Tobias Pross: "Allianz Global Investors ist und bleibt aktiv" - Fondsnews

Freitag, 27.11.20 12:15
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Bildquelle: pixabay
Wien (www.fondscheck.de) - Der neue Vorstandschef von Allianz Global Investors verteidigt im Interview mit "FONDS professionell" den Umbau des milliardenschweren Asset Managers und erläutert, welchem Irrglauben so mancher Anhänger passiver Investments erliegt, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Asset-Management-Tochter des Versicherungskonzerns Allianz bedürfe eines Umbaus, weil sich die Bedürfnisse und Ansprüche der Kunden im Zuge der Niedrigzinsphase umfassend gewandelt hätten. Dies sage Tobias Pross, Vorstandschef von Allianz Global Investors, im Interview mit "FONDS professionell". "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Transformation vonnöten ist", erläutere Pross. "Diese stoßen wir nicht an, weil wir es schick finden."

"Bei einer Transformation geht es um neue Weichenstellungen, nicht nur um kleinere Korrekturen", führe Pross aus, der im Januar die Nachfolge des langjährigen Allianz-GI-Chefs Andreas Utermann angetreten habe. "Um es mit einem Bild zu beschreiben: Eine Raupe entwickelt sich zu einem Schmetterling. Niemals aber wird ein Schmetterling wieder zu einer Raupe." Die Führungsetage starte also keinen Umbau um seiner selbst willen und kehre das Haus von links nach rechts durch und später vielleicht wieder zurück. "Vielmehr machen wir uns fit für die Zukunft", so Pross.

Konkret solle die Investmentplattform in ausgewählten Bereichen gestärkt werden. "Als Erstes sind hier alternative Anlageklassen wie Infrastruktur oder Private Equity zu nennen", erläutere Pross. "Hier wollen wir mittelfristig genauso gut aufgestellt sein wie in den jeweiligen Segmenten für börsennotierte Wertpapiere, also Aktien, Anleihen und Multi-Asset", kündige der Unternehmenslenker an. Bislang verwalte die Gesellschaft im alternativen Bereich 77 Milliarden Euro, insgesamt seien es rund 546 Milliarden Euro. "Wenn der Bereich Alternatives in etwa doppelt so groß ist wie heute, dann sind wir ein ganzes Stück weiter", so Pross.

Weitere Themen seien Nachhaltigkeit, die Portfolio- und Risikomanagementberatung, die bei der Einheit Risklab angesiedelt sei, sowie die Digitalisierung der Branche. "Diese reicht von der Kundenbeziehung entlang der ganzen Wertschöpfungskette bis zur Frage, wie wir etwa künstliche Intelligenz und Big Data im Research und im Portfoliomanagement nutzen können", erläutere Pross. Zuletzt gehe es um die Erschließung und den Ausbau neuer Vertriebspartnerschaften.

Eine klare Absage erteile Pross hingegen einer umfassenderen Auflage von passiven Investmentprodukten. "Allianz Global Investors ist und bleibt aktiv", so der Allianz-GI-Boss. "Auch das Thema Private Markets lässt sich nicht passiv anbieten." Die prominentesten Vertreter des Feldes, börsengehandelte Indexfonds (ETFs), hätten in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet. Angesichts des Booms habe Pross auf die Nachteile dieser Geldanlageform verwiesen.

"Meine provokante Aussage: Wer nur passiv investiert, der glaubt auch an die Abschaffung des Kapitalismus", sage Pross. Denn dann wären alle Anleger immer gleich investiert und würden nicht mehr an Ineffizienzen des Marktes glauben. "Die Kernidee passiver Investments ist ja, dass kein Produkt auf dem Planeten besser sein kann", so Pross. Er habe aber auch eingeschränkt: "Verstehen Sie mich nicht falsch: Passive Instrumente ergeben durchaus Sinn." In manchen Nischen lohne es sich nicht, einen aktiven Fonds aufzulegen. Und es gebe Segmente, in denen sich aktive Manager schwer tun würden, den Index zu schlagen. "Man sollte daher weder aktive noch passive Instrumente verteufeln" resümiere der Manager.

Tobias Pross, Allianz Global Investors: "Früher hatten Starfondsmanager eine gewisse Berechtigung. Einigen von ihnen gelang es, mit besseren Informationen einen Vorsprung vor dem Markt zu erzielen. Aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit von Informationen und der höheren Transparenz sehe ich heute aber einen größeren Vorteil bei einem starken Team, das hinter einer Investmentidee steht."

"Mit einem Starkult assoziiert man schnell Diven. Wir sollten nicht vergessen: Wir arbeiten treuhänderisch für die Kunden, die uns ihr Geld anvertrauen. Da etwas bodenständiger aufzutreten steht uns als Branche ganz gut zu Gesicht."

"Der Großteil der Anleger investiert nicht, ohne den Rat eines Experten hinzuzuziehen. Auch nach vorn schauend glaube ich, dass eine Selbstanamnese ohne Konsultation eines Fachmanns für die meisten Privatanleger nicht der bevorzugte Weg ist. Geldanlage ist auch eine Vertrauensfrage. Ich glaube daher, dass der hybride Vertrieb obsiegen wird."

"Die Asset-Management-Branche ist sehr reguliert und transparent, was die Vertriebskosten angeht. Beim Autokauf hingegen erfahre ich nicht, was der Zwischenhändler verdient." (27.11.2020/fc/n/s)



Quelle: Aktiencheck




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