Cash-and-Carry-Arbitrage

Was ist die Cash-and-Carry-Arbitrage?

Die Cash-and-Carry-Arbitrage ist eine klassische Arbitragestrategie an den Finanzmärkten, die Preisunterschiede zwischen dem Kassamarkt (Spotmarkt) und dem Terminmarkt (Futures- oder Forward-Markt) ausnutzt. Ziel der Strategie ist es, risikofreie Gewinne zu erzielen, wenn der Preis eines Futures-Kontrakts über dem theoretisch fairen Preis liegt, der sich aus dem Kassapreis plus Finanzierungskosten und Lagerkosten ergibt. Die Cash-and-Carry-Arbitrage wird vor allem bei Rohstoffen, Aktienindizes oder festverzinslichen Wertpapieren angewendet und ist ein Beispiel für eine marktneutrale Handelsstrategie.

Funktionsweise der Cash-and-Carry-Arbitrage

Die Strategie basiert auf einem einfachen Prinzip: Ein Arbitrageur kauft den Basiswert am Kassamarkt und finanziert diesen Kauf, während er gleichzeitig einen Futures-Kontrakt auf denselben Basiswert verkauft. Beispiel: Der Kassapreis eines Rohstoffs beträgt 100€, und der Futures-Preis für Lieferung in drei Monaten liegt bei 105€. Die Differenz von 5€ über dem theoretisch fairen Preis ermöglicht einen Arbitragegewinn. Nach Ablauf des Futures-Kontrakts liefert der Arbitrageur den gekauften Basiswert zu dem höheren Terminpreis und realisiert so den Gewinn abzüglich Finanzierungskosten und Lagergebühren.

Berechnung des theoretisch fairen Futures-Preises

Der faire Futures-Preis lässt sich mathematisch als Kassapreis plus Finanzierungskosten minus Erträge aus dem Basiswert darstellen. Bei Rohstoffen können zusätzlich Lagerkosten oder Versicherungen berücksichtigt werden. Die Formel lautet: Futures-Preis = Kassapreis * (1+Finanzierungskosten+Lagerkosten) − Erträge. Liegt der tatsächliche Futures-Preis darüber, entsteht eine Gelegenheit für eine Cash-and-Carry-Arbitrage. Liegt er darunter, spricht man von Reverse-Cash-and-Carry-Arbitrage, bei der der Arbitrageur den Basiswert leerverkauft und gleichzeitig einen Futures-Kontrakt kauft.

Anwendungsbereiche

Die Cash-and-Carry-Arbitrage wird häufig bei Rohstoffen wie Gold, Öl oder Agrarprodukten eingesetzt, aber auch bei Aktienindizes und Anleihen. Ein praktisches Beispiel: Ein Investor kauft Staatsanleihen am Kassamarkt und verkauft gleichzeitig einen Futures-Kontrakt auf denselben Index. Nach Ablauf des Kontrakts liefert er die Anleihen zum höheren Preis und erzielt einen risikofreien Gewinn. Auch in der Praxis von ETFs und börsengehandelten Derivaten kann die Strategie zur Preisangleichung zwischen Spot- und Futures-Markt eingesetzt werden.

Vorteile der Strategie

Der größte Vorteil der Cash-and-Carry-Arbitrage liegt in der Marktneutralität und dem grundsätzlich geringen Risiko. Solange der Basiswert und der Futures-Kontrakt korrekt miteinander abgesichert sind, ist der Gewinn nahezu garantiert. Die Strategie ermöglicht es, Preisdifferenzen effizient auszunutzen und trägt so zur Marktstabilität bei, da Arbitrageure Ungleichgewichte zwischen Spot- und Terminmarkt verringern.

Risiken und Herausforderungen

Obwohl die Cash-and-Carry-Arbitrage als risikofrei gilt, bestehen praktische Herausforderungen. Dazu gehören Finanzierungskosten, Lagerkosten, Transaktionsgebühren, Liquiditätsengpässe und Unterschiede zwischen theoretischem und tatsächlichem Futures-Preis. Marktstörungen, unerwartete Ereignisse oder Änderungen der Zinsstruktur können ebenfalls die Gewinne schmälern. Daher erfordert die Strategie präzise Berechnungen, schnelle Umsetzung und ausreichend Kapital, um Positionen im Spot- und Futures-Markt gleichzeitig zu halten.

boerse.de-Schlussfolgerung

Die Cash-and-Carry-Arbitrage ist eine klassische Arbitragestrategie, die Preisunterschiede zwischen Kassamarkt und Futures-Markt ausnutzt, um risikofreie Gewinne zu erzielen. Sie wird vor allem bei Rohstoffen, Aktienindizes und Anleihen angewendet und ist marktneutral, da sowohl Kauf- als auch Verkaufstransaktionen abgesichert werden. Mit der richtigen Berechnung von Finanzierungskosten, Lagergebühren und Erträgen kann die Strategie effektiv eingesetzt werden. Trotz praktischer Herausforderungen bleibt die Cash-and-Carry-Arbitrage ein wichtiges Instrument im professionellen Handel und trägt zur Marktstabilität bei, indem sie Preisunterschiede zwischen Spot- und Terminmarkt ausgleicht.



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