Goldpreis in Euro
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ROUNDUP: Der neue Goldrausch - Händler und Juweliere melden große Nachfrage

Mittwoch, 12.02.20 07:20
ROUNDUP: Der neue Goldrausch - Händler und Juweliere melden große Nachfrage
Bildquelle: Münze Österreich
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Das Geschäft mit Gold boomt: Händler und Juweliere melden wachsende Nachfrage nach dem Edelmetall. Der daraus resultierende Anstieg der Goldpreise wirkt sich auf Gold als Anlageprodukt als auch auf den Markt für Goldschmuck aus. Zudem tragen viele Kunden wegen des Preisanstiegs vermehrt Altgold zu Ankaufshäusern oder zum Juwelier. Ab Freitag trifft sich die Schmuck- und Juwelenbranche wieder bei der Münchner Fachmesse Inhorgenta, zu der über 1050 Aussteller erwartet werden.

"In Euro hat der Goldpreis einen Rekordwert erreicht", sagt Michael Eubel, Leiter des Edelmetallgeschäfts der BayernLB, die 2019 über 60 Tonnen physisches Gold handelte. Derzeit wird die Unze in London für über 1400 Euro gehandelt, so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Viele Fachleute erwarten, dass der Preis weiter steigt. International maßgeblich ist nicht die Notierung in Euro. "Die Welt schaut auf den Goldpreis in Dollar, und da sind wir immer noch etwa 400 Dollar unter dem Höchststand des Jahres 2011, als eine Unze für rund 1900 Dollar gehandelt wurde", sagt Eubel.

Die Ursache für die gestiegene Attraktivität des Goldes liegt auf der Hand: "Die alles überlagernde Diskussion sind die Negativzinsen", sagt Benjamin Summa, Sprecher des Münchner Goldhandelshauses Pro Aurum. "Die Diskussion hat auch die Kleinsparer erreicht." Viele Banken und Sparkassen verlangen schon seit einiger Zeit Zinsen für größere Sparguthaben, mittlerweile gibt es auch einige Institute, die ab dem ersten Euro Guthaben Zinsen von ihren Kunden kassieren. Rechnet man die Inflation ein, verlieren Sparer auch ohne Strafzins Geld. Gold hat ohnehin seit jeher den Ruf einer vergleichsweise sicheren Geldanlage. "Vor dem Jahreswechsel waren wir fast ausverkauft, es gab dramatische Lieferengpässe", sagt Summa.

In Deutschland hat Gold seit jeher einen besonders hohen Stellenwert: "Gemessen an der Bevölkerung ist Deutschland das goldaffinste Land", sagt BayernLB-Chefhändler Eubel. Pro Jahr kaufen die Deutschen demnach etwa 100 Tonnen des glänzenden Metalls. Und außerdem nennt die Bundesbank die weltweit zweitgrößten Goldreserven ihr eigen, insgesamt über 3300 Tonnen.

Auch Juweliere melden starke Nachfrage, obwohl es bei Schmuck nicht um Renditen und Kurssteigerungen geht. "Goldschmuck ist keine Geldanlage, aber eine werthaltige Investition", sagt Joachim Dünkelmann, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere. "Der steigende Goldpreis führt nicht dazu, dass die Nachfrage zurückgeht, im Gegenteil."

Ein wesentlicher Faktor hat mit dem Finanzmarkt nichts zu tun: "Die Zahl der Eheschließungen steigt", berichtet Dünkelmann. 2018 wurden laut Statistischem Bundesamt über 449 000 Hochzeiten in Deutschland gefeiert, 70 000 mehr als zehn Jahre zuvor. Zwar werden seit 2018 gleichgeschlechtliche Eheschließungen mitgezählt, die früher nicht in die Statistik eingingen. Das allein erklärt den derzeitigen Run auf die Standesämter jedoch nicht, denn 2018 gab es lediglich knapp 33 000 gleichgeschlechtliche Hochzeiten. Und viele junge Paare kaufen nicht nur Eheringe, sondern auch vermehrt Verlobungsringe. "Der Antragsring ist wieder da", sagt Dünkelmann dazu.

Der Goldmarkt beeinflusst den Schmuckmarkt: Wenn Gold teurer wird, steigen naturgemäß mit gewisser Verzögerung auch die Preise für Goldschmuck. Doch umgekehrt gilt das nicht. "Jährlich werden weltweit etwa 4300 Tonnen physisches Gold nachgefragt", sagt BayernLB-Fachmann Eubel. "Die Hälfte davon geht an die Schmuckindustrie. Hat das einen Einfluss auf den Preis? Die klare Antwort: Nein."

Der Grund: "Am Finanzmarkt ist Gold spätestens seit der Finanzkrise eine hochliquide Vermögensklasse", sagt Eubel. Gehandelt wird Gold ganz überwiegend in elektronischer Form, außerdem sind wie bei anderen Anlageklassen auch Derivate und Fonds aller Art auf dem Markt. "Der rein physikalische Handel macht dabei weniger als ein Prozent aus", sagt Eubel./cho/DP/zb



Quelle: dpa-AFX


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