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OTS: KfW / KfW Research: Warum kleine und mittlere Unternehmen nicht investieren

Mittwoch, 24.11.21 11:02
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KfW Research: Warum kleine und mittlere Unternehmen nicht investieren

Frankfurt am Main (ots) -

- Corona-Krise verstärkt strukturelle Investitionsschwäche weiter: Mittelstand

verliert an Bedeutung

- Geschäftserwartungen und Höhe eigener Mittel beeinflussen Investitionsneigung

- Investitionen stark an Person des Inhabenden geknüpft: Hohes

Durchschnittsalter drückt Investitionsfreude

Deutschlands Unternehmen investieren seit Jahren zu wenig, dies gilt im

Besonderen für den Mittelstand. Die Corona-Krise hat den bereits länger

sichtbaren Trend einer strukturellen Investitionsschwäche der kleinen und

mittleren Unternehmen nun noch einmal verstärkt: Ihre Neuinvestitionen gingen

2020 um ca. 14 Mrd. EUR bzw. 7 % auf insgesamt 173 Mrd. EUR zurück, wie das

repräsentative KfW-Mittelstandspanel zeigt. Parallel dazu haben die

mittelständischen Investitionen kontinuierlich an Bedeutung für das gesamte

Investitionsgeschehen im deutschen Unternehmenssektor verloren. Kamen sie im

Jahr 2008 noch auf einen Anteil von 49% an allen Unternehmensinvestitionen,

gingen seither 7 Prozentpunkte verloren. 2020 lag der Mittelstandsanteil bei nur

noch 42%. Welche Gründe die mittelständischen Firmen für ihre

Investitionszurückhaltung nennen, hat KfW Research in einer neuen Studie

analysiert. Die Investitionsbereitschaft sinkt stärker als erwartet, wenn die

Umsatz- und Gewinnerwartungen pessimistisch ausfallen und das Unternehmen über

geringe Eigenmittel verfügt. Doch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand

ist auch erheblich an die Person der Unternehmensinhaber geknüpft.

Blickt man im Detail auf die Reihenfolge der Rahmenbedingungen für

Investitionsentscheidungen im Mittelstand, so spielt das im Unternehmen

vorhandene finanzielle Polster für 54% aller mittelständischen Firmen eine

Rolle. An zweiter Stelle folgen bereits die Erfahrungswerte der Inhabenden

(36%). Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist folglich oft weniger

stark durch die Einbettung in ein strategisches Gesamtkonzept gekennzeichnet,

sondern generell erheblich an die Person des Unternehmensinhabers gekoppelt.

Gravierend wirkt sich hier der demografische Wandel aus, mit messbaren negativen

Folgen für die Investitionstätigkeit: Die Neigung zu investieren sinkt mit dem

Alter des Inhabers erheblich. Viele Investitionen besitzen bei hohem Alter aus

Inhabersicht schlicht eine zu lange Amortisationszeit - die finanzielle

Verpflichtung wird dann eher gescheut. Dies gilt besonders bei eher

umfangreichen, aber Wettbewerb stärkenden Investitionen. In Zahlen sieht das wie

folgt aus: Während im langjährigen Mittel (2004-2020) etwa 57% der jüngeren

Inhaber unter 40 Jahren Investitionen vornehmen, sinkt dieser Anteil bei den

älteren Inhabern (über 60 Jahre alt) auf nur noch 36%. Zudem investieren jüngere

Inhaber einen größeren Anteil ihres Gesamtvolumens in Kapazitätserweiterungen

(50% gegenüber 20%), weisen häufiger positive Nettoinvestitionen (38% gegenüber

22%) sowie eine deutlich höhere Investitionsin-tensität auf (Investitionsvolumen

je Beschäftigten von durchschnittlich 9.200 EUR gegenüber 7.600 EUR).

Führt man sich dabei den raschen Alterungsprozess vor Augen, den die

Inhaberschaft im Mittelstand durchläuft, zeigt sich die steigende Relevanz

dieses Aspekts. Aktuell liegt das Durchschnittsalter eines Inhabers im

Mittelstand bei 52,8 Jahren. In den letzten zehn Jahren ist dieser Wert um drei

Jahre gewachsen, seit 2002 sogar um acht Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt waren

gerade einmal 20% der Inhaberschaft 55 Jahre oder älter. Aktuell ist es mit

einem Anteil von 50% bereits jede(r) Zweite.

"Die Neigung zu investieren sinkt mit zunehmendem Alter der Inhabenden massiv -

sowohl das Investitionsvolumen wie auch der Hang, Kapazitätserweiterungen

umzusetzen. Zusammen mit dem rasanten Anstieg des Durchschnittsalters von

Unternehmensinhabenden, verhindert dieses Muster enorme Investitionen", sagt Dr.

Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. "Seit 2002 ist das

Durchschnittsalter von Inhabern und Inhaberinnen im Mittelstand um acht Jahre

gestiegen. Hinzu kommt vielfach eine bevorstehende Unternehmensnachfolge, die

die Investitionsneigung ebenfalls belastet."

In der Paarung mit vergleichsweise hohem Alter der Inhabenden blockiert die

Frage nach der Unternehmensnachfolge die Investitionsfreude geradezu. Je näher

der Zeitpunkt der geplanten Übergabe bzw. des Verkaufs rückt, desto seltener

werden Investitionsprojekte umgesetzt. Stünde eine Nachfolge in den kommenden

fünf Jahren an, liegt die Investitionsbereitschaft bei durchschnittlich rund

41%. Liegt die geplante Nachfolge allerdings mehr als fünf Jahre in der Zukunft,

bewegt sich die Investitionsbereitschaft noch bei durchschnittlich 56% - also

deutlich höher. Wie stark sich dies auswirkt, verdeutlicht ein Blick auf die

Nachfolgezahlen: Allein 2020 planten rund 260.000 mittelständische Unternehmen,

innerhalb von zwei Jahren das Unternehmen zu übergeben oder zu verkaufen.

Last not least wirken auch begrenzte Wachstumsambitionen als

Investitionsbarriere (43% der Unternehmen). Viele kleine und mittlere

Unternehmen haben funktionierende, oft lokal verankerte Geschäftsmodelle und

gewichten den Fortbestand des Unternehmens höher als Expansion. Erwirtschaften

des eigenen Einkommens aus der Selbständigkeit steht dabei an erster Stelle.

Kapazitätserweiternde Strategien, die mit zusätzlichen Investitionen einhergehen

(beispielsweise der Schritt ins Ausland, Einstellung von Mitarbeitern), finden

in diesen Fällen eher selten statt.

Die aktuelle Studie ist abrufbar unter: http://www.kfw.de/fokus

Zur Datengrundlage:

Die aktuelle Analyse von KfW Research basiert auf einer Auswertung des

KfW-Mittelstandspanels 2021 sowie verschiedenen Wellen der Vorjahre. Das

KfW-Mittelstandspanel ist eine jährliche Erhebung unter den kleinen und

mittleren Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz von max. 500 Mio.

EUR. Mit einer Datenbasis von bis zu 15.000 Unternehmen pro Jahr stellt das

KfW-Mittelstandspanel die einzige repräsentative Erhebung im deutschen

Mittelstand und damit die wichtigste Datenquelle für mittelstandsrelevante

Fragestellungen dar. An der aktuellen Befragungswelle haben sich zwischen

Februar und Juni 2021 ca. 11.400 mittelständische Unternehmen beteiligt.

Pressekontakt:

KfW, Palmengartenstr. 5 - 9, 60325 Frankfurt

Kommunikation (KOM), Christine Volk

Tel. +49 (0)69 7431 3867, Fax: +49 (0)69 7431 3266,

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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/41193/5081489

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Quelle: dpa-AFX


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