boerse.de: Herr Coels, haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Alexander Coels: Was sich derzeit an den Märkten abspielt sucht wirklich seinesgleichen. Der DAX notierte noch am Montag Vormittag im Hoch bei 7282 Zählern und schlägt heute zur Eröffnung bei nur noch 6170 Punkten auf. Ich beschäftige mich jetzt seit über 15 Jahren mit den Märkten, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen.
boerse.de: Aber da waren doch z.B. die Asien-Krise, der Ausbruch der Finanzkrise und nicht zuletzt der 11. September 2001? Das waren greifbare Ereignisse, da waren die Verluste doch sicher größer?
Alexander Coels (kramt in seinen Unterlagen auf dem Schreibtisch): Da muss ich Sie leider enttäuschen. Denn der schlimmste Einbruch der Asien-Krise war im September 1998. Damals verzeichnete der DAX einen Verlust von knapp 12% in einer Woche. Während des Ausbruchs der Finanzkrise im Januar 2008 musste der DAX „lächerliche“ 7% Verlust binnen Wochenfrist hinnehmen. Selbst bei den schrecklichen Ereignissen vom 11. September 2001 verlor der DAX „nur“ 11,9% in fünf Tagen.
boerse.de: Und damals…
Alexander Coels: Genau. Und damals befanden sich die Börsen in einer Mega-Baisse und es hat den ersten und bisher einzigen kriegerischen Akt auf das amerikanische Festland gegeben.
boerse.de: Wie erklären Sie sich dann den heftigen Absturz der Märkte?
Alexander Coels: Wissen Sie, Börsenkurse eilen stets den Nachrichten voraus. Denn Meldungen bzw. Erklärungen können immer erst im Nachhinein geliefert werden. Die Probleme, mit denen wir derzeit zu kämpfen haben, liegen doch auf der Hand…
boerse.de: Nämlich?
Alexander Coels: Die hohe Staatsverschuldung zahlreicher EU-Staaten und natürlich die großen Probleme der USA.
boerse.de: Aber hier wurde doch gerade die Schuldengrenze angehoben und außerdem ein rigoroses Sparpaket beschlossen?
Alexander Coels: Haben Sie eine Ahnung, wie oft die Schuldengrenze in den USA bereits angehoben wurde? Über 70 Mal! Hier wurde also unter großem Kampf zwischen Demokraten und Republikanern etwas beschlossen und medial als ‚Durchbruch’ verkauft, was bei den Amerikanern schon lange gang und gäbe ist.
boerse.de: Und das Sparpaket? Was halten Sie davon?
Alexander Coels: Sehen Sie, jeder Unternehmer, der mehr Geld ausgibt als er einnimmt, muss dieses Verhältnis früher oder später umkehren. Oder er geht irgendwann in die Insolvenz. Die USA haben nun über Jahrzehnte hinweg versucht, diesem Kreislauf zu entgehen und immer mehr der zukünftigen Wirtschaftsleistung schon heute auf Pump ausgegeben. Dieses Sparpaket könnte nun der erste Schritt in Richtung einer anderen Denkweise sein.
boerse.de: Aber wenn ich Ihren Unterton höre, glauben Sie nicht so recht daran?
Alexander Coels: Naja, dieses Sparpaket würgt die ohnehin kränkelnde Konjunktur in den USA noch mehr ab. Von daher bin ich überzeugt, dass es früher oder später gelockert wird oder unter anderem Namen neue staatlich verordnete Konjunkturprogramme aufgelegt werden.
boerse.de: Unsere Besucher interessiert natürlich vor allem, wie es jetzt an den Börsen weitergeht?
Alexander Coels: Und da bin ich ganz ehrlich zu Ihnen: Kurzfristige Prognosen sind in solchen Phasen, in denen nur die nackte Panik regiert, völlig unseriös. Die Märkte befinden sich noch im freien Fall und niemand auf der Welt kann vorhersagen, wo dieser Ausverkauf sein vorläufiges Ende nimmt. Im DAX könnte das z.B. bei den 6170 von heute Morgen oder bei der 6000er-Marke sein. Genau so gut ist aber auch ein weiterer Rutsch bis 5800 möglich.
boerse.de: Wie sieht Ihrer Meinung nach denn die mittelfristige Perspektive aus?
Alexander Coels: Auf diesen heftigen Abschlag wird es vermutlich in der kommenden Woche eine Aufwärtsreaktion geben. Das Niveau dieser Erholung entscheidet dann, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergeht.
boerse.de: Aber Sie haben doch sicher schon ein Szenario im Hinterkopf?
Alexander Coels: Aus technischer Sicht ist mit dem Kursrutsch viel Porzellan zerschlagen. Die allermeisten großen Indizes sind unter ihre 200-Tage-Linien gefallen und haben damit formal in Abwärtstrends gewechselt. Allerdings gibt es auch genügend Gegenbeispiele, bei denen solche Kursverluste zügig wieder aufgeholt werden.
boerse.de: Ach ja? Können Sie uns vielleicht ein Beispiel geben?
Alexander Coels: Ich erinnere z.B. an den Sommer 2009. Damals war der DAX gerade über die 5000er-Marke geklettert und im Hoch bis 5178 gelaufen. Nur fünf Wochen später notierte der Index bei 4527. Ein Absturz von rund 13%, der übrigens weitere vier Wochen danach schon wieder aufgeholt wurde. Oder im März 2011, die Japan-Krise. Der Index verlor 12,9% in wenigen Tagen, konnte diesen Einbruch aber im April schon wettmachen.
boerse.de: Können Sie unseren Besuchern denn einen Tipp geben?
Alexander Coels: Natürlich gerne. Ich rate Ihnen, nicht in Panik zu verfallen. Das ist an der Börse immer ein schlechter Ratgeber. Vermutlich haben Sie nach Ihrer Anlagestrategie in dieser Woche Ihren Hausse-Anteil im Depot deutlich reduziert und vielleicht sogar auf Puts gesetzt. Diese Gewinne sollten Sie in jedem Fall laufen lassen. Sobald sich dann ein Boden gebildet hat, gilt es die nächsten strategischen Positionen aufzubauen. Das dürfte aber frühestens im September passieren.
boerse.de: Wieso gerade im September?
Alexander Coels: Wissen Sie, so heftig der Absturz auch ausfällt, saisonal passt er voll ins Bild. Denn August und September sind historisch die schlechtesten Börsenmonate des gesamten Jahres. Erst danach geht es wieder deutlicher aufwärts.
boerse.de: Das heißt, Sie haben Ihre Leser im Zyklen-Trader auf den Einbruch vorbereitet?
Alexander Coels: Wir agieren seit einigen Wochen in unserem realen Musterdepot nur mit angezogener Handbremse. Zu Beginn dieser Woche haben wir unsere Hausse-Quote dann weiter reduziert. Damit halten wir nur noch mit einem Anteil von etwas über 10% Calls, um auf eine Gegenbewegung zu spekulieren. Dazu haben wir natürlich zwei große Edelmetall-Positionen, die in dieser Woche kräftig aufsatteln konnten.
boerse.de: Was sind Ihre nächsten Empfehlungen?
Alexander Coels: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich konkrete Empfehlungen nur im Zyklen-Trader geben kann. Alles andere wäre unfair den zahlenden Lesern gegenüber. Aber so viel sei verraten: Wir werden vermutlich zu Beginn der kommenden Woche eine weitere spekulative Position aufbauen. Denn gerade Gegenbewegungen eröffnen herausragende Gewinn-Chancen.
boerse.de: Haben Sie denn schon eine konkrete WKN im Kopf?
Alexander Coels (lacht…): Sie sind aber hartnäckig. Was ich Ihnen und vor allem Ihren Besuchern anbieten kann, ist folgendes: Sie können den Zyklen-Trader und alle damit verbundenen Services zwei Wochen kostenlos testen. Dann sind Sie von Anfang an dabei. Dieser Test kostet Sie keinen Cent. Ich lade Sie dazu ein.
boerse.de: Das ist doch mal ein Wort. Vielen Dank für das Gespräch und die Einladung.
Alle Kolumnen erhalten Sie ganz bequem im Newsletter boerse.de-Aktien-Ausblick, Deutschlands großem Börsen-Newsletter mit mehr als 100.000 Lesern. Hier kostenfrei anfordern ...