Vom Freund zum Feind: Bis gestern stand Kultmotorrad-Fabrikant Harley Davidson noch hoch in Donald Trumps Gunst. Damit ist es nun vorbei - der US-Präsident twitterte in der Nacht zum Dienstag „Überrascht, dass Harley Davidson von allen Unternehmen das erste ist, das die weiße Fahne schwenkt”.... „Ich habe hart für sie gekämpft und am Ende wollen sie keine Zölle auf Verkäufe in die EU zahlen, die uns so schlimm beim Handel geschädigt hat“. Mit seiner Kurznachricht rügte der amerikanische Präsident Harley Davidsons geplante, teilweise, Produktionsverlagerung ins Ausland. Die Harley-Aktie verlor im Anschluss knapp sechs Prozent an Wert.
Harley Davidson kehrt USA den RückenMit den am vergangenen Freitag in Kraft getretenen Vergeltungszöllen für US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Erdnussbutter, Mais und Motorräder reagierte die EU auf zuvor von Trump verhängte Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus Europa. Statt mit dem bislang geltenden Steuersatz von sechs Prozent werden Waren „Made in USA” seit Freitag bei Einfuhr in die EU mit bis zu 31 Prozent versteuert. Eine Harley Davidson würde dann für europäische Käufer im Schnitt etwa 2.200 Dollar teurer, rechnete der Konzern vor. Doch diese zollbedingte Preiserhöhung will die Kultmarke nicht an ihre Kunden weitergeben: die Easy Rider verlagern einen Teil der US-Produktion kurzerhand ins Ausland und lassen Donald Trump am Auspuff schnuppern. Die Produktionsverlagerung nach Brasilien, Thailand und Indien solle laut Harley Davidson in den kommenden 18 Monaten abgeschlossen sein. Bis dahin trägt der Konzern die Mehrkosten selbst.
Der US-Präsident reagiert entsprechend beleidigt, denn noch im vergangenen Jahr lobte er Harley Davidson bei einem gemeinsamen Lunch im Weißen Haus mit den Worten: „Danke, Harley Davidson, dass ihr Amerika mit euren Produkten bereichert“. Trump versprach, dass seine Wirtschafts- und Handelspolitik den Konzern „sehr glücklich“ machen werde.
Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Weder für Donald Trump selbst, dessen „America-First-Politik” erstmals ein US-Kultunternehmen vom heimischen Boden vertreibt, noch für den Motorradhersteller, dessen wichtiger EU-Markt durch die Vergeltungszölle schwer geschädigt würde.
Nutzt Harley die Gunst der Stunde?Einige Marktbeobachter hegen jedoch den Verdacht, dass Harley Davidson Trumps Zollpolitik als Vehikel missbraucht, um längst fällige Umstrukturierungsmaßnahmen durchzuführen. Der Harley-Fanclub wird immer älter und die Kultmarke hat Schwierigkeiten, bei der jüngeren Kundschaft „zu landen”. Ein Imageproblem, das sich auch in der Bilanz des Motorradherstellers bemerkbar macht: im ersten Quartal sank die Zahl der weltweit verkauften Harleys um fast zehn Prozent auf 64.000 Stück, der Gewinn schrumpfte um rund fünf Prozent auf 175 Millionen Dollar. Vor allem in den USA sank die Nachfrage, in der EU stieg sie leicht. Eine anteilige Produktionsverlagerung ins Ausland könnte dazu beitragen, Harley Davidsons Kosten zu senken und die Einbußen aus dem schleppenden Neugeschäft abzufedern. Ob dieser Schachzug gelingt, bleibt jedoch abzuwarten…
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Quelle: boerse.de