ROUNDUP: Bahn-Vorstand Seiler sieht vor Tarifrunde 'Lösungsmöglichkeiten'

Sonntag, 06.06.21 11:05
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BERLIN (dpa-AFX) - Deutsche-Bahn-Vorstand Martin Seiler sieht vor der vierten Tarifrunde mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) an diesem Montag "Lösungsmöglichkeiten". "Alle Fakten liegen auf dem Tisch", teilte er am Sonntag mit. Seiler rief die GDL dazu auf, "Drohungen einzustellen und ihre rein organisationspolitischen Interessen fallen zu lassen". Fahrgäste sollten einen ungestörten Reisesommer genießen können. "Es gilt nun, dass alle zu solidarischen Lösungen beitragen - möglich ist es." Der Ton zwischen beiden Seiten bleibt somit rau, Warnstreiks sind alles andere als ausgeschlossen. Zuletzt hatte die GDL der Bahn in einer Pressemitteilung unterstellt, zu "tricksen" und zu "täuschen"

Ein Angebot des Konzerns hatte die Gewerkschaft nach der dritten Runde vor wenigen Wochen abgelehnt. Die Gewerkschaft war mit Forderungen nach 4,8 Prozent mehr Geld sowie einer Coronaprämie von 1300 Euro in die Verhandlungen gegangen. Das Angebot der Deutschen Bahn orientierte sich hingegen am Abschluss, den sie bereits im September 2020 mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erreicht hatte.

Dieser sieht unter anderem eine Lohn- und Gehaltssteigerung von 1,5 Prozent ab dem kommenden Jahr bei einer Laufzeit bis Ende Februar 2023 vor und schließt betriebsbedingte Kündigungen bis dahin aus. Zu wenig aus Sicht der GDL. "Das Unternehmen hält weiter daran fest, dass die Führungsetage sich bereichert und der kleine Eisenbahner mit Minusrunden abgespeist werden soll", hatte Gewerkschafts-Chef Claus Weselsky damals gesagt.

In den Tagen danach passte die GDL ihre Forderungen allerdings an. Seither verlangt sie von der Bahn unter anderem "eine allgemeine Entgelterhöhung in Höhe des Öffentlichen Dienstes". Dort hatten sich die Vertragsparteien im Herbst auf Lohn- und Gehaltssteigerungen von 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten geeinigt. Die Bahn sieht in dem neuen Forderungskatalog zwar Ansätze zu einer Lösung. Dennoch seien die GDL-Forderungen nach wie vor deutlich zu hoch.

Im neuen Forderungskatalog trennt die GDL zudem erstmals eindeutig die Tarifverhandlungen von der Diskussion rund um das sogenannte Tarifeinheitsgesetz (TEG). Eine Lösung in dieser Frage wolle sie demnach nicht mit Warnstreiks durchsetzen. Bislang hatte die GDL die Tarifverhandlungen stets auch mit diesem Thema verknüpft.

Das Gesetz sieht vor, dass bei konkurrierenden Gewerkschaften in einem Betrieb der Tarifvertrag der größeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. In den rund 300 Betrieben der Deutschen Bahn ist das aus Sicht des Konzerns in der Regel die EVG. Nur bei 16 Unternehmen werden demnach die Tarifverträge der GDL angewendet. Die Gewerkschaft geht nach eigener Aussage gerichtlich gegen diese Festlegung vor.

Bis Ende vergangenen Jahres hatte ein Grundlagenvertrag zwischen GDL und Konzern dafür gesorgt, dass auch die Verträge der kleineren Gewerkschaft angewendet wurden. Doch diese Vereinbarung lief Ende 2020 aus. Eine Anschlussregelung gibt es noch nicht und bräuchte auch die Zustimmung der EVG./maa/DP/zb



Quelle: dpa-AFX


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