OTS: Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) e.V. / Basel III: Die ...

Dienstag, 24.01.23 11:22
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Basel III: Die Immobilienfinanzierung droht unsachgemäß behandelt zu

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Berlin (ots) - vdp sieht Licht und Schatten beim ECON-Votum zum Bankenpaket

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) beurteilt den heute im Ausschuss

für Wirtschaft und Währung (ECON) des Europäischen Parlaments verabschiedeten

Bericht zum EU-Bankenpaket ambivalent: "Verglichen mit den ursprünglichen

Überlegungen zeichnen sich bei der Umsetzung der Basel III-Reform aktuell

wichtige Entlastungen für die Kreditwirtschaft ab, die den traditionellen

Merkmalen der europäischen Finanzierungsmärkte Rechnung tragen. Wir begrüßen

insbesondere die sich abzeichnenden Erleichterungen für die risikoarme

Wohnimmobilienfinanzierung, aber auch für "unrated corporates", stellte

vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt fest. "Ernüchtert sind wir hingegen

darüber, dass man sich nur zu Übergangsregelungen in diesen Bereichen

durchringen konnte und ebenso risikoarme erstrangige

Gewerbeimmobilienfinanzierungen offenbar nicht unter die Privilegierung fallen.

Das wird der Sicherheit dieser Assetklasse nicht gerecht. Insgesamt droht die

Immobilienfinanzierung unsachgemäß behandelt zu werden."

Das heutige Votum des ECON orientiert sich inhaltlich am Gesetzesentwurf, den

die Europäische Kommission im Herbst 2021 zum EU-Bankenpaket vorgelegt hat.

Dabei handelt es sich um eine tiefgreifende Überarbeitung bankaufsichtlicher

Anforderungen, die vor allem die finale Umsetzung der Basel III-Reform

beinhalten und die Eigenkapitalbelastung der europäischen Kreditinstitute

erheblich ansteigen lassen. Bereits im November 2022 hatte sich der Rat der

Europäischen Union dahingehend positioniert, dass er die von der EU-Kommission

vorgeschlagenen Regelungen unterstützt. Somit stimmen alle drei Institutionen

grundsätzlich darin überein, dass die negativen Auswirkungen auf das

Finanzierungsgeschäft, die aus den ursprünglichen Empfehlungen des Baseler

Ausschusses zum Bankenpaket resultieren, zumindest abgemildert werden.

Die sich abzeichnenden Erleichterungen für die Behandlung im Output Floor

betreffen insbesondere Finanzierungen von Unternehmen, die über kein Rating

einer externen Ratingagentur verfügen, sowie Finanzierungen von Wohnimmobilien.

Konkret geht es bei letzteren um eine Halbierung des Risikogewichts von 20% auf

10%, wenn die Finanzierungen bestimmte zusätzliche Voraussetzungen erfüllen, zum

Beispiel einen institutsspezifischen Hard Test mit einer Verlustquote von

maximal 0,25% - bezogen auf das entsprechende Immobilienportfolio einer Bank.

Diese Kapitalentlastung soll jedoch nur bis zum Jahr 2032 gelten, wobei der ECON

nun vorgeschlagen hat, die Möglichkeit zu schaffen, diese Übergangsfrist maximal

um vier Jahre verlängern zu können.

"Warum gleiches risikoarmes Geschäft künftig anders behandeln als heute?"

Dass diese Erleichterungen aber überhaupt nur temporär gelten und nicht auf die

Finanzierung von Gewerbeimmobilien ausgeweitet werden sollen, stößt beim vdp auf

Unverständnis: " "Wohnimmobilienfinanzierungen mit einem niedrigen

Beleihungsauslauf, deren Risikoarmut noch dazu durch einen Hard Test

nachgewiesen ist, sollten per se keinen stärkeren Zuschlag der

Eigenkapitalunterlegung verzeichnen als risikoreichere Geschäfte und deshalb

unbefristet von dieser Regelung profitieren" betonte Tolckmitt. "Denn warum

sollte Geschäft, das heute als risikoarm gilt und in zehn oder zwanzig Jahren

dieselben ambitionierten Kriterien erfüllt, in Zukunft anders behandelt werden

als heute?" Zudem sollten ebenso risikoarme Gewerbeimmobilienfinanzierungen in

die Andersbehandlung einbezogen werden.

Nach dem Votum des ECON wird das Europäische Parlament voraussichtlich in seiner

nächsten Plenarsitzung über das Bankenpaket abstimmen. Im Anschluss findet in

Brüssel der sogenannte Trilog statt, bei dem die EU-Kommission, der Rat der

Europäischen Union sowie das Europäische Parlament über ihre jeweiligen

Vorschläge zum EU-Bankenpaket verhandeln.

Der vdp wird zudem weiter darauf hinweisen, dass Regulierungsmaßnahmen wie Basel

III letztlich der Erreichung politischer Ziele im Wege stehen. Die nachhaltige

Transformation der Wirtschaft, die energetische Sanierung des Gebäudebestands

sowie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums erfordern in Zukunft massive

Investitionen, die weitestgehend von der Kreditwirtschaft zu finanzieren sind.

"Je stärker Kreditinstituten die Kreditvergabe erschwert wird, desto weniger

wird es gelingen, politische Visionen Wirklichkeit werden zu lassen", warnte

Tolckmitt. Als Beispiel führte er bestimmte energetische Sanierungen von

Immobilien an, die im Basel III-Rahmenwerk als so genannte ADC-Finanzierungen

(acquisition, development and construction) klassifiziert und im Falle von

Gewerbeimmobilien mit einem Risikogewicht von 150% belegt werden sollen. Dieser

Wert entspricht dem Risikogewicht für ausgefallene Kredite, würde Finanzierungen

von Sanierungen deutlich verteuern und damit die grüne Transformation

erschweren.

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Quelle: dpa-AFX


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