One-Cancels-Other-Order (OCO)

One-Cancels-Other-Order (OCO)

Anlegern bieten sich mittlerweile die verschiedensten Möglichkeiten, einen Wertpapierauftrag individuell zu gestalten. Das beginnt bei ganz einfachen Ordertypen und reicht bis hin zu mehr oder weniger komplizierten Kombinationsorders, mit deren Hilfe Investoren ganz bestimmte Strategien verfolgen und nach klar definierten Regeln handeln können. Die zusammengesetzten Ordertypen richten sich deshalb vor allem an den erfahrenen und eher kurzfristig orientierten Anleger bzw. Trader.

Sie helfen ihm dabei, den Überblick über seine offenen Positionen zu behalten und gleichzeitig auf verschiedene Marktsituationen reagieren zu können, ohne die Kursentwicklung einzelner Wertpapiere permanent beobachten zu müssen. Leider werden Kombinationsorders wie die sogenannte „One-Cancels-Other-Order“ (OCO) trotz ihrer zahlreichen Vorteile nicht von jedem Broker bzw. an jedem Handelsplatz angeboten. Bei dem Orderzusatz „OCO“ steht das Kürzel für „one cancels the other“. Es bedeutet, dass bei diesem Kombinationsorder-Typ gleichzeitig zwei verschiedene Wertpapieraufträge in das Orderbuch eingetragen werden, wobei allerdings maximal nur einer von beiden tatsächlich ausgeführt wird. Ist das der Fall, wird die zweite Order wieder automatisch gestrichen.

Per „OCO-Order“ ein Verkaufslimit mit einem Stopp-Loss kombinieren

One-Cancels-Other-Orders können sowohl bei einer Kauf- als auch bei einer Verkaufsorder zum Einsatz kommen. Dabei besteht der Klassiker in der Kombination aus einer Limit-Verkaufsorder und einer Stopp-Loss-Order wie sich an einem einfachen Beispiel zeigen lässt. Ein Anleger hat eine vielversprechende Aktie zum Preis von 100 Euro erworben und möchte sie gerne wieder für 115 Euro verkaufen. Gleichzeitig fürchtet er aber, dass der Titel z.B. aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage oder wegen anstehender Quartalszahlen kurzfristig an Wert verlieren könnte und möchte sich deshalb auch gegen dieses Szenario absichern.

Aus diesem Grund wählt er eine OCO-Order, bei der er für die geplante Gewinnmitnahme ein oberes Verkaufslimit („take-profit“) bei 115 Euro bestimmt und gleichzeitig für die Absicherung einen Stop-Loss bei 95 Euro festlegt, der bei Erreichen dieser Marke automatisch zum geltenden Marktpreis ausgeführt wird. Dadurch ist der Anleger aus seiner Sicht mit einer einzigen Kombinationsorder für eine fallende, wie auch für eine steigende Kursentwicklung optimal positioniert, ohne sich fortlaufend damit befassen zu müssen.

Günstig kaufen oder zumindest den Einstieg nicht verpassen

Das gleiche Spiel auf der Kaufseite, diesmal aber mit umgekehrten Vorzeichen. Eine One-Cancels-Other-Order ermöglicht dem Investor hier, entweder zu einem günstigeren als dem aktuellen Kurs einzusteigen oder sich zumindest ein „Hintertürchen“ offen zu halten, um noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen, falls der Aktienkurs wider Erwarten doch frühzeitig nach oben durchstartet. In diesem Fall besteht die OCO-Kombination aus einer Limit-Kauforder in Verbindung mit einer Stop-Buy-Order. Konkret: Der Anleger rechnet beispielsweise mittelfristig mit einer sehr positiven Aktienkursentwicklung, möchte aber gleichzeitig möglichst günstig in einen bestimmten Titel einsteigen, da er hier auf dem aktuellen Niveau noch etwas Rückschlagpotential erwartet.

Aus diesem Grund legt er unter dem momentanen Kurs ein Kauflimit für die Aktie in den Markt, sichert sich aber gleichzeitig mit einem oberen Stop-Buy z.B. in der Nähe einer Widerstandszone gegenüber stärker steigenden Kursen ab. Bricht die Aktie nach oben aus, wird automatisch der Stop ausgelöst und die Aktie zwar etwas teurer, aber immer noch rechtzeitig zum geltenden Marktpreis ins Depot gebucht. Auch hier ist die One-Cancels-Other-Order durch ihre beiden Komponenten nach allen Seiten optimal definiert.

Weitere Anwendungsbereiche einer One-Cancels-Other-Order

Neben der Kombination als reine Kauf- oder Verkaufsorder kann eine OCO-Order allerdings auch in Einzelfällen sinnvoll sein, um gleichzeitig beide Ordertypen miteinander zu verbinden. So könnte z.B. vor der Veröffentlichung wichtiger Unternehmensdaten eine Stop-Loss- mit einer gleichzeitigen Stop-Buy-Order kombiniert werden, um entweder das bestehende Aktienpaket im Falle negativer Ergebnisse per Stop noch rechtzeitig zum Marktkurs abzustoßen und sich dadurch vor weiter sinkenden Kursen zu schützen oder bei einem positiven Ausgang sogar noch mehr Anteile automatisch dazuzukaufen.

Ein solches Ausgangsszenario dürfte auch dem einen oder anderen markttechnisch ausgerichteten Trader nicht ganz fremd sein, wenn er die Stopkurse in ähnlicher Weise kombiniert und gleichzeitig an bestimmte Unterstützungs- und Widerstandslinien anlegt. Je nach Strategie und Kursverlauf kann dabei am Ende jede ausgeführte Order automatisch die „Richtige“ sein, ohne dass ständig der jeweilige Chart zu Rate gezogen werden muss.

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