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09:00 23.09.17

Smart Investor: „Der kümmert sich“

„Der kümmert sich“

Alle vier Jahre wird das Land über mehrere Wochen von einem unheimlichen Phänomen heimgesucht. Von übergroßen Porträts an den Straßenrändern und Laternen lächeln uns wildfremde Menschen zu, die uns irgendwie den Eindruck vermitteln, dass wir wichtig wären. Reingefallen!

Es ist natürlich Wahlkampf, jene fünfte Jahreszeit der Demokratie, in der das Volk nicht ignoriert wird, sondern traditionell von der Obrigkeit ein wenig geneckt werden darf. In den Straßen um unser Redaktionsgebäude sieht das wie folgt aus:

Einen richtigen Spaßvogel scheint die CSU in die Bütt zu schicken. Der Mann nennt sich „Law-and-Order-Liberaler“, „Sicherheits-Praktiker“ und „Stadt-Versteher“. Realistisch betrachtet dürfte der angestrebte Job eher auf „Steigbügelhalter“ hinauslaufen. Aber Humor braucht der gestandene CSUler ohnehin, spätestens wenn er das Konterfei der Kanzlerin mit der surrealen Parole „Klar für Stabilität“ plakatieren muss.

Andere Parteien sind dagegen unsicher, ob sie potenziellen Interessenten überhaupt eine Aussage zumuten wollen. Vielleicht wissen sie auch selbst noch nicht so genau, für was sie eigentlich stehen. Da erscheinen dann nur ein Kopf und der Name der Partei. Mehr muss man als mündiger Bürger eigentlich auch nicht wissen. Auf den ersten Blick fallen die Freien Wähler in diese Kategorie. Aber wer ganz, ganz nah an das Plakat herangeht, findet im Kleingedruckten eine versteckte Botschaft: „Bedingungsloses Grundeinkommen einführen!“ Eigentlich ein ziemlicher fader Ersatz, falls es mit den Bundestagsdiäten wieder nicht klappt.

Dann vielleicht doch lieber die gute alte Tante SPD? Der hiesige Kandidat scheint ein echter Tausendsassa zu sein: Egal, ob es um den Zusammenhalt Europas, die Rettung des Klimas oder sichere Renten geht: „Der kümmert sich!“ Entweder haben Hinterbänkler unendlich viel Zeit oder sie sind die schwer unterschätzten, stillen Stars des Parlaments. Eine seit Wochen abgelaufene Einladung zum Sommerfest mit Andrea Nahles hängt da auch noch rum, wohl nach dem Motto: „Ätsch, schaut mal, was Ihr bei uns saucoolen Sozis verpasst habt. Kuchen futtern mit Andrea.“ Hammer!

„Grenzen schützen“, „Demokratie stärken“ und „Freiheit sichern!“ Na, das klingt doch mal ganz vernünftig, aber Alternative für Deutschland? Ist das etwa die AfD? Dann müssen das die berüchtigten rechtspopulistischen Parolen sein. Pfui! Kein Wunder, dass Plakate dieser Partei immer wieder Opfer des „gesunden Volkszorns“ werden. Demokraten, wehrt Euch! … Oder vereinigt Euch mit den Proletarierinnen.

Von Ralph Malisch





Quelle: Smart Investor


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