Marktübersicht

Smart Investor Weekly: Nach oben offen

Donnerstag, 30.11.17 10:46
Smart Investor Weekly: Nach oben offen
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Der Bitcoin zwischen Nichts und Unendlich

Kursziel „Dausend“

Wer erinnert sich noch an den guten alten Neuen Markt, als einer der seinerzeit prominentesten Akteure in bestem Fränkisch das Kursziel „Dausend“ ausgab? Erreicht wurde es bis heute – knapp 18 Jahre später – noch immer nicht. Allerdings ist die Aktie, die seinerzeit so viel Optimismus auf sich zog, die Morphosys AG, einer der Überlebenden des damaligen Hypes. Sie hat auch nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes ihren Weg gemacht.

Ob der Bitcoin in knapp 18 Jahren noch auf dem Markt sein wird, wagen wir nicht zu prognostizieren. Ein Kursziel von „Dausend“ klingt vor dem Hintergrund seiner jüngsten Kurskapriolen aber geradezu bescheiden. Denn gestern durchschlug er bereits die Marke von 10.000 USD, was dem Kryptogeld heute gleich einen weiteren Kursschub um mehr als 14% auf über 11.000 USD gab. Das ist schon eine atemberaubende Erfolgsgeschichte für etwas, das rein virtuell ist und erst vor weniger als neun Jahren von bis heute vollkommen Unbekannten in die Welt gesetzt wurde – zu einem Preis von damals exakt NULL. Der Erfolg ist sogar noch größer, da sich der Bitcoin im Rahmen einer Hard Fork bereits einmal aufgespalten hat und jeder Bitcoin-Besitzer noch einmal die gleiche Menge an „Bitcoin Cash“ im Wert von aktuell 1.600 USD dazu bekam, zusammengenommen hat der Ur-Bitcoin also heute einen Marktwert von 13.000 USD. Hui. Zudem ist der Bitcoin schon längst nicht mehr alleine auf weiter Flur. Auf www.coinmarketcap.com werden inzwischen 1.326 verschiedene Krypto-Coins und Tokens gelistet. Ernsthaft anzusehen braucht man dort aber nur die jeweils ersten 20, gemessen an der Marktkapitalisierung.



Blasen live erleben

Wie „seriös“ das Kursgeschehen in der Altcoin-Welt derzeit ist, dazu ein Schlaglicht vom heutigen Tage. Der IOTA (Rang 8, Marktkapitalisierung von 4,2 Mrd. USD) stieg innerhalb von 24 Stunden um 41%. Der Stellar Lumens (Rang 14, 1,7 Mrd. USD) legte um 59% zu und der Cardano (Rang 9, 3,7 Mrd. USD) schoss um 172% in die Höhe (vgl. Abb.). Wie gesagt, das waren Tagesbewegungen! Heute Abend sieht diese Liste zudem schon wieder ganz anders aus – zweistellige Prozentveränderungen inklusive. Wer noch nie live eine Blase erlebt hat, hier gibt es die Gelegenheit dazu. Der Umstand aber, dass man eine Blase identifiziert hat, bedeutet nicht, dass diese nun auch unmittelbar platzen müsste.

Staatsanleihen befinden sich seit Jahren auf absurden Höhen, werden dort allerdings von den Notenbanken auch künstlich gehalten. Tatsächlich werden innerhalb solcher Blasen große Vermögen gemacht, aber häufig genug auch wieder verloren – da spielt es fast keine Rolle, in welche Richtung man spekuliert. Ruinieren kann man sich nicht nur bei dem Versuch, den entfesselten Superbullen noch ein kleines Stückchen weiter zu reiten, sondern auch dann, wenn man sich diesem allzu schlau frühzeitig in den Weg stellt, weil ja alle so verrückt geworden sind. Gute Argumente, desaströses Ergebnis. Der Normalanleger ist gut beraten sich dieses Treiben im Moment mit gebührendem Abstand anzusehen.



Zu den Märkten

Der heutige Handelstag im DAX war zunächst konstruktiv. Das Eröffnungs-Gap zeigte einen deutlichen Nachfrageüberhang und unterstrich den positiven Eindruck – zumindest im ersten Teil der Sitzung. Zum Tagesschluss wurden die Gewinne dann wieder komplett abgegeben und auch das Gap wurde geschlossen. Treten wir einen Schritt zurück, dann ist von Dramatik allerdings nicht viel zu erkennen (vgl. Abb.). Unverändert bleibt die dort beschriebene Entscheidungssituation: Entweder es bildet sich charttechnisch eine Art untypischer, weil überdimensional großer Keil heraus, oder der Index verläuft weiter innerhalb eines aufwärtsgerichteten Trendkanals. Die oberen Begrenzungen verlaufen derzeit in den Bereichen von ca. 14.300 Punkten (Keil) bzw. ca. 17.700 Punkten (Trendkanal, gestrichelte Begrenzung).

Aus unserer Sicht scheint der Keil derzeit favorisiert, weil der Index nach dem erfolgreichen Test der unteren Begrenzungslinie, die für Keil und Aufwärtstrend identisch ist, bislang ohne echte Dynamik ansteigt. Entscheidender ist ohnehin die untere Linie, die aktuell bei ca. 11.000 Punkten verläuft. Wird sie gebrochen, wären die charttechnischen Implikationen stark negativ, egal ob der Ausbruch dann letztlich aus einem Aufwärtstrend oder aus einem bearishen Keil erfolgt. Der Abstand von mehr als 2.000 DAX-Punkten ist allerdings aktuell noch so komfortabel, dass dieses Szenario nicht so schnell akut werden sollte, obwohl die Linie ansteigt, dem Kurs also „entgegenkommt“. Was das große Bild betrifft, bewegen wir uns demnach bis auf weiteres innerhalb zweier aufwärtsgerichteter Großformationen. Welche davon letztlich dominant werden wird, sollte sich beim Kursverhalten um die Marke von 14.300 Punkten herausschälen – sofern diese Marke erreicht wird.

Fazit

Die Kursentwicklung des Bitcoin verblüfft selbst seine größten Anhänger. Der aktuelle Kaufdruck ist gewaltig und der Kurs entwickelt sich in eine Fahnenstange. Für Normalanleger sind die Kryptogelder damit aus unserer Sicht derzeit zur No-Go-Area geworden.

 

Ralph Malisch, Christoph Karl






Quelle: Smart Investor


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