Die Carrying Charge bezeichnet die Gesamtkosten, die einem Anleger oder Händler bei der Lagerung oder Finanzierung eines Vermögenswerts entstehen. Sie ist insbesondere im Rohstoff- und Finanzmarkt von Bedeutung und umfasst Zinsen für die Finanzierung, Lagerkosten, Versicherungskosten sowie sonstige Aufwendungen, die notwendig sind, um den Basiswert über einen bestimmten Zeitraum zu halten. Die Carrying Charge spielt eine zentrale Rolle bei der Preisbildung von Futures und der Berechnung von Arbitragemöglichkeiten wie der Cash-and-Carry-Arbitrage.
Die Carrying Charge setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:
Die Carrying Charge ist entscheidend für die Preisgestaltung von Futures-Kontrakten. Ein Futures-Preis ergibt sich aus dem Kassapreis plus der Carrying Charge über die Laufzeit des Kontrakts. Liegt der Futures-Preis deutlich über dem Kassapreis zuzüglich Carrying Charge, kann eine Cash-and-Carry-Arbitrage durchgeführt werden, um risikofreie Gewinne zu erzielen. Umgekehrt kann eine niedrige Carrying Charge dazu führen, dass Reverse-Cash-and-Carry-Strategien attraktiv werden. Die Kennzahl ist somit ein wesentlicher Faktor für Händler, Investoren und Analysten, um Marktungleichgewichte zu erkennen.
Die Carrying Charge wird typischerweise als Summe der Finanzierungskosten und Lagerkosten berechnet. Beispiel: Ein Rohstoffhändler kauft Öl für 100.000€, finanziert das Kapital zu 5% Zinsen pro Jahr und hat monatliche Lagerkosten von 1.000€. Für eine Halteperiode von drei Monaten ergeben sich Finanzierungskosten von 1.250€ und Lagerkosten von 3.000€, sodass die Carrying Charge insgesamt 4.250€ beträgt. Diese Summe wird bei der Preisbildung von Futures oder bei Arbitrageentscheidungen berücksichtigt.
Die Carrying Charge wird insbesondere bei Rohstoffen wie Öl, Gold, Weizen oder Industriemetallen angewendet. Sie ist aber auch bei Finanzinstrumenten wie Anleihen oder Aktien relevant, wenn diese gelagert oder finanziert werden müssen. Händler nutzen die Kennzahl, um die Rentabilität von Terminmarktgeschäften zu bewerten, Arbitragestrategien zu planen oder Lagerhaltungskosten zu optimieren. Unternehmen berücksichtigen Carrying Charges bei der Beschaffungsplanung und Lagerhaltung, um Kosten zu minimieren und die Effizienz zu steigern.
Die Vorteile der Analyse der Carrying Charge liegen in der besseren Preisverständnis, Risikokontrolle und Optimierung von Handelsstrategien. Sie ermöglicht es, Arbitragemöglichkeiten frühzeitig zu erkennen und kosteneffizient zu handeln. Risiken bestehen in falscher Schätzung der Kosten, plötzlichen Marktschwankungen oder unerwarteten Lagerproblemen, die die tatsächliche Carrying Charge erhöhen können. Zudem kann eine Änderung von Zinsen, Versicherungsprämien oder Lagergebühren die Rentabilität einer Strategie beeinflussen.
Ein praktisches Beispiel ist ein Händler, der Weizen kauft und für sechs Monate lagert. Finanzierungskosten betragen 4% jährlich, Lagerkosten 500€/Monat und Versicherungskosten 200€. Die Carrying Charge beträgt somit 4% des Investitionsvolumens plus 3.200€ für Lagerung und Versicherung. Bei der Preisgestaltung des entsprechenden Futures-Kontrakts muss diese Carrying Charge berücksichtigt werden, um Gewinne oder Verluste korrekt zu kalkulieren. Ebenso nutzen Arbitrageure diese Kennzahl, um Cash-and-Carry-Arbitrage oder Reverse-Cash-and-Carry-Strategien zu planen.
Die Carrying Charge ist die Summe aller Kosten, die mit der Lagerung oder Finanzierung eines Vermögenswerts verbunden sind, einschließlich Zinsen, Lagergebühren, Versicherung und sonstiger Aufwendungen. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Preisbildung von Futures und der Durchführung von Arbitragestrategien. Eine präzise Berechnung und Analyse der Carrying Charge ermöglicht Investoren und Händlern, Marktungleichgewichte auszunutzen, Risiken zu minimieren und die Rentabilität von Handelsstrategien zu optimieren. Damit ist die Carrying Charge ein unverzichtbares Instrument im Rohstoff- und Finanzmarkt.