Lernen von Warren Buffett: Zwei Fehlentscheidungen mit großer Wirkung

Warren Buffett gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Seine Entscheidungen prägen bis heute den öffentlichen Diskurs rund um langfristige Anlagestrategien. Während vielfach über seine erfolgreichen Investitionen berichtet wird, bieten auch seine Fehlentscheidungen aufschlussreiche Einblicke – insbesondere für Privatanleger, die sich eine solide, langfristige Anlagestrategie aufbauen möchten.

Berkshire Hathaway – die schlechteste Aktie, die Buffett jemals erwarb

Warren Buffett begann 1962, Anteile des damaligen Textilunternehmens Berkshire Hathaway zu erwerben. Der Investor verfolgte zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich die Strategie, die er von seinem Mentor Benjamin Graham gelernt hatte: Interessant waren Unternehmen, deren Bewertungen unter Buchwert (also unter einem möglichen Ertrag bei Liquidierung) lagen. Im Jahr 1964 bot der damalige Chef der Textilfabrik dann per Handschlag an, Aktien zum Preis von 11,50 Dollar zurückzukaufen, verringerte im offiziellen Angebot jedoch den Kurs. Buffett erboste dies so sehr, sodass der damals 35-Jährige die Mehrheit der Anteile an Berkshire Hathaway übernahm, um den Chef entlassen und selbst die Leitung übernehmen zu können. Nur: Zu diesem Zeitpunkt war das Textilgeschäft bereits in einem maroden Zustand.

Wie er selbst später zugab, war Warren Buffett von seiner eigenen Brillanz jedoch so überzeugt, dass er glaubte, auch ein miserables Geschäft wieder erfolgreich machen zu können. Das funktionierte natürlich nicht. 1967 kaufte der Super-Investor dann die ersten beiden Versicherungsgesellschaften, die zum neuen Kern von Berkshire Hathaway ausgebaut wurden. Die Versicherungsprämien sorgten nun für einen ständigen Barmittelzufluss, der nur darauf wartete, von Buffett gewinnbringend angelegt zu werden. Und: Sein Partner Charlie Munger überzeugte ihn davon, künftig anstelle auf durchschnittliche Unternehmen zu großartigen Preisen auf großartige Unternehmen zu durchschnittlichen Preisen zu setzen.

Lehren aus dem Einstieg bei Berkshire Hathaway

Warren Buffett bezeichnete Berkshire Hathaway rückblickend als die schlechteste Aktie, die er jemals gekauft habe. Aus diesem Fehlgriff lassen sich mehrere grundsätzliche Erkenntnisse für Anleger ableiten:

Erstens zeigt der Fall, dass emotionale Motive bei Investmententscheidungen das Urteilsvermögen beeinträchtigen können. Die Übernahme des Unternehmens war maßgeblich durch persönliche Verärgerung motiviert – ein Umstand, der laut Buffett selbst einen enormen finanziellen Schaden verursachte.

Zweitens unterstreicht die Situation die Risiken von Selbstüberschätzung. Selbst bei großer Expertise und hohem Engagement lassen sich strukturelle Probleme eines Geschäftsmodells nicht immer ausgleichen.

Drittens verdeutlicht der Fall, dass niedrige Bewertungen allein keine ausreichende Grundlage für ein Investment darstellen. Ausschlaggebend sollte vielmehr die Qualität des Unternehmens sein – messbar etwa an dauerhaft stabilen Gewinnen, robusten Margen, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und einer starken Marktposition. Die reine Analyse fundamentaler Daten reicht zur Beurteilung dieser Merkmale jedoch nicht immer aus – wie auch der nächste Fall zeigt.

Dexter Shoes – das schlechteste Geschäft, das Buffet jemals gemacht hat

Berkshire Hathaway erwarb 1993 den Schuhhersteller Dexter Shoes und zahlte dafür mit A-Aktien im Wert von 433 Millionen Dollar. In seinem Brief an die Aktionäre erklärte Buffett, das Unternehmen sei eines der am besten geführten Unternehmen, das er und Charlie Munger in ihrem Geschäftsleben je gesehen hätten. Gleichzeitig erkannte die Investmentlegende die Bedrohung durch Schuh-Importe aus Niedriglohnländern – und ignorierte diese.

Scherzhaft teilte Buffett seinen Aktionären mit, dass jemand wohl vergessen habe, die Gefahr den genialen Managern von Dexter und ihren qualifizierten Arbeitskräften mitzuteilen. Das Unternehmen sei in hohem Maße wettbewerbsfähig gegenüber allen Konkurrenten. Er lag falsch, 2001 schlossen die Fabriken des Schuhherstellers die Tore. Die Investmentlegende bezeichnete den Kauf von Dexter Shoes später als das schlechteste Geschäft, das er jemals getätigt habe.

Was Anleger aus Buffetts Fehlern bei Dexter Shoes lernen können

Wieder lassen sich daraus Lehren für Privatanleger ziehen. Drei Jahrzehnte erfahrener war Buffett beim Kauf von Dexter Shoes, dennoch überschätzte er die Fähigkeiten des Managements eines Unternehmens erneut (immerhin: diesmal die anderer Personen). Auch mit großer Expertise und viel Talent gelingt es nicht immer, den „Burggraben“ zu identifizieren, der das Unternehmen auf lange Sicht vor der Konkurrenz schützt. Seinen Aktionären erklärte Warren Buffett später, dass das, was er als dauerhaften Wettbewerbsvorteil eingeschätzt hatte, innerhalb weniger Jahre verschwand.

Wir ermitteln die Güte eines Investments daher über die boerse.de-Performance-Analyse und identifizieren dabei Aktien, die sich seit mindestens zehn Jahren durch überdurchschnittliche Kursgewinne und unterdurchschnittliche Rückschläge auszeichnen. Kurzfristig können Kurse von Emotionen getrieben sein, langfristig spiegeln sie jedoch die Geschäftsentwicklung wider, also auch, ob die zugrundeliegende Firma über dauerhafte Wettbewerbsvorteile verfügt und es sich aus Anlegersicht um ein Qualitätsunternehmen handelt.

Und: Anteile an Top-Unternehmen sollten langfristig gehalten werden. Buffett hatte durch die Verwendung von Berkshire-Aktien zum Kauf von Dexter 1,6% eines wunderbaren Unternehmens – seines eigenen – verschenkt, um ein wertloses Geschäft zu kaufen.

Was sich für langfristige Anlagestrategien ableiten lässt

Dass auch erfahrene Investoren wie Warren Buffett nicht frei von Fehlentscheidungen sind, verdeutlicht, dass Irrtümer ein integraler Bestandteil jeder Investmentkarriere sein können. Die beiden dargestellten Fälle stellen lediglich einen Ausschnitt dar. Buffett selbst bezeichnete den Großteil seiner Anlageentscheidungen bei Berkshire Hathaway als durchschnittlich. Nicht selten trugen Zufall oder günstige äußere Umstände zum Ausgang eines Investments bei. Den langfristigen Erfolg schreibt er einer vergleichsweise kleinen Zahl besonders wirkungsvoller Entscheidungen zu.

Ein weiterer Aspekt, der im Rückblick als zentraler Erfolgsfaktor benannt wurde, betrifft die konsequente Ausrichtung auf qualitätsstarke Dividendenwerte. In einem Aktionärsbrief sprach Buffett in diesem Zusammenhang von einer „geheimen Zutat“ („Secret Sauce“), die langfristig orientierten Anlegern zugutekommt: dem Investment in Unternehmen mit verlässlichen, stetig steigenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen verfügen häufig über stabile Marktstellungen, widerstandsfähige Geschäftsmodelle und nachhaltige Wettbewerbsvorteile – Merkmale, die langfristig sowohl im Gewinnwachstum als auch in der Kursentwicklung sichtbar werden.

Fehler passieren, aber jeder kann von der Börse profitieren

Von dieser geheimen Zutat kann jeder Privatanleger profitieren. Es braucht nur etwas Geduld, Zeit und die Gelassenheit, dass die ein oder andere Fehlentscheidung im Laufe eines Börsianerlebens getroffen werden wird, es jedoch in Summe darauf ankommt, von Anbeginn stets auf eine hohe Investmentqualität zu achten. Eine Möglichkeit ist die Direktanlage, zum Beispiel in unsere 100 Champions aus dem boerse.de-Aktienbrief.

Alternativ bietet sich ein Investment in einen boerse.de-Fonds an, die jeweils in einer thesaurierenden und einer ausschüttenden Tranche verfügbar sind: Der boerse.de-Aktienfonds, der boerse.de-Weltfonds, der boerse.de-Technologiefonds sowie der boerse.de-Dividendenfonds. Details zur Anlagestrategie und zu den Kriterien, die Unternehmen erfüllen müssen, um für den Fonds infrage zu kommen, erfahren Sie im kostenlosen White Paper von Prof. Dr. Hubert Dichtl und Thomas Müller.

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