Konsols sind unbefristete Anleihen, die über keine feste Laufzeit verfügen und bei denen der Emittent lediglich verpflichtet ist, regelmäßige Zinszahlungen zu leisten, jedoch nicht zur Rückzahlung des Nennwerts verpflichtet ist. Der Begriff leitet sich vom englischen „Consols“ ab, einer historischen Form britischer Staatsanleihen, die mehrere Jahrhunderte lang gehandelt wurden. Konsols gelten als typische Vertreter ewiger Anleihen und spielen in der Finanzgeschichte eine bedeutende Rolle, weil sie Regierungen langfristige und flexible Finanzierungsmöglichkeiten boten.
Das Kernmerkmal eines Konsols ist seine Unendlichkeit der Laufzeit. Während klassische Anleihen nach einer festgelegten Zeit zurückgezahlt werden, bleibt der Konsol dauerhaft bestehen. Der Anleger erhält daher regelmäßig Zinsen, sogenannte „Coupons“, solange er die Anleihe hält oder bis der Emittent sich freiwillig dafür entscheidet, sie zurückzukaufen – was bei traditionellen Konsols jedoch selten vorgesehen oder praktiziert wurde.
Die Preisbildung erfolgt auf Basis der zukünftigen Zahlungsströme. Da der Konsol theoretisch eine unendlich lange Zahlungsreihe erzeugt, berechnet sich sein Wert als Barwert eines unendlichen Zahlungsstroms. Der Kurs reagiert daher besonders sensibel auf Zinsänderungen: Steigen die Marktzinsen, sinkt der Preis stark, da die festen Zahlungen im Verhältnis unattraktiver werden.
Die bekanntesten Konsols wurden ab dem 18. Jahrhundert vom britischen Staat ausgegeben, um Kriege, Infrastrukturausbau oder andere langfristige Projekte zu finanzieren. Die Konsols bündelten häufig bestehende Staatsanleihen in einem neuen, einheitlichen Instrument und ermöglichten eine Vereinfachung des Schuldenmanagements des britischen Staates.
Über viele Generationen hinweg galten diese Anleihen als Inbegriff einer stabilen, sicheren und dauerhaften Staatsfinanzierung. Erst im Jahr 2015 löste das Vereinigte Königreich die wenigen verbliebenen Konsols ab und beendete damit eine der längsten Emissionshistorien der Finanzwelt.
Konsols bieten sowohl für Emittenten als auch Anleger spezifische Vorteile, unterscheiden sich aber gleichzeitig stark von herkömmlichen Anleihen:
Trotz ihrer Vorteile bergen Konsols auch Risiken, die sie zu einem eher spezialisierten Anlageinstrument machen:
Heutzutage sind klassische Konsols kaum noch im Umlauf, dennoch existieren moderne Formen ewiger Anleihen, beispielsweise Perpetual-Bonds oder Hybridanleihen. Diese dienen unter anderem Banken, Versicherungen oder Staaten zur Kapitalbeschaffung und orientieren sich strukturell an historischen Konsols – sie bieten unbefristete Laufzeiten, flexible Rückzahlungsmöglichkeiten und regelmäßige Coupons.
Anleger nutzen solche Instrumente vor allem zur Diversifikation oder für langfristige Einkommensstrategien. Gleichzeitig müssen sie jedoch genau prüfen, ob die Konditionen, Kündigungsrechte und Risikoparameter zu ihrer Anlagestrategie passen.
Konsols sind unbefristete Anleihen, die ihren Anlegern dauerhaft Zinsen zahlen und dem Emittenten enorme Flexibilität in der Finanzierung bieten. Historisch waren sie ein zentrales Element der Staatsfinanzierung, heute findet man sie vor allem in Form moderner ewiger Anleihen wieder. Für Anleger können Konsols attraktive, langfristige Ertragsquellen darstellen, sie erfordern jedoch ein klares Bewusstsein für Zins-, Liquiditäts- und Inflationsrisiken.