ROUNDUP 2: Online-Dating und Auftragsserien bescheren ProSiebenSat.1 mehr Umsatz

Donnerstag, 09.05.19 14:35
ROUNDUP 2: Online-Dating und Auftragsserien bescheren ProSiebenSat.1 mehr Umsatz
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(neu: Analystenstimmen, Aktienkurs aktualisiert)

UNTERFÖHRING (dpa-AFX) - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 ist dank Auftragsproduktionen und guter Geschäfte seiner Online-Sparte im ersten Quartal gewachsen. Dazu trug maßgeblich die eigene Produktionsfirma Red Arrow Studios bei, die Krimi- und Dramenserien etwa für Amazon und das ZDF produziert. Auch das Geschäft mit Onlineplattformen verlief positiv, besonders gut entwickelten sich die Partnervermittlungsportale wie Parship. Die TV-Werbeeinnahmen gingen hingegen zurück. Für das zweite und dritte Quartal kündigte das Unternehmen wegen zusätzlicher Investitionen einen "deutlichen Ergebnisrückgang" an.

Von Januar bis März stiegen die Erlöse um vier Prozent auf 913 Millionen Euro, wie ProSiebenSat.1 am Donnerstag in Unterföhring bei München mitteilte. Red Arrow Studios steuerte einen Umsatzanstieg von 38 Prozent bei. Sie produziert zum Beispiel die Drama-Serie "Vienna Blood" für die Fernsehsender ORF und ZDF sowie die Krimi-Serie "Bosch" für Amazon. Unternehmenschef Max Conze verwies auch auf das digitale Produktionsstudio Studio71, das Inhalte für Social-Media-Plattformen entwirft, etwa für Youtube, den Nachrichtendienst Snapchat und das Fotoportal Instagram.

Ein weiterer Wachstumstreiber sind die Onlineplattformen unter dem Dach der Mehrheitsbeteiligung Nucom Group. Die Erlöse stiegen in dieser Sparte um 25 Prozent. Dazu gehören unter anderen die Partnervermittlung Parship, das Vergleichsportal Verivox, die Erlebnisgutscheine von Jochen Schweizer und der Parfümversand Flaconi. Positiv wirkte sich dabei die Berücksichtigung der im Oktober 2018 gekauften US-Partnerbörse Eharmony aus.

Die Werbeeinnahmen aus dem klassischen Fernsehgeschäft fielen um vier Prozent. Conze schätzt die Entwicklung in Bezug auf die vergangenen Quartale aber optimistisch ein. Nach einem Rückgang um acht Prozent im vierten Quartal 2018 habe sich der Rückgang auf ein Minus von vier Prozent im ersten Quartal 2019 halbiert. Im Monat April sanken die TV-Werbeerlöse nur noch um zwei Prozent. Außerdem seien die Werbeumsätze auf digitalen Werbeplattformen wie 7TV und HbbTV um 14 Prozent gestiegen.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um fünf Prozent auf 190 Millionen Euro zurück. Dies hatte ProSiebenSat.1 bereits erwartet. Hier wirkte sich eine deutlich geringere Belastung durch Sondereffekte als im Vorjahresquartal aus, was damals unter anderem an Umbaumaßnahmen im Unterhaltungssegment lag. Der bereinigte Nettogewinn stieg leicht um 1 Prozent auf 94 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb für die Aktionäre mit 122 Millionen Euro viereinhalbmal so viel übrig wie im Vorjahresquartal.

Analyst Daniel Kerven von der US-Bank JPMorgan hält die ProSiebenSat.1-Aktie innerhalb des europäischen Mediensektors für am stärksten unterbewertet. Strukturelle Sorgen um das frei empfangbare Fernsehen würden überbewertet. Der Markt übersehe dabei die Vorteile eines veränderten Nutzerverhaltens, neuer Umsatzquellen und die Möglichkeiten für Kooperation und Konsolidierung. Die neue Videoplattform Joyn sollte zu steigendem Videokonsum führen, der den Rückgang der Zuschauer im klassischen Fernsehen ausgleicht. Die Nucom Gruppe sorge zudem auch in einem schwierigen Umfeld für den Anzeigenmarkt für Wachstum aus eigener Kraft. Das größte Risiko für sein Kursziel von 30 Euro sei eine Übernahmeankündigung, bevor das Unternehmen sein volles Potenzial realisieren könne.

Spekulationen in diese Richtung erteilte Unternehmenslenker Conze jedoch eine klare Absage. Eine Übernahme, etwa durch den italienischen Mediaset -Konzern, mache für ihn keinen Sinn. Man arbeite bereits bei Produktion und Technik über die Europäische Medienallianz zusammen. Weil die ProSiebenSat.1-Aktie in den vergangenen Jahren stark an Wert verloren hat, kochen immer wieder Übernahmegerüchte hoch, die der Sender jedoch stets zurückwies.

Die Unternehmenszahlen bewertete auch die britische Investmentbank Barclays positiv. Das erste Quartal des Fernsehkonzerns sei besser als erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Julien Roch. Er hob zudem die bekräftigten Jahresziele positiv hervor.

Der Medienkonzern will weiter in Wachstum investieren und seine neue kostenlose Streaming-Plattform Joyn - zuvor 7TV - ausbauen. Conze will zum Start im Juni auch die ARD-Senderfamilie mit an Bord holen. Es gebe derzeit "sehr, sehr produktive Gespräche", wie der Konzernchef betonte. Auch mit dem Konkurrenten RTL habe er gesprochen, jedoch sei der Sender auf seine eigenen Streaming-Aktivitäten fokussiert. Ende dieses Jahres oder Anfang 2020 wolle man das Thema aber nochmals aufgreifen.

Die Luxemburger Senderfamilie will mit ihrem Angebot TVNow ähnlich wie ProSiebenSat.1 vom Trend zu Onlinevideo- und Serienplattformen wie Netflix profitieren. Zu dem neuen RTL-Chef Thomas Rabe habe er "hervorragende persönliche Beziehungen", sagte Conze. Für Joyn soll es ab etwa Herbst auch ein werbefreies Abo-Modell geben, auf dem mehr Inhalte abgerufen werden können. Sein Ziel für Joyn sei, in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer zu erreichen.

Das Unternehmen bestätigte seine Ziele für das Gesamtjahr: Für 2019 strebt es für die Gruppe einen Anstieg des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich an sowie eine bereinigte Ebitda-Marge zwischen 22 und 25 Prozent. In den kommenden zwei Quartalen sollen sich zunächst die Investitionen im Unterhaltungsbereich negativ auswirken. 2019 sei "ein Jahr der Investitionen", daher rechnet ProSiebenSat.1 im zweiten und dritten Quartal mit einem deutlichen Ergebnisrückgang.

An der Börse reagierten die Anleger gleichwohl positiv. Der Kurs der Aktie zog in der Spitze um fast fünf Prozent an. Zuletzt lag das Papier in einem schwachen Marktumfeld gut vier Prozent im Plus. Damit zählten die ProSiebenSat.1-Anteile am Donnerstag zu den stärksten Titeln im MDax - über die vergangenen zwölf Monate gesehen gehört die bis März 2018 noch im Dax notierte Aktie mit einem Kursverlust von rund 50 Prozent zu den größten Verlierern unter den deutschen Standardwerten./elm/tav/fba



Quelle: dpa


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