Dax 11033.0 0.42%
MDax 21324.0 0.38%
TecDax 1722.5 -0.43%
BCDI 129.74 -0.15%
Dow Jones 19528.0 0.03%
Nasdaq 4848.25 -0.03%
EuroStoxx 3154.0 -0.02%
Bund-Future 160.19 -0.12%

Backwardation

Backwardation – wenn abwarten belohnt wird!

 

Werden an einer Terminbörse niedrigere Preise für Futures mit einer längeren Laufzeit notiert als für solche mit kürzerer Laufzeit, so befindet sich ein Markt in Backwardation. Ein Rohstoff mit einer Lieferung in fernerer Zukunft ist also billiger zu haben, als wenn er direkt in der Kasse oder in naher Zukunft gekauft wird. Der Begriff Backwardation kann deshalb auch mit »Kursabschlag« übersetzt werden.

 

Eine wichtige Informationsquelle vor dem Eingehen von Verpflichtungen an den Rohstoffmärkten sind für alle Marktteilnehmer die so genannten Forwardkurven, die die Preise verschiedener Futuresfälligkeiten als grafischen Verlauf darstellen. Dadurch ist es allen Beteiligten sehr schnell möglich, sich ein Bild über die aktuelle Handelssituation bei einem Rohstoff zu verschaffen und festzustellen, in welcher der beiden Zustände - Backwardation oder Contango - der Markt sich aktuell befindet.

 

Schauen wir uns ein Beispiel für eine solche Forwardkurve mit einem fallenden Verlauf an. Je weiter in der Zukunft die Fälligkeit eines Futures liegt, desto billiger kann er also zum aktuellen Zeitpunkt gekauft werden. In einer solchen Situation befindet sich Anfang des Jahres 2010 beispielsweise Zucker.

 

Backwardation am Beispiel Zucker 

 

Chart

 

Welche Gründe führen nun dazu, dass die Preiskurve für einen bestimmten Rohstoff eine solche auf den ersten Blick seltsam erscheinende Form annimmt?

 

Rein intuitiv betrachtet und nach den Erkenntnissen, die Sie bereits bei der Lektüre früherer Kapitel gewonnen haben, sollte aufgrund der oftmals recht hohen Lagerkosten für viele Rohstoffe – zu denen auch Zucker gehört – eine ansteigende Preiskurve zu beobachten sein, da ein Produzent oder Zwischenhändler für die Lagerung vom aktuellen Datum bis zur Lieferung in etlichen Monaten oder gar Jahren vom Käufer entschädigt werden möchte – durch höhere Preise für einen verkauften Futureskontrakt, also für eine spätere Lieferverpflichtung.

 

Weshalb trifft man dann aber bei vielen Rohstoffen über kürzere oder längere Zeiträume das Phänomen der Backwardation an? Hierzu gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze:

 

 

Convenience Yield

 

Niedrige Lagerbestände in einem Rohstoff machen den Commodity-Markt in besonderem Maße anfällig für Angebotsverknappungen. Unerwartet auftretende Nachfrageschübe oder unerwartete Rückgänge des Rohstoffangebots können ein bestehendes Angebots-/Nachfragegleichgewicht recht plötzlich aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Denken Sie etwa daran, dass eine Reihe von Ereignissen, die auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Rohstoffmarkt an sich zu tun haben, schnell das Pendel in Richtung Überangebot oder wie bei der Backwardation in Richtung Nachfrageüberhang ausschlagen lassen. Neben Streiks in den Produktionsfirmen und politischen Unruhen in den Förderländern können verschiedenste Naturkatastrophen zu einem Angebotseinbruch am Spotmarkt und dadurch, sofern sich die Nachfrage nicht ebenfalls dynamisch nach unten anpasst, zu einer akuten Knappheitssituation führen. Allerdings gehen die meisten Marktbeobachter davon aus, dass dieser »Angebotsschock« nur temporärer Natur sein wird und sich die Lage in Zukunft wieder entspannen wird.

 

Viele Wirtschaftsteilnehmer können sich trotz der Knappheit der Rohstoffe keine Unterbrechung der Lieferkette und ihrer auf das permanente Vorhandensein bestimmter Rohstoffe ausgerichteter Produktion leisten. Sie akzeptieren für die sofortige Verfügbarkeit, die für ihr Geschäft elementar wichtig ist, einen höheren Preis als für Lieferungen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen würden. Der Preis für sofort lieferbare Rohstoffe (Spotpreis) und für kürzere Lieferfristen steigt stärker an als für spätere Lieferungen.

 

Öl-Raffinerien oder Hochöfen zur Stahlgewinnung sind Beispiele für solche Verbraucher, die auf einen nicht endenden Strom von Rohstoff-Nachschub angewiesen sind, denn unausgelastete Kapazitäten oder gar eine vorrübergehende Schließung einer Raffinerie oder das Herunterfahren eines Hochofens ist mit immensen finanziellen Verlusten für die Betreiber verbunden. Auch wenn der Rohstoff für spätere Lieferungen also billiger ist als bei sofortiger: Rohöl und Eisenerz werden bei knappen Lagern sofort benötigt, koste es buchstäblich was es wolle!

 

In diversen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde herausgefunden, dass bei bestimmten Waren wie Rohöl oder Kupfer ein typischer Zusammenhang zwischen niedrigen Lagerbeständen und dem Phänomen der Backwardation zu erkennen ist. Dies beweist, dass eine fallende Terminkurve sehr oft Ausdruck einer vorübergehenden physischen Knappheit eines Rohstoffes anzeigt. Er befindet sich also in Backwardation, die Marktteilnehmer bezahlen für die sofortige Verfügbarkeit einen Aufpreis, der auch unter der Bezeichnung »Convenience Yield« oder »Bequemlichkeitsprämie« bekannt ist. Da mit einer zukünftigen Entspannung an der Angebotsfront gerechnet wird, fällt die Terminkurve entsprechend immer weiter ab.

Eine ganz konkrete, die Convenience-Yield-Theorie bestätigende Situation, lässt sich am Commodity-Markt für Zucker anfangs des Jahres 2010 beobachten:

 

Zucker notierte zu diesem Zeitpunkt, wie bereits kurz angesprochen, in Backwardation und am Spotmarkt gleichzeitig auf einem 30-Jahres-Hoch. Ursächlich hierfür ist die im Rahmen der Vorstellung der Convenience Yield genannten Angebotsverknappung. Der Rohstoff Zucker und somit auch der Zuckerpreis ist hochgradig wetterabhängig, so dass es recht schnell zu Missernten und Angebotsverknappungen kommen kann. Starke Regenfälle in Brasilien während der Erntephase und der ausbleibende Monsun in den Hauptanbaugebieten in Indien haben zu großen Ernteausfällen geführt und die Lager sind aktuell recht leer. Indien etwa muss seit vielen Jahren wieder mehr Zucker importieren als von dort exportiert wird. Wenn nun noch beispielsweise in Kuba aufgrund politischer Unruhen eine Blockade die wichtigsten Häfen den Export von Zuckerrohr verhindern würden, dann würde sich das Angebot noch weiter verknappen und die Spotpreise noch weiter ansteigen.

Grundlagen

Globale Rohstoffmärkte

Besonderheiten des Rohstoffhandels

Rohstoffindizes im Überblick

Rohstoffinvestment - auch für Privatanleger?

Passive Rohstoffstrategien

Produkte auf Einzelrohstoffe

Einfache Handelsstrategien mit CoT-Reports

Wo Sie mehr Rohstoff-Informationen finden