Anlegerverhalten – Neues Altes aus der Aktienprovinz

Donnerstag, 14.04.11 17:07

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Als alter Beobachter fühlte ich mich auf der Pressekonferenz des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeitweise in die 70er oder 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versetzt: Es hat sich seither ja viel getan, viel verändert in der Börsenlandschaft. Aber die neuen Sorgen des DAI-Chefs Rüdiger von Rosen, die er jetzt in Frankfurt vortrug, sind eigentlich die alten – sie sind es wieder geworden: Deutschland hat keine „Aktienkultur“. Mit Blick auf die Krise in der Bankenwelt, neue Publizitätsregeln auch für die Aktie („Beipackzettel“) und die bereits in Kraft getretene Doppelbesteuerung (Abgeltungssteuer) ist ein „schleichender Prozess der Klimaverschlechterung für die Aktie“ (von Rosen) zu beklagen.

Seit einiger Zeit schon – nicht zuletzt durch die Erhebungen des DAI – bestätigen diverse Studien, dass immer mehr Bundesbürger die Lust am Sparen und Anlegen verlieren. Zugleich wird deutlich, dass dies nicht allein dem Frust durch schmerzliche Börsen-Baissen zuzuschreiben ist. Denn bei vielen Anlegern hängt die Enttäuschung auch mit zu geringem Grundlagenwissen zusammen, wird ohne klare Zielsetzung und mit unstrukturierten Depots vorgegangen. Hinzu kommt eine oft schlechte Beratung. Deshalb sollten Verantwortliche einen neuen Anlauf mit dem Ziel einer höher entwickelten Anlegerkultur nehmen. Das darf nicht nur durch immer mehr Gesetze und Kontrollen geschehen, sondern erfordert Wissensvermittlung auf allen Ebenen und mit ganz unterschiedlichen Instrumenten.

Ein ähnlich trauriges Bild malt eine neue Studie der Axa Investment Managers. Die Fondsgesellschaft ging zusammen mit TNS Infratest schon zum sechsten Mal der Frage nach: Hat sich das Wissen der Deutschen über Investmentfonds verbessert? Das zentrale Ergebnis: Es hat sich leicht verbessert, ist aber weiterhin deutlich niedriger als vor der Finanzkrise. Seit Beginn der Studie im Jahr 2006 bis zum Jahr 2010 sank der Wissensindex von 53 auf 45 Punkte. Aktuell zeigt sich mit 46 Indexpunkten erstmals seit der Finanzkrise wieder ein leichter Anstieg, das Wissen ist allerdings vor dem Hintergrund 100 erreichbarer Punkte weiterhin auf niedrigem Niveau.

Schade, dass Wertpapierkurse und Wertpapierkultur in Deutschland nicht Hand in Hand gehen. Denn gerade jetzt, da sich die Risikofaktoren zu häufen beginnen, kommt die Mehrheit der Volkswirte und Analysten zu einer positiven Einschätzung der Aktie. Und die basiert insbesondere auf der nach wie vor sehr guten fundamentalen Basis. Das haben jetzt auch die nicht nur von mir besonders hoch geschätzten Experten des Bankhauses bestätigt: „Die guten Konjunkturdaten zum Ende des vergangenen Jahres und in den bisherigen Monaten des laufenden Jahres haben die meisten Zweifel an der Standhaftigkeit des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs vertrieben“, erklärt Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements beim Metzler Private Banking, und fährt fort: „Aus unserer Sicht zeichnet sich noch kein Ende des Bullenmarktes ab. Aktien sind nach fundamentalen Bewertungskriterien noch immer günstig, und trotz der zuvor gestiegenen Kurse gibt es wenig Anzeichen für Euphorie oder gar Gier der Anleger.“

Die fundamentale Analyse zeige gemeinsam mit der hohen Gewinnrendite von Aktien gegenüber der Rendite von festverzinslichen Wertpapieren, dass europäische Aktien derzeit um ca. 15 % unterbewertet seien. Den regionalen Schwerpunkt in den Kundenportfolios setzt Metzler Private Banking daher unverändert auf europäische Aktien mit einem hohen Gewicht deutscher Titel. Dafür sprächen nicht nur die hohe Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Industrie, sondern auch die solide Gewinnentwicklung der Unternehmen und die im internationalen Vergleich günstige Bewertung deutscher Aktien. Eine zusätzliche Triebfeder und gleichzeitig ein Indikator für den Aufschwung seien die zunehmenden Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. Die in der Nachkrisenzeit hohe Bereitschaft der Unternehmen, externes Wachstum durch Übernahmen anderer Firmen zu erreichen, werde begünstigt von hohen Liquiditätsreserven: Allein US-Firmen hätten ein Liquiditätspolster von 1,5 Billionen Dollar.

Mögen die Metzlers Recht behalten (ich teile ihre Haltung)!
Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!

Ihr

Hermann Kutzer


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