Lilium IPO: Erfolgreicher SPAC-Börsengang oder Luftnummer?

Dienstag, 14.09.21 16:46
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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ab dem 15. September 2021 könnte – wenn alles nach Plan läuft – an der US-Technologiebörse Nasdaq auch ein Münchner Unternehmen gelistet sein: Der Flugtaxi-Hersteller Lilium aus dem bayerischen Weßling plant sein IPO. Dafür hat das 2015 gegründete Start-up einen schnellen, aber umstrittenen Weg gewählt: Lilium fusioniert mit der bereits börsennotierten Zweckgesellschaft Qell, einer sogenannten Special Purpose Acquisition Company (SPAC).

Lilium IPO: Hochfliegende Pläne ...



Mit dem Börsengang soll Geld für den 2024 geplanten, kommerziellen Start des Unternehmens eingesammelt werden. Von den elektrischen Flugtaxis, mit denen Lilium die Branche verändern will, gibt es bislang allerdings nur einen Prototyp sowie ein Serienmodell, das noch nicht flugtauglich ist. Das junge Unternehmen, das noch keinen Umsatz erwirtschaftet, will mit dem frischen Kapital seinen „Serienflieger zu Ende entwickeln, zulassen und serienreif machen” betonte Gründer Daniel Wiegand. „Darüber hinaus erwarten nicht nur wir, sondern auch der Kapitalmarkt sowie eine Vielzahl unabhängiger Studien, dass nachhaltige und geräuscharme Mobilität einen neuen, milliardenschweren Markt erschließen wird.“

In rund zwei Jahren möchte Lilium mit einer Verbindung zwischen zwei Städten im Shuttle-Verkehr starten. Im Börsenprospekt sind Ticketpreise von 165 Dollar für eine 30-Minuten-Strecke aufgeführt, die – bei entsprechender Auslastung – langfristig auf das Niveau einer ICE-Fahrkarte sinken sollen.

… annullierte Lilium-Aktien



Liliums neuartiges Geschäftsmodell und der Börsengang über eine Mantelgesellschaft sorgten bei Investoren in spe diese Woche jedoch für Ernüchterung. Rund 65 Prozent der SPAC-Aktionäre gaben ihre Aktien noch vor dem IPO zurück, statt sie gegen Lilium-Anteile einzutauschen. Infolgedessen sammelte das Unternehmen weniger Geld als erhofft: Im März kalkulierte man noch mit 824 Millionen Dollar. Nun fließen Lilium nur 584 Millionen Dollar zu. Damit kommt das Start-up auf eine Bewertung von 2,8 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen ist nicht das einzige aus der Branche, bei dem eine SPAC-Transaktion nicht so erfolgreich verlaufen ist, wie erhofft. Der US-Konkurrent Joby Aviation erlöste im August nur etwas mehr als eine Milliarde statt der geplanten 1,6 Milliarden Dollar. Ebenso ernüchternd ist der Kursverlauf der Joby-Aktie, die mit -33% seit Börsenstart im Sinkflug unterwegs ist.

Elektrische Flugtaxis sollen vor allem in und zwischen Großstädten die nachhaltige Lösung für Stauprobleme sein. Nicht nur Lilium, sondern weltweit über 100 Hersteller liefern sich derzeit einen Wettbewerb um serienreife Kleinjets. Bis feststeht, ob es sich dabei tatsächlich um einen Milliardenmarkt handelt und falls ja, welches Unternehmen die Wettbewerber überflügeln wird, liegt vor Lilium jedoch noch ein langer und teurer Weg.

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Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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