André Kostolany

André Kostolany gehört zu den bekanntesten und meist geschätzten Börsen-Persönlichkeiten der vergangenen 100 Jahre. Am 9. Februar 1906 in Budapest als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Industriellenfamilie geboren entdeckte der von seinen zahlreichen Anhängern später fast schon etwas liebevoll „Kosto“ genannte Finanzjongleur und Börsenkolumnist bereits im Alter von zwölf Jahren seine Leidenschaft für die Börse. Dabei führte ihn sein Weg in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts zunächst über Wien und die Pariser Börse bis in die USA an die Wall Street. Als glühender Spekulant setzte er gerade zu Beginn seiner einzigartigen Börsenkarriere auf die verschiedensten Anlage-Klassen und Finanzinstrumente und dabei häufig auch auf Short-Investments. Da er sich „nicht mehr freuen konnte, wenn andere weinten“, verschrieb er sich später jedoch immer stärker der reinen Aktienanlage.

 

Kostolany lehrte die „Kunst zu spekulieren“

Wie viele andere große Spekulanten musste allerdings auch der Börsen-Kosmopolit zwei Pleiten über sich ergehen lassen, schaffte es aber dennoch immer wieder in „Stehaufmännchen“-Manier zum mehrfachen Millionär. Legendär war dabei sein großer Coup nach dem 2. Weltkrieg mit deutschen Auslandsanleihen, die er in Paris für 250 Franc erwarb und einige Jahre später wieder für 35.000 Francs abstoßen konnte. Dennoch beschrieb er später seine Erfolgsquote ganz bescheiden mit den zwei Prozent, die er bei seinen Geschäften insgesamt mehr richtig als falsch gelegen hatte. Als vielbeachteten „Börsenlehrer“ lag es André Kostolany bis ins hohe Alter am Herzen, die „Anatomie der Börse“ ganz einfach und unkompliziert in unzähligen Interviews, Büchern und Seminaren aus seinem eigenen reichhaltigen Erfahrungsschatz heraus zu erklären. Dagegen warnte er immer vor einer zu starken Theoretisierung und den „sicheren“ Tipps Anderer. Vielmehr appellierte er stets an die Macht des eigenen Verstandes sowie die Kunst zu denken und bezeichnete deshalb auch gerne „Tipps als Fische, die man sich selbst fangen muss“.

Die Börse hat ihre eigene Logik

Nach Kostolany‘s Tod am 14. September 1999 in Paris erinnern sich Börsianer besonders gerne an die zahlreichen ebenso treffenden wie zeitlosen Weisheiten des großen Börsenmeisters. So verwies er gerne auf die vier „G’s“, die den Erfolg an der Börse ausmachen (eigenes Geld, eigene Gedanken, Geduld und Glück). Um dabei die individuelle Finanzsituation richtig einschätzen zu können, hatte „Kosto“ für Anleger auch gleich die einfache Empfehlung parat: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren und wer kein Geld hat, muss spekulieren“. Aber auch wenn das Geld stimmt, handelt es sich bei einer Börsenspekulation um „eine sehr schwierige Kartenpartie voller Überraschungen und Unwägbarkeiten“ und nicht um eine „mathematische Operation“. Auch für diese spezielle Logik der Börse konnte Kostolany mit zwei ganz besonders anschaulichen „Bonmots“ aufwarten: „An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil“ und „an der Börse sind zwei mal zwei niemals vier, sondern fünf minus eins“. Das bedeutet: Anleger sollten an den Börsen trotz langfristig steigender Aktienmärkte auch mit zwischenzeitlichen Kursschwankungen rechnen und die Nerven bzw. Geduld besitzen, das „minus eins“ abwarten zu können. Insofern hat Kostolany an der „bösen Börse gemachtes Geld“ auch immer als „Schmerzensgeld“ bezeichnet: „Zuerst kommen die Schmerzen, dann das Geld“.

Was Aktien mit einer Straßenbahn verbindet

Da Kostolany gerade in späteren Jahren auch ein leidenschaftlicher Aktien-Investor war, der nicht nur kurzfristig spekulierte, beschäftigten sich viele seiner Sprüche insbesondere mit der Aktienanlage. So machte er aus dem Grund für steigende oder fallende Kurse auch kein Mysterium und brachte dies ganz plakativ auf den Punkt: „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es derzeit mehr Dummköpfe als Aktien gibt, oder umgekehrt.“ Ein sehr einprägsamer Vergleich, der sich ebenfalls gegen den häufig zu beobachtenden „Herdentrieb“ an der Börse wendet, ist Folgender: „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie hinterherlaufen.“ Denn die nächste Einstiegsgelegenheit zu niedrigeren Kursen kommt bestimmt. In diesem Zusammenhang verwies „Kosto“ nicht nur auf die bloße Börsen-, sondern auch die Lebensweisheit, dass „nichts wichtiger und nützlicher ist, als den anderen zum Nachdenken zu bringen“, was auch ein großes Anliegen von ihm selbst war. Deshalb ist es für den Einzelnen auch lohnenswerter, sich den eigenen Kopf zu zerbrechen, statt z.B. einfach nur den Meinungen von Bankern oder Medien zu folgen. Aber auch für Nicht-Investoren, die jahrelang ängstlich an der Seitenlinie stehen und auf sinkende Kurse warten, hatte der Börsenmagier einen Rat: „Wer die Aktien nicht hat wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“

Kostolany propagierte keine einfache „Buy-and-Hold“-Strategie

So klar und anschaulich Kostolany‘s Börsenweisheiten in der Regel auch formuliert sind, so häufig wird bis heute eines seiner berühmtesten Zitate selbst von vielen Finanzprofis immer noch fehlinterpretiert: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Dieser vermeintlich als Aufruf zu einer reinen „Buy-and-Hold“-Strategie missverstandene Spruch gelte in den heutigen, auf einen stärkeren Kurzfrist-Handel ausgerichteten Börsenzeiten nicht mehr, so der Vorwurf vieler „Experten“. Tatsächlich hatte „Kosto“ bei dem Zitat aber anderes im Sinn. So wollte er Investoren vor emotionalen Kurzschluss-Reaktionen wie z.B. Panik-Verkäufen nach starken Kursrückgängen warnen und damit vor einem beliebten Anlegerfehler schützen. Zudem spielte er bei den Aktien auf langlebige internationale Qualitätswerte wie z.B. europäische und amerikanische Blue-Chips an und wollte Anleger davon abhalten, auf jeden kurzfristigen Modetrend aufzuspringen. Da es nur wenige Investoren schaffen mit kurzfristigen Spekulationen reich zu werden, galt Kostolany’s Schlaftabletten-Vergleich auch dem langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien. Denn obwohl Aktien im Gleichschritt mit der Wirtschaft dauerhaft nur den Weg nach oben kennen und Aktionären incl. von Kursgewinnen und Dividenden langfristig überdurchschnittliche Gewinn-Chancen bescheren (z.B. Dax +9% p.a.), kann es zwischenzeitlich immer wieder zu stärkeren Schwankungen kommen. Kostolany verglich dabei gerne „das Verhältnis von Wirtschaft zur Börse mit dem eines Spaziergängers zu seinem Hund. Der Mann geht stetig voran, der Hund läuft oft voraus, kommt aber immer wieder zurück“.


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