ROUNDUP: Wohin Volkswagens Milliarden fließen

Freitag, 15.11.19 15:49
ROUNDUP: Wohin Volkswagens Milliarden fließen
Bildquelle: Volkswagen AG
WOLFSBURG (dpa-AFX) - Wenn der VW -Aufsichtsrat jedes Jahr kurz vor der Adventszeit das Füllhorn ausschüttet, sind die Begehrlichkeiten in den vielen Niederlassungen rund um den Globus groß. Bei der Investitionsplanung werden Milliardensummen verteilt. Nun haben die Kontrolleure des weltgrößten Autoherstellers die Entscheidungen für den Zeitraum von 2020 bis 2024 getroffen. Der Überblick:

- ALLE ZEICHEN AUF E-MOBILITÄT UND DIGITALISIERUNG: Mit knapp 60 Milliarden Euro ist ein großer Batzen der Gesamtsumme von rund 150 Milliarden Euro für die Zukunftsthemen E-Mobilität, Hybridantriebe und Digitalisierung vorgesehen - gut 40 Prozent der konzernweiten Ausgaben. Allein rund 33 Milliarden Euro fließen in die Elektromobilität im engeren Sinne. Das ist noch einmal eine deutliche Aufstockung im Vergleich zur letzten "Planungsrunde" 2018. Damals hatte der Aufsichtsrat einen Betrag von 44 Milliarden Euro für den Ausbau der Elektro-Flotte, autonomes Fahren, Vernetzung und Mobilitätsdienste über die bevorstehenden fünf Jahre freigegeben.

- UMBAU ZUSÄTZLICHER WERKE: Die VW-Fabrik in Zwickau macht bei der "E-Offensive" den Anfang. Hier startete Anfang November die Fertigung des ersten Modells der rein elektrischen ID-Serie, der ID.3. Dafür wird der komplette Standort von der Verbrenner- auf die Elektro-Produktion umgerüstet. Rund 1,2 Milliarden Euro werden als Kosten für die Umstellung veranschlagt. Die "Transformation" soll nun auch in den Werken Emden und Hannover geschehen und dort mehr als 1 Milliarde Euro beziehungsweise rund 1,5 Milliarden Euro kosten. "Nach Zwickau, Emden und Hannover wird auch Audi in Deutschland und das VW-Werk in Bratislava von der Elektrifizierung profitieren", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Im Motorenwerk Salzgitter entsteht ab 2020 zudem eine angeschlossene Batteriezell-Fertigung, in Braunschweig werden schon jetzt Batteriesysteme für die ID-Reihe montiert. Kassel liefert Antriebe zu. Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und in Dresden werden E-Autos produziert.

- ELEKTRIFIZIERUNG AUCH INTERNATIONAL: In China stehen ebenfalls große Elektro-Investitionen an. Mit den chinesischen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC werden die Standorte Foshan und Anting für die Elektroproduktion vorbereitet. Auch bei Skoda in Mlada Boleslav gibt es künftig eine E-Auto-Fertigung. Im US-Werk in Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) entsteht eine zusätzliche E-Montagelinie für etwa 800 Millionen US-Dollar (circa 726,7 Millionen Euro). Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte zur Strategie laufend mehr Fahrzeuge auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) zu fertigen: "Wir treiben die Transformation des Konzerns mit aller Entschlossenheit voran und fokussieren mit unseren Investitionen auf die Zukunftsfelder der Mobilität."

- WEITERE SCHWERPUNKT-STANDORTE: Der bisher in Emden produzierte Passat soll - ebenso wie der Skoda Superb - in das geplante neue Werk verlagert werden. Möglicherweise wird dies in der Türkei gebaut, hierzu will der Konzern bis zum Jahresende eine Entscheidung treffen. VW hatte angesichts der international kritisierten Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien Mitte Oktober den Beschluss für ein neues Werk nahe Izmir verschoben. Zuvor hatte vieles darauf hingedeutet, dass sich die Türkei als Standort etwa gegen Bulgarien durchsetzen würde.

- VERNETZUNG UND AUTOMATISIERTES FAHREN: Die Gesamtzahl der Elektromodelle soll bis zum Jahr 2029 schrittweise auf etwa 75 steigen. Bisher hatte der Konzern bis 2028 mit knapp 70 Modellen kalkuliert. Hinzu kommen sollen in den nächsten zehn Jahren noch 60 Hybridversionen. In Vernetzung, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren sollen in den kommenden zehn Jahren insgesamt rund 27 Milliarden Euro fließen. VW beteiligt sich im Bereich des assistierten Fahrens unter anderem an der Ford -Tochter Argo. Die Software-Entwicklung ist für Vorstandschef Herbert Diess ein Schwerpunkt der künftigen Entwicklungsarbeit./jap/DP/jsl



Quelle: dpa-AFX


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