Die Verankerungsheuristik beschreibt einen psychologischen Entscheidungsfehler, der insbesondere im Finanz- und Börsenkontext von Bedeutung ist. Menschen neigen dazu, ihre Einschätzungen und Entscheidungen stark an einem zuvor genannten Wert – dem sogenannten „Anker“ – zu orientieren, selbst wenn dieser Wert objektiv irrelevant ist. Diese kognitive Verzerrung beeinflusst beispielsweise die Wahrnehmung von Aktienkursen, Bewertungen von Unternehmen oder Anlageentscheidungen.
Die Verankerungsheuristik ist eine der am besten dokumentierten kognitiven Verzerrungen in der Behavioral Finance. Sie tritt auf, wenn Anleger oder Investoren beim Schätzen von Preisen, Risiken oder Renditen unbewusst an einem initialen Referenzpunkt festhalten. Dieser Anker kann beispielsweise der letzte Kurs einer Aktie, ein veröffentlichter Analystenwert oder ein historischer Höchststand sein. Auch wenn neue, objektive Informationen verfügbar sind, werden die Entscheidungen oft unzureichend angepasst.
Ein klassisches Beispiel ist die Aktienbewertung: Angenommen, die Allianz-Aktie notiert bei 200 Euro. Viele Anleger verankern sich an diesem Kurs, selbst wenn fundamentale Analysen darauf hinweisen, dass ein fairer Wert eher bei 180 Euro liegt. Dies kann dazu führen, dass Aktien zu lange gehalten oder zu spät verkauft werden.
Ein weiteres Beispiel betrifft Preisvorstellungen bei Börsengängen (IPOs). Wenn ein Unternehmen seinen Aktienpreis initial hoch ansetzt, orientieren sich Investoren oft an diesem Preis, obwohl die tatsächliche Bewertung tiefer liegen könnte. Die Verankerung kann so zu überhöhten Erwartungen und falschen Anlageentscheidungen führen.
Die Verankerungsheuristik kann auf verschiedene Arten die Börsenpraxis beeinflussen:
Investoren können verschiedene Methoden nutzen, um die Auswirkungen der Verankerungsheuristik zu reduzieren:
Die Behavioral Finance zeigt deutlich, dass psychologische Faktoren wie die Verankerungsheuristik einen entscheidenden Einfluss auf Märkte haben können. Sie erklärt, warum sich Kurse oft langsamer an neue Informationen anpassen und warum Anleger Entscheidungen treffen, die objektiv nicht optimal sind.
Die Verankerungsheuristik ist ein zentraler Begriff in der Behavioral Finance und beschreibt die Tendenz von Anlegern, sich bei Entscheidungen zu stark an einem Ausgangswert zu orientieren. Sie kann zu Fehleinschätzungen, verspäteten Reaktionen auf Marktinformationen und ineffizienten Anlageentscheidungen führen. Beispiele wie die Orientierung an historischen Aktienkursen der Allianz-Aktie verdeutlichen die Praxisrelevanz. Ein fundiertes Bewusstsein für diese psychologische Verzerrung hilft Anlegern, objektivere Entscheidungen zu treffen und die Risiken von Fehlbewertungen zu reduzieren.