Parabolic SAR von Welles J. Wilder Erklärung – Technische Analyse

Aussage:
Der von Welles J. Wilder entwickelte „Parabolic SAR“ entspricht einem trendfolgend ausgerichteten Umkehrsystem, das sich stets im Markt befindet. Aufbau und Konstruktion sind von ihrem Ansatzpunkt her recht ungewöhnlich, da die Stop-Marke hier das Herzstück des gesamten Systems repräsentiert und die Faktoren Preis und Zeit berücksichtigt werden. „SAR“ steht für Stop and Reverse, d.h. die Position wird gedreht, sobald eine Stop-Marke erreicht wird. „Parabolic“ steht für den einer Parabel ähnlichen Verlauf der Stopmarken (in der Annahme eines linearen Kursanstiegs im Basisobjekt), die dem Kurs stets nachgezogen werden (zunächst mit größerem, dann mit einem sich fortlaufend reduzierendem Abstand), sich also trendfolgend im Markt befinden.

Berechnung:
Das Konzept des „Parabolic SAR“ basiert auf der nachzuziehenden Stopmarke, die gleichzeitig zur Liquidierung der bestehenden Position, wie zur Eröffnung einer entgegengerichteten Position benutzt wird. Es ist unerheblich, zu welchem Zeitpunkt die Berechnung des „Parabolic SAR“ beginnt. Der Indikator benötigt eine „Einlaufzeit“, in der die ersten zwei oder drei Signale errechnet, aber ignoriert werden. Erst nach diesen ersten Signalen kann der „Parabolic SAR“ korrekt arbeiten. Der „Parabolic SAR“ wird errechnet bzw. konstruiert, indem zu Beginn des Betrachtungszeitraums der erste erkennbare Extrempunkt herausgesucht wird. Ausgehend von diesem Extrempunkt wird eine der nachfolgenden Entwicklung entsprechende Position eingenommen, d.h. bei steigenden Kursen nach einem Tiefpunkt wird ein Aufwärtstrend unterstellt („Parabolic SAR“ als gepunktete aufwärtsgerichtete Linie unterhalb der Kurskurve), bei fallenden Kursen nach einem Hochpunkt ein Abwärtstrend (analog „Parabolic SAR“ als gepunktete abwärtsgerichtete Linie oberhalb der Kurskurve). Wird beispielsweise vier Tage nach der Herausbildung eines Tiefpunktes eine Long-Position aufgebaut, so errechnet sich der erste „SAR“ (für den fünften Tag) durch eine Addition dieses Tiefpunktes zum Produkt des sog. „Beschleunigungsfaktors“ und der Differenz zwischen dem Hochpunkt dieses vierten Tages (der stets der höchste der letzten vier Sitzungen gewesen sein muss) und dem Tiefpunkt. Ist der erste „SAR“ festgelegt, errechnen sich die nachfolgenden durch eine Addition des „SAR“ mit dem Produkt des „Beschleunigungsfaktors“ und der Differenz zwischen „Extremkurs“ (hier also den nachfolgenden Hochpunkten) und „SAR“. Der „Beschleunigungsfaktor“, der den parabelähnlichen Verlauf der Stopmarken ausmacht, stellt die Besonderheit des „Parabolic SAR“ dar. Dieser variable „Beschleunigungsfaktor“ – in der Literatur stets als „Akzelerationsfaktor“ oder „AF“ bezeichnet – bewirkt eine sich fortlaufend nachziehende Stopmarke als Funktion von Preis und Zeit. Der „AF“ beginnt bei einem Wert von 0.02. Mit jedem neuen Extremkurs (innerhalb des gerade laufenden „Parabolic SAR“-Trades) wird der „AF“ um den Faktor 0.02 erhöht (also auf 0.04, 0.06, ... usw.). Der „AF“ bleibt unverändert, solange kein neuer Extremkurs erreicht wird. Im Maximum stellt sich der „AF“ auf 0.20.

Formel:
SAR = SAR n-1 + (AF * (EP last - SAR n-1)) wobei: SAR = aktueller SAR-Wert SAR n-1 = Vortages SAR-Wert EP = Extremkurs AF = Beschleunigungsfaktor

Einstellung:
Akzelerationsfaktor beginnend bei 0.02 bis maximal 0.2 tägliche (wöchentliche) Berechnung

Interpretation:
Der sich fortlaufend erhöhende Beschleunigungsfaktor bewirkt, dass es ein zunächst relativ weit gesteckter „Parabolic SAR“ dem Basisobjekt erlaubt, einen Trend herauszubilden. Sofern sich der Kurs dann in die erwartete Richtung entwickelt, wird der „Parabolic SAR“ immer näher an den Kurs herangezogen. Sobald sich Kurs und „Parabolic SAR“ kreuzen, wird die laufende Position glattgestellt und eine Gegenposition eröffnet. Der „Parabolic SAR“ funktioniert außerordentlich gut in trendstarken Marktphasen, verursacht jedoch viele Fehlsignale in Seitwärtstrends. Bekannt sind vor allem die folgenden drei Anwendungsempfehlungen: 1. Ohne Nennung konkreter Handelsregeln empfahl Wilder die Anwendung des „Parabolic SAR“ im Zusammenhang mit seinem „DMI“ oder dem „Commodity Selection Index“. 2. Perry Kaufman verknüpfte die o.g. Anwendungen mit einem neuen Handelssystem, das er „Directional Parabolic“ nannte. Für dieses System stellte er die folgenden Handelsregeln auf: a) Berechnung eines 14-Tage-„DMI“. b) „Parabolic SAR“-Positionen werden nur in Richtung des „DMI“ eingegangen, d.h. bei einem aufwärtsgerichteten „DMI“ nur Long-Trades und bei einem abwärtsgerichteten „DMI“ nur Short-Trades. c) Positionen werden nur eingegangen, wenn die Systeme übereinstimmen. d) Der „Parabolic SAR“ wird nur zum Ausstieg benutzt, also nicht als Umkehrsystem. e) Eine laufende Position wird geschlossen, wenn der „ADX“ über „+DI“ oder „-DI“ ansteigt und dann dreht, da sich in diesem Fall der Trend abschwächt. 3. Le Beau und Lucas definierten folgende Handelsregeln: a) Berechnung eines 18-Tage-„DMI“ und -„ADX“. Bei einem abwärtsgerichteten „ADX“ werden keine Positionen eingenommen. b) „Parabolic SAR“-Positionen werden nur in Richtung des „DMI“ eingegangen, sofern der „ADX“ steigt. c) Der Ausstieg aus einer laufenden Position erfolgt über den „Parabolic SAR“. d) Nach einem vorangegangenen Ausstieg erfolgt der erneute Einstieg über „Parabolic SAR“, sofern der „ADX“ aufwärtsgerichtet ist und der „DMI“ den im „Parabolic SAR“ angezeigten Trend bestätigt.

Empfehlung:
Da die Anwender des „Parabolic SAR“ fast ausschließlich mit dem Standard-Beschleunigungsfaktor von 0.02 arbeiten, empfiehlt sich eine Individualisierung. Je höher dieser Beschleunigungsfaktor angesetzt wird, desto enger sind die Stops und desto reagibler wird sich das „Parabolic SAR“-System verhalten. Analog wird mit einem niedrigeren Beschleunigungsfaktor das System entsprechend weniger reagibel arbeiten – mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Interessante Aspekte eröffnet dabei die Variation des Beschleunigungsfaktors in Abhängigkeit von „ADX“ bzw. „DMI“. Daneben sei erwähnt, dass in einigen trendfolgenden Handelssystemen der Ausstieg aus einer Position über den „Parabolic SAR“ erfolgt.

Querverweise:
DMICCI – Stops

Quelle:
Thomas Müller, TM BÖRSENVERLAG AG: Das GROSSE Buch der TECHNISCHEN INDIKATOREN

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