorhersehen kann, weiß auch ein Fondsmanager nie, ob seine

Investments bombensicher sind. Ganz plötzlich können Assets illiquide werden.

Zuletzt hat es in Frankreich H2O Asset Management, eine Tochter von Natixis, bei

gleich drei Fonds erwischt. Auch wenn in diesem Fall weniger eine Krise als

Dummheit im Spiel war.

Das Gefährliche ist die Geschwindigkeit, mit der sich Anlegerrückgaben zu einem

Tsunami entwickeln können. Dagegen gibt es keinen absoluten Schutz, aber

wenigstens jetzt die Möglichkeit, früh zu reagieren und hoffentlich Schlimmeres

zu verhindern. Die BaFin hat Recht, wenn sie erneut zur Eile mahnt. Ob wegen

Corona oder aus einem anderen Grund: Die nächste Börsenkrise kommt so sicher wie

das Amen in der Kirche, da sorgt man besser vor.

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Quelle: dpa-AFX




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