Asiatische Option

Was ist eine Asiatische Option?

Eine Asiatische Option (auch Asian Option oder Average Option) ist eine exotische Option, deren Auszahlung nicht vom Schlusskurs des Basiswerts am Verfallstag abhängt, sondern vom Durchschnittskurs des Underlyings über einen vorher festgelegten Zeitraum. Dadurch wird die Volatilität am Verfallstag weitgehend ausgeblendet – die Option ist weniger anfällig für kurzfristige Kurssprünge oder Manipulationen und in der Regel deutlich günstiger als vergleichbare europäische oder amerikanische Vanilla-Optionen.

Funktionsweise und Varianten

Es werden zwei Hauptarten unterschieden:

  • Average Price Option: Der Durchschnittskurs ersetzt den Schlusskurs als Basis für die Auszahlung. Bei einer Asiatischen Call-Option lautet die Auszahlung max(Durchschnittskurs − Strike, 0), bei einem Put entsprechend max(Strike − Durchschnittskurs, 0).
  • Average Strike Option: Hier dient der Durchschnittskurs als Strike. Die Auszahlung einer Call lautet dann max(Schlusskurs − Durchschnittskurs, 0).

Der Durchschnitt kann arithmetisch oder geometrisch berechnet werden und täglich, wöchentlich oder monatlich (z. B. jeden Börsentagsschluß oder jeden Monatsschluss) ermittelt werden. Der Beobachtungszeitraum (Averaging Period) beginnt meist einige Monate vor Verfall und kann den gesamten Laufzeitraum umfassen.

Vorteile der Asiatischen Option

Die wichtigsten Pluspunkte sind:

  • Deutlich niedrigere Prämie (oft 30-60% günstiger als vergleichbare Vanilla-Optionen) durch die Glättung der Volatilität
  • Geringere Manipulationsanfälligkeit am Verfallstag
  • Bessere Abbildung realwirtschaftlicher Hedging-Bedürfnisse, z. B. bei Unternehmen mit kontinuierlichen Zahlungsströmen in Fremdwährung oder Rohstoffpreisen
  • Niedrigere Vega- und Gamma-Exposition – ideal für Investoren, die keine starken Bewegungen kurz vor Verfall wünschen

Nachteile und Risiken

Trotz der Vorteile gibt es auch Nachteile:

  • Schlechteres Chance-Risiko-Verhältnis bei starken Trendmärkten (der Durchschnitt „verwässert“ extreme Kursbewegungen)
  • Komplexere Preisberechnung – meist nur numerisch (Monte-Carlo-Simulation) möglich, kaum geschlossene Formeln
  • Geringere Liquidität im OTC-Handel
  • Path-Dependency: Der Wert hängt von der gesamten Kurshistorie ab – frühes Schließen oder Rollen ist schwieriger

Typische Einsatzgebiete

Asiatische Optionen werden vor allem von Unternehmen genutzt, die sich gegen durchschnittliche Preisbewegungen absichern wollen:

  • Exporteure mit kontinuierlichen Deviseneinnahmen (z. B. EUR/USD-Average-Rate-Optionen)
  • Rohstoffverbraucher oder -produzenten (z. B. Öl-, Kupfer- oder Gold-Average-Optionen)
  • Energieunternehmen (Durchschnittspreis-Optionen auf Strom oder Gas)

Auch im Retail-Bereich sind sie beliebt, etwa als Bestandteil von Zertifikaten oder strukturierten Produkten.

Bewertung und Preisfindung

Da keine geschlossene Black-Scholes-Formel existiert, werden Asiatische Optionen meist mit folgenden Methoden bewertet:

  • Monte-Carlo-Simulation (Standardmethode)
  • Binomial- oder Trinomial-Bäume mit angepasster Logik
  • Approximationsformeln (z. B. Turnbull-Wakeman oder Levy-Approximation für geometrische Asiaten)

Die implizite Volatilität spielt eine geringere Rolle, dafür ist die Korrelation zwischen Kursniveau und Volatilität wichtiger.

Beispiele aus der Praxis

Ein deutscher Exporteur erwartet über die nächsten 12 Monate monatlich 1 Mio. USD. Statt 12 einzelne Vanilla-Optionen kauft er eine Asiatische Average-Rate-Call mit Strike 1,08 USD/EUR und monatlicher Mittelung – deutlich günstiger und passgenau für seinen Cashflow.

Ein Kupferverarbeiter sichert sich mit einer Asiatischen Put-Option auf den LME-Kupferpreis ab, bei der der Durchschnitt der letzten 3 Monate vor Verfall als Referenz dient – so schützt er sich vor einem durchschnittlich zu hohen Preis, ohne einzelne Preissprünge überzubewerten.

Samsung oder TSMC nutzen teilweise Asiatische Optionen in ihren Währungs- und Rohstoff-Hedging-Programmen, da sie kontinuierlich Chips in USD verkaufen und Material in verschiedenen Währungen einkaufen.

boerse.de-Schlussfolgerung

Asiatische Optionen sind ein intelligentes und kostengünstiges Instrument für alle, die sich nicht gegen einen einzelnen Stichtagskurs, sondern gegen den durchschnittlichen Preis über einen Zeitraum absichern wollen. Besonders für Unternehmen mit gleichmäßigen Zahlungsströmen und für langfristig orientierte Privatanleger bieten sie ein attraktives Chance-Risiko-Profil bei deutlich geringeren Kosten. Wer die etwas komplexere Preisberechnung und die geringere Liquidität in Kauf nimmt, erhält ein mächtiges Werkzeug, das in vielen realen Hedging-Szenarien der klassischen Vanilla-Option überlegen ist.



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