
Tiere werden gerne als Symbole verwendet. Denken Sie nur an die Taube als Zeichen des Frieden oder die Schlange als Inbegriff der Hinterlist. Selbst an der Börse geht es tierisch zur Sache, hier in Gestalt von Bullen und Bären. Wahrscheinlich haben Sie davon schon gehört. Was aber zeichnet einen Bullen- respektive einen Bärenmarkt aus? Wie identifizieren Sie solche und zu guter Letzt: Woher stammen die Bezeichnungen Bulle und Bär überhaupt? Bei uns erhalten Sie die Antworten.
Um zu verstehen, warum gerade Bulle und Bär als Sinnbild der Börse gelten, müssen wir uns zunächst mit der Historie befassen. Zwar ist der Ursprung bis heute noch nicht vollends geklärt, die sich im Laufe der Zeit herausgebildeten und etablierten Theorien sind aber durchaus spannend.
Eine der hartnäckigsten Mythen, die sich weiterhin hält, geht auf Schaukämpfe im 17. Jahrhundert zurück, die angeblich unweit der Londoner Börse zwischen Bullen und Bären ausgetragen wurden. Auffallend war dabei vor allem das Verhalten der beiden Kontrahenten.
Während der Bär in einer Abwärtsbewegung mit der Tatze nach seinem Gegner schlug, versuchte der Bulle wiederum seinen Widersacher in einer Aufwärtsbewegung auf die Hörner zu nehmen. Die Zuseher der Kämpfe übertrugen ihre Beobachtungen schließlich auf die schwankenden Aktienkurse an den Märkten.
Ob es sich damals tatsächlich so oder so ähnlich zugetragen hat, lässt sich schwer überprüfen. Klar ist allerdings, dass die Ausdrücke Eingang in den allgemeinen Wortschatz aller Börsianer gefunden haben.
Wichtiger als die historischen Ursprünge dürfte ohnehin die Frage sein, was Bullen- und Bärenmärkte denn nun überhaupt auszeichnet? Wir erklären es Ihnen kurz und kompakt.
Ihr Depot ist schon seit einigen Tagen im Plus? Das ist definitiv ein Grund zur Freude. Liegt damit aber schon der nächste Bullenmarkt vor? Eine Einschätzung:
Für einen Bullenmarkt sprechen Kurse, die über einen längeren Zeitraum hinweg relativ konstant nach oben klettern. Verdopplungen oder Verdreifachungen sind bei manch wachstumsstarkem Einzeltitel in diesen Zeiten nichts allzu Ungewöhnliches.
Charakteristisch ist außerdem die bisweilen ausgelassene Stimmung unter den Anlegern, die sich etwa infolge positiver Notenbanksignale (sinkende Leitzinsen) sukzessive steigert. Investoren hegen mehr und mehr Hoffnung, dass sich die Unternehmensgewinne aufgrund besser werdender Konjunkturaussichten erhöhen.
Gleichwohl beginnen viele Bullenmärkte mit einer ausgeprägten Portion Zurückhaltung. Es braucht also viele und möglichst rasch aufeinanderfolgende positive Nachrichten, damit das Vertrauen und die Investitionsbereitschaft der Marktteilnehmer ein solides Niveau erreichen.
Übertreffen die Wirtschaftsdaten schließlich ihre Prognosen oder melden Unternehmen einen Rekordgewinn nach dem nächsten, kann es passieren, dass diese Dynamik des Optimismus irgendwann eine Art Eigenleben entwickelt. Der Weg zum Bärenmarkt ist spätestens dann geebnet, wenn Risiken und Belastungsfaktoren überhaupt keine Berücksichtigung mehr finden.
Vermutlich ahnen Sie bereits, dass eine schlechte Börsenwoche allein noch nicht reicht, um einen Bärenmarkt auszurufen. Dafür braucht es schon mehr. Kritisch wird es aber dann, wenn der Abschwung über mehrere Wochen oder gar Monate hinweg andauert und die Börsen gegenüber ihrem einstigen Hoch 20 Prozent und mehr an Wert einbüßen.
Oftmals verlaufen Bärenmärkte zwar nicht gleichförmig. Trotzdem lassen sich teils bestimmte Phasen und Merkmale ausmachen, die als Vorboten fungieren können. Sind Kurse beispielsweise schon stark gestiegen, mehren sich bei einigen Marktteilnehmern die Zweifel, ob und wie lange das so weitergehen kann. Erste Gewinnmitnahmen führen schließlich zu kleineren Rücksetzern, die noch als gewöhnliche Korrekturen wahrgenommen werden.
Sobald die Verkäufe jedoch die Oberhand gewinnen, weil das Vertrauen nach und nach verloren geht, besteht die Gefahr eines Ausverkaufs. Waren es anfangs lediglich kurzfristige Schwankungen, entsteht jetzt ein nachhaltiger Abwärtsstrudel. Die Kurse stabilisieren sich erst dann wieder, wenn die Investoren die Preise als niedrig genug ansehen und damit erste Schnäppchenkäufer in den Markt eintreten.
Der Herausbildung der verschiedenen Börsenzyklen liegen stets mehrere Faktoren zugrunde. Im Falle eines Bullenmarktes sind das zum Beispiel:
- Niedrige Bewertungen: Notieren die Aktienkurse nahe ihres Tiefststandes oder deutlich unterhalb ihrer durchschnittlichen Niveaus, bietet das Potenzial für Aufwärtsbewegungen. Selbstverständlich müssen aber auch handfeste Gründe vorliegen, die zukünftig höhere Bewertungen rechtfertigen. Das können etwa steigende Unternehmensgewinne sein.
- Positive Zukunftsaussichten: Höhere Unternehmensgewinne sind oftmals das Resultat einer blühenden Volkswirtschaft. Damit es zu einem Bullenmarkt an den Börsen kommt, sollte also auch die Konjunktur anziehen.
- Verlässliche Rahmenbedingungen: Letztlich ist es die Unsicherheit, die Marktteilnehmer überhaupt nicht mögen. Am besten ist es daher, wenn Stabilität sowohl in rechtlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht herrscht und es zu keinen Vertrauensbrüchen kommt.
- Neue Entwicklungen: Wirtschaftswachstum lebt von Innovationen. Produktivitätsschübe sind dann zu erwarten, wenn infolge intensiver Forschung neue Produkte und mit ihnen ganze Märkte entstehen, die schließlich auch eine Welle der Begeisterung an den Börsen auslösen können.
- Begünstigende Fiskalpolitik: Nicht zu vergessen ist das Verhalten der Zentralbanken. Auch sie können ursächlich für das Entstehen eines Bullenmarktes sein, wenn etwa die Zinsen gesenkt und damit die Investitionsbereitschaft der Unternehmen angeregt werden soll. Ein schöner Nebeneffekt dieses Vorgehens ist die Tatsache, dass Anleihen aus Anlegersicht durch fallende Zinsen unattraktiver werden und damit mehr Geld in Richtung Aktien fließt.
Investoren müssen sich im Klaren darüber sein, dass es genauso Aspekte gibt, die als Vorboten eines drohenden Bärenmarktes gelten. Dazu gehören im Besonderen:
- Plötzliche Krisen: Manchmal geschehen Ereignisse wie aus heiterem Himmel, sie lassen sich schlichtweg nicht vorherbestimmen und sind damit auch nicht in den Erwartungen der Anleger respektive den Kursen eingepreist. Je nachdem, welche Intensität und welche Auswirkungen sie aufweisen, können sie die Grundlage für einen Bärenmarkt schaffen.
- Fehlende Rationalität: Es ist wohl kaum von der Hand zu weisen, dass Emotionen und die Psychologie eine große Rolle an den Börsen spielen. Manchmal führt das zu Bewertungsniveaus, die sich allein mit Vernunft nicht mehr erklären lassen. Irgendwann merken das auch die ersten Anleger, sichern sich ihre Gewinne und treten damit eine Welle immer größer werdender Verkäufe los, die schlimmstenfalls in einem Bärenmarkt mündet.
- Restriktive Geldpolitik: Wächst die Wirtschaft zu schnell oder zu stark, schlägt sich dies auf die Preise nieder, die Inflation zieht an. Als Gegenmaßnahme erhöhen Notenbanken gerne ihre Leitzinsen, was parallel aber auch dazu führt, dass die Kapitalbeschaffung teurer wird und damit die Investitionslaune aufseiten der Unternehmen abnimmt. An den Finanzmärkten blühen sichere Anlagen wieder auf und verdrängen die risikobehafteten.
Kein Bullenmarkt ist wie der andere. Das gilt analog für Bärenmärkte. Wie lange sich die jeweiligen Phasen ziehen, lässt sich daher nicht ohne Weiteres beantworten. Allerdings hat zumindest die Vergangenheit offenbart, dass Bullenmärkte tendenziell länger anhalten als ihr ungern gesehenes Pendant, häufig zwischen fünf und zehn Jahren. Außergewöhnlich ausdauernd war der Bullenmarkt ab den 1950ern, der die Anleger sogar rund 15 Jahre lang beglückte.
Bärenmärkte fallen mit ungefähr neun bis achtzehn Monaten deutlich kürzer aus, haben aber nicht selten die Eigenschaft, dass sie währenddessen sehr schnell an Wert einbüßen. Das zeigte sich am deutlichsten wohl in der globalen Finanzkrise. Damals reichten dem S&P 500 knapp 1,3 Jahre aus, um die Hälfte seines Wertes zu verlieren. Noch heftiger war nur die Weltwirtschaftskrise ab 1929, in deren Zug Amerikas wichtigster Aktienindex um fast 80 Prozent nachgab.
Abgesehen von Shortsellern dürfte sich kaum ein Anleger über fallende Kurse an den Börsen freuen. In einem Bärenmarkt, der von länger anhaltenden Preisverfällen gekennzeichnet ist, kann die emotionale Zerreisprobe für manchen Investor zur echten Qual werden. Um das zu verhindern, sollten einige Tipps berücksichtigt werden.
1. Investieren Sie stets mit einem ausreichend langen Horizont. Auf diese Weise können Sie selbst Korrekturen, die sich über mehrere Monate hinweg ziehen, gut aushalten. Sie wissen, dass Sie die Positionen laufen lassen können, ohne einen Verkaufsdruck zu spüren.
2. Bewahren Sie Ruhe, auch wenn es schwerfallen mag. Das eigene Portfolio schrumpfen zu sehen, ist ein unangenehmes Gefühl. Denken Sie aber daran, dass der nächste Bullenmarkt kommt und er gute Chancen mit sich bringt, die eventuell angehäuften Verluste zu überkompensieren.
3. Streuen Sie Ihr Portfolio von Beginn an. Statt nur auf eine Assetklasse oder im Extremfall auf einen einzelnen Titel zu setzen, empfiehlt es sich, neben Aktien und Fonds möglicherweise auch einen kleinen Rohstoffanteil beizumischen. Dafür eignet sich zum Beispiel boerse.de-Gold. Vor allem sollten Sie dabei auf eine geringe Korrelation, also Abhängigkeit, zwischen den verschiedenen Assets achten. Somit verringern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass im Bärenmarkt all Ihre Wertpapiere fallen.
Gute Diversifikation gelingt mit den boerse.de-Fonds. Ihr Fundament besteht aus Aktien, die in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen einbrachten, den sogenannten Champions. Meist handelt es sich dabei um Unternehmen, die als Branchenführer eine außerordentliche Marktmacht besitzen und dadurch oftmals auch in der Lage sind, üppige Dividenden zu bezahlen. Dank vier unterschiedlicher boerse.de-Fonds können Sie Rücksicht auf Ihre individuellen Präferenzen nehmen. Damit Ihr Portfolio besonders robust aufgestellt ist, sollten Sie außerdem über die Aufnahme von boerse.de-Gold nachdenken.
Was auf den ersten Blick nach purer Geldverbrennung klingt, macht bei genauerem Hinsehen Sinn. Warum?
Nehmen wir zur Erklärung das Beispiel eines Fondssparplans. Kosten, Inflation, Steuern und Co. seien an dieser Stelle vernachlässigt.
Stellen Sie sich vor, Sie würden jeden Monat 100 Euro in einen beliebigen Fonds einzahlen. Im Gegenzug erhalten Sie Anteile. Wie viele das sind, ist unterschiedlich und hängt davon ab, zu welchem Preis der Fonds gehandelt wird. Im Januar zahlen Sie zum Beispiel 20 Euro, erhalten für Ihre Investitionssumme also fünf Anteile.
Leider haben sich die Finanzmärkte im weiteren Verlauf des Jahres nicht gut entwickelt und so fällt der Kurs Ihres Fonds bis November auf 10 Euro. Natürlich ist das nicht der Plan gewesen. Allerdings wäre es in einer solchen Situation keineswegs ratsam, alles schnell zu verkaufen. Stattdessen ist das Gegenteil angebracht.
Behalten Sie Ihre Fondskäufe also bestenfalls bei, denn: Für die gleichen 100 Euro erhalten Sie jetzt zehn und damit doppelt so viele Anteile wie noch im Januar. Sobald es wieder aufwärts geht, profitieren Sie also auch in doppeltem Maße davon.
Kurzer Hinweis: Manchmal gibt es gute Gründe für Kursrücksetzer. Daher ist es anzuraten, diese zunächst ausfindig zu machen, sie sachlich zu evaluieren und im Anschluss daran zu entscheiden, ob Zukäufe weiter Sinn machen oder nicht.
Mindestens ebenso wichtig ist es für Börsianer, die Entwicklungen an den Finanzmärkten aufmerksam zu verfolgen. Der kostenlose boerse.de-Aktien-Ausblick unterstützt Sie dabei, den Überblick zu behalten und stets informiert zu bleiben. Überzeugen Sie sich selbst und schließen Sie sich den mehr als 100.000 begeisterten Lesern an. Hier gratis anfordern ...