seit zwei Wochen gibt es mit dem „Dax Uncapped“ und dem „Dax 20% Capped“ zwei neue Varianten des deutschen Leitindex. Der Grund dafür ist die für den Dax vorgesehene Kappungsgrenze, die erst vor knapp einem Jahr von 10% auf 15% angehoben worden war. Der Hintergrund:
Im Februar 2023 hatte sich der Industriegase-Konzern Linde vom heimischen Börsenparkett verabschiedet, nachdem die Aktie zu den quartalsmäßigen Überprüfungsterminen immer wieder über der Kappungsgrenze von 10% lag. Entsprechend wurde der Indexanteil in solchen Fällen zurechtgestutzt, und als Folge davon mussten dann auch Indexfonds bzw. ETFs, die den Dax abbilden, Verkäufe vornehmen – was die Kurse belastete.
Dax-Kappungsgrenze auf 15% angehoben
Um zu verhindern, dass nach dem Linde-Abgang weitere Dax-Schwergewichte den Finanzplatz Deutschland verlassen, wurde daher im Herbst 2023 eine Anhebung der Kappungsgrenze auf 15% beschlossen. Denn historische Untersuchungen hatten gezeigt, dass dieser Indexanteil in den zehn Jahren zuvor von keinem Dax-Mitglied überschritten worden war.
Somit hatten sich die Indexverantwortlichen sicher erhofft, dass das Kappungs-Thema damit langfristig vom Tisch sei. Dem machte jedoch die Rallye der SAP-Aktie einen Strich durch die Rechnung. Denn bei der Indexüberprüfung im vergangenen Oktober hatte der Softwarekonzern ein Indexgewicht von 15,3% und musste daher bei der Dezember-Anpassung gekappt werden. Prompt wurden Befürchtungen laut, dass die Deutsche Börse mit SAP nach Linde ihr zweites Schwergewicht an die Wall Street verlieren könne. Daher:
Zwei neue Dax-Varianten als Kompromisslösung
Seit dem 12. Februar gibt es neben dem „normalen“
Dax, in dem auch weiterhin an der bisherigen Kappungsgrenze von 15% festgehalten wird, zwei neue Varianten. Darin sind jeweils dieselben 40 Aktien enthalten, sodass sich hier künftig nur deren Gewichtungen unterscheiden können. So liegt die Höchstgrenze beim Dax 20% Capped – wie der Name bereits verrät – bei 20%, während im Dax Uncapped sogar komplett auf ein solches Limit verzichtet wird. Somit können nun auch ETFs auf den deutschen Leitindex aufgelegt werden, bei denen nicht bzw. seltener gekappt werden muss. Ob diese Möglichkeit von den Anbietern tatsächlich genutzt wird, bleibt jedoch abzuwarten. Schließlich gibt es auch auf den etablierten Dax gerade einmal ein knappes Dutzend an börsengehandelten Fonds.
Die Einführung der neuen Dax-Varianten änderte nichts daran, dass die Höhe der Marktkapitalisierung das entscheidende Auswahlkriterium für eine Indexmitgliedschaft bleibt. Als Folge davon sind hier viele Aktien enthalten, die sich aus Sicht der boerse.de-Performance-Analyse nicht als vernünftige Langfristinvestments eignen. Denn:
Die Höhe der Marktkapitalisierung sagt nichts über die Anlagequalität aus
Aktuell qualifizieren sich nur acht der 40 Dax-Werte als Champions. Mit dem Schwergewicht SAP sowie Airbus und Rheinmetall kommen dazu noch drei Aktien, die im boerse.de-Aktien-Rating eine A-Bewertung erhalten und damit zumindest potenzielle Kandidaten für die Champions-Watchlist sind. Gleichzeitig erweisen sich 14 Dax-Mitglieder lediglich als mittelmäßig gute Langfristinvestments (B-Rating), während sechs als Verlierer-Aktien (C-Rating) und fünf sogar als langjährige Kapitalvernichter (D-Rating) einzustufen sind. Hinzu kommen vier Dax-Mitglieder ohne Rating, da ihre Kurshistorien weniger als zehn Jahre umfassen.
Anleger, die in Dax-ETFs investieren, sollten sich also bewusst sein, dass sie sich damit auch viele mittelmäßige und schlechte Aktien ins Depot holen. Im
boerse.de-Aktienbrief konzentrieren wir uns dagegen auf 100 Champions, die ihre hohe Anlagequalität schon seit mindestens zehn Jahren unter Beweis stellen. Diese Champions bilden auch das Basisinvestment der vier
boerse.de-Fonds, und
myChampions100 bietet Anlegern sogar die Möglichkeit, sich direkt an allen 100 Champions zu beteiligen.
Mit bester Empfehlung
Jochen Appeltauer
Chefredakteur
boerse.de-Aktienbrief PS: Konkrete Champions-Empfehlungen gibt es alle 14 Tage im boerse.de-Aktienbrief, dessen aktuelle Ausgabe Sie hier
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