175 Mrd. Euro, 660 Mrd. Dollar und ein paar Zerquetschte…

Dienstag, 18.03.08 10:19

Sehr geehrte Privatanleger,

die Notenbanken pumpten bislang fast eine Billion Dollar in das angeschlagene Weltwährungssystem. Zum Vergleich: Beim Kollaps des LTCM-Hedgefonds im Jahr 1998 waren es drei Milliarden, also etwa drei Prozent dieser Summe. Dennoch kommt die Weltwirtschaft nicht zur Ruhe. Im Gegenteil, die massiven Rettungsaktionen zeigen nur das wirkliche Ausmaß der Krise - wie ich es in meinem Buch „Der Crash kommt“ bereits 2006 angedeutet hatte. Was tun?

Reine Geldspritzen helfen schon lange nicht mehr. Sie sind meistens nach wenigen Tagen verpufft. Nun nimmt die Fed von den Banken auch wertlose oder stark im Wert beeinträchtigte Papiere als Sicherheit. Dennoch ist der Geldmarkt zwischen den Banken stark zurückgegangen. Das Vertrauen ist minimal. Auch Hedgefonds und weitere Vermögensklassen werden in den Strudel gezogen, wie ich es in „Der Crash kommt“ beschrieben hatte.

Noch wird das AAA-Rating der faktisch insolventen Kreditversicherer Ambac (WKN: 882277) und MBIA (WKN: 874020) von den Ratingagenturen aufrecht erhalten. Das ist zwar eine Fiktion, aber wenn das Rating reduziert würde, würden viele von den beiden Institutionen versicherte Anleihen herabgestuft. Dann wiederum müssten viele Finanzinstitutionen, die diese Papiere als Sicherheiten hinterlegt haben, höhere Zinsen zahlen. Banken müssten noch größere Sonderabschreibungen hinnehmen. Da traut sich noch niemand heran. Insgesamt werden die Kosten auf 1000 Milliarden Dollar geschätzt. 200 Milliarden sind erst verdaut.

Paradoxerweise sollten Sie auch jetzt in Aktien investiert bleiben. Warren Buffett macht seine besten Geschäfte, wenn die Märkte verrückt spielen. So stockte er unter anderem GlaxoSmith-Kline (WKN: 940561) auf. Fuchs Petrolub (WKN: 579043) fiel im Januar 2008 wie ein Stein, aber ohne fundamentalen Grund.

Die Rettungsaktionen der Notenbanken machen Aktien noch attraktiver, denn sie blähen die Geldmenge auf. Das sollte zu einer Inflation führen, und davon profitieren reale Vermögensgegenstände (Sachvermögen). Aktien sind Realvermögen, weil sie Anteile an Unternehmen verbriefen. (Wenn es sich um solide Unternehmen handelt.)

Glauben Sie, dass wir keine Autos mehr fahren werden und dass die BMW-Aktie (WKN: 519000) wertlos wird? Ich kann mir dies nicht vorstellen und halte diese Anteilsscheine, die bei einem KGV von acht und deutlichem Restrukturierungspotential sehr niedrig bewertet sind. Glauben Sie, dass Menschen nicht mehr in Krankenhäuser gehen? Ich nicht. Auch Rhön-Klinikum (WKN: 704230) ist günstig. Menschen werden weiter telefonieren und Webseiten betreiben. United Internet (WKN: 508903) hat gerade einen Gewinnsprung von sagenhaften 40 Prozent gemeldet. Der Markt nimmt das derzeit nicht zur Kenntnis. So sehen Einstiegsmöglichkeiten aus.

Ich wurde mehrfach nach Norske Skog (WKN: 879395) gefragt, die ich seit circa fünf Euro empfehle. Nun hat Norske Skog seine Dividende ausgesetzt. Keine Frage, das Unternehmen ist in einer Restrukturierungsphase. Norske ist in einer zyklischen Branche tätig, der Holzindustrie. Der Holzindustrie geht es derzeit schlecht. Jetzt werden über ein bis zwei Jahre Kapazitäten stillgelegt, auch bei Norske Skog. Dann pendeln sich Angebot und Nachfrage wieder auf einem vernünftigen Niveau ein, und der Kurs, sowie die Gewinne und Dividenden, wird in die Höhe gehen. Dann ist vom jetzigen Niveau eine Verdreifachung oder Vervierfachung drin. Die Aktie ist spottbillig und hat sich in wenigen Jahren gesechstelt.

So dramatisch sind die Einbrüche bei Pharmatiteln, Markenartiklern, vielen Telekomunternehmen und vielen Dienstleistern nicht. Dafür sind hier die Gewinnentwicklungen viel stetiger.

Allerdings – und das ist leider das Los des seriösen Value-Investors – ist ein exaktes Timing an der Börse unmöglich. Es bedarf schon einer gewissen Geduld. Es kann auch noch weiter runtergehen. Die Euphorie kann viel länger dauern, als es rational begründbar wäre. Genauso ist es mit Panik und Depression. Von beiden dürfen Sie sich nicht anstecken lassen.

Auf gute Investments,

Ihr
Prof. Dr. Max Otte

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