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Donnerstag, 01.10.20 19:46
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Shareholder Value, ade / Kommentar zur Lage des Bayer-Konzerns von

Annette Becker

Frankfurt (ots) - Bayer hat es mal wieder geschafft, die eigenen Investoren vor

den Kopf zu stoßen. Denn das, was die mit "Bayer beschleunigt die

Transformation" überschriebene Nachricht zu bieten hatte, musste auch den

optimistischsten Investor aus den Schuhen holen. Zusammengefasst: Die Folgen der

Covid-19-Pandemie werden Bayer schwerer belasten als zunächst vermutet.

Insbesondere im Agrogeschäft werden die Auswirkungen tiefgreifender sein als

zunächst erwartet. Daher wird ein weiteres Sparprogramm eingeleitet, das bis

2024 zu weiteren Einsparungen von 1,5 Mrd. Euro führen soll - on top zu den

laufenden Programmen, welche die Kostenbasis bis 2022 schon um 2,6 Mrd. Euro

verkürzen. Zudem wird das Portfolio nach weiteren Assets abgeklopft, die sich

versilbern lassen. Dennoch müssen sich die Anleger auf niedrigere Ausschüttungen

in den nächsten Jahren einstellen. Last, but not least dräuen milliardenschwere

Abschreibungen auf den Goodwill von Monsanto.

Dass die Aktie daraufhin um rund 13% einbrach, verwundert nicht - unabhängig

davon, dass im Zuge der Glyphosat-Klagewelle schon ein zweistelliger

Milliardenbetrag an Marktkapitalisierung vernichtet wurde. Investoren, die sich

bislang darauf verließen, dass Bayer zur Wiedergutmachung für das Klagedebakel

den Shareholder Value priorisiert, sehen sich nun eines Besseren belehrt. Zwar

gibt Bayer vor, an der Dividendenpolitik - ausgezahlt werden 30 bis 40% des

bereinigten Ergebnisses je Aktie - grundsätzlich festzuhalten, doch wird die

Ausschüttungsquote in den nächsten Jahren eher am unteren Rand des Korridors

liegen. 2018 und 2019 hatte Bayer dagegen mehr als 40% des bereinigten

Ergebnisses je Aktie ausgeschüttet. Dem Aktionär war es recht, auch wenn die

Dividende gemessen am unbereinigten Ergebnis je Aktie bisweilen gar nicht

verdient worden war.

Das kann sich Bayer angesichts der hohen Verschuldung und der milliardenschweren

Zahlungen für den Glyphosat-Vergleich, die den Cash-flow nicht nur 2020 stark

belasten werden, schlicht nicht mehr leisten. Ganz abgesehen davon, dass auch

das neue Sparprogramm zunächst einmal Geld kostet. Da fällt kaum noch ins

Gewicht, dass sich die Monsanto-Akquisition nun auch jenseits der Klagen nicht

rechnet. Denn die hehren Wachstumsversprechen, die Bayer mit der Übernahme

eingegangen ist, erweisen sich zunehmend als Makulatur. Auf den mit der

Monsanto-Übernahme bilanzierten Geschäftswert von 24,5 Mrd. Goodwill werden

erste Abschreibungen fällig.

(Börsen-Zeitung, 02.10.2020)

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Quelle: dpa-AFX




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