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Kalte Enteignung

Die Deutschen und ihre Geldanlage sind auch mehr als acht Jahre nach der Finanzkrise mit der Lehman-Pleite nur bedingt ein Traumpaar. Dies bestätigte die Deutsche Bundesbank immer wieder, indem sie auf die niedrigen Renditen für einen Großteil der Anlagen und die Gefahren durch die kalte Enteignung für die private Altersvorsorge hinwies.
 

Deutsche könnten mehr Vermögen besitzen...
 

Unter dem Strich konnten die privaten Haushalte seit Beginn der Währungsunion ihr Geldvermögen steigern. Laut Bundesbank stieg es von 3,26 Billionen Euro im Jahr 1999 auf 5,07 Billionen Euro. In der Zwischenzeit drückten jedoch das Ende des New-Economy-Booms 2001 und die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 das Vermögen wieder nach unten. Die rasche Erholung nach den Krisen war vor allem auf den Bestand an Aktien zurückzuführen, die sich in der dieser Zeit wieder erholt hatten. Allerdings hätte die Erholung noch deutlich größer ausfallen können, wenn die Deutschen eine andere Struktur des Vermögens hätten.
 

Ausdruck dieser Struktur ist die zuletzt noch einmal stark gewachsene Bedeutung von Sichteinlagen, womit Giro- und Tagesgeldkonten gemeint sind. Diese Anlagen gehen meist mit niedrigen oder sogar negativen realen Renditen, und damit zum Teil mit einem realen Kaufkraftverlust einher, wie die Bundesbank kritisch anmerkt. Übersetzt bedeuten die Worte der Bundesbank ganz einfach, dass viele Anleger eine kalte Enteignung in Kauf nehmen. Im Detail:
 

Gute Idee - aber falsch umgesetzt
 

Im Vorfeld beider Krisen 2001 und 2008 setzten zwar immer mehr Deutsche auf die Anlageform Aktie, allerdings stets nur bis zum Beginn der Krisen. Die günstigen Einstiegskurse danach ließen die meisten Anleger aber aus. Laut Bundesbank reduzierte sich der Anteil der sonstigen Wertpapiere (d. h. der langfristigen festverzinslichen Wertpapiere und Anteilsrechte) am Geldvermögen von 35 Prozent im Jahr 1999 auf lediglich 22,3 Prozent im Jahr 2013. Bei der Bundesbank liest sich diese Unvernunft in Sachen Aktien dann so:
 

„Obwohl sich in den vergangenen Jahren aufgrund steigender Aktienkurse oftmals signifikante Kursgewinne im Portfolio der Haushalte niederschlugen, ließ das direkte Engagement in Aktien ebenfalls nach, sodass die positiven Bewertungseffekte im gesamten Portfolio an Bedeutung verloren.“
 
Kalte Enteignung durch Sachanlagen
 

Dagegen fanden Sachanlagen wie Immobilien oder sogar Oldtimer immer mehr Anhänger. In den Ballungsräumen haben sich daher im vergangenen Jahr bestehende Überbewertungen bei Wohnimmobilien eher verfestigt. Das gilt offenbar insbesondere für die städtischen Immobilienmärkte, für die gegenwärtig Überbewertungen zwischen 10 und 20 Prozent gemessen werden. In den großen Ballungsräumen seien die Abweichungen noch erheblicher, so die Bundesbank weiter. Von einer Immobilienblase direkt sprach die Notenbank zwar nicht, doch deren Warnungen sind auch so eindrücklich genug, wenn man zwischen den Zeilen lesen kann. Langfristig führt an Aktien kein Weg vorbei!

 

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