Einführungskurs

Was ist der Einführungskurs?

Der Einführungskurs (auch Emissionskurs oder Erstnotierungskurs) ist der Preis, zu dem eine Aktie erstmals an der Börse gehandelt wird, wenn ein Unternehmen den Gang an die Börse (Initial Public Offering – IPO) vollzieht. Er wird vor dem ersten Handelstag von der emittierenden Bank (meist eine Konsortialbank) zusammen mit dem Unternehmen festgelegt und dient als Startpunkt für den Sekundärmarkt-Handel.

Wie wird der Einführungskurs festgelegt?

Der Einführungskurs entsteht in der Regel durch das sogenannte Bookbuilding-Verfahren:

  • Das Unternehmen und die begleitenden Banken legen eine Preisspanne fest (z.B. 28–34€ pro Aktie).
  • Institutionelle und private Investoren geben während der Zeichnungsfrist verbindliche Kaufangebote mit Preis- und Mengenvorstellungen ab (Orders ins Orderbuch).
  • Nach Ende der Zeichnung wird der endgültige Einführungskurs innerhalb oder ausnahmsweise außerhalb der Spanne festgelegt – so, dass möglichst viele Aktien platziert werden können und ein ausgewogenes Orderbuch entsteht.
  • Bei starker Nachfrage wird oft der obere Rand oder sogar ein Aufschlag (Greenshoe) gewählt, bei schwacher Nachfrage der untere Rand oder darunter.

Erster Handelstag und typische Kursverläufe

Am ersten Handelstag wird die Aktie meist im fortlaufenden Handel (Xetra) oder per Auktion (Einheitskurs) eingeführt. Typische Muster:

  • Starke Überzeichnung -> Kurs springt direkt nach Handelsbeginn deutlich über den Einführungskurs („IPO-Pop“), manchmal +50% oder mehr am ersten Tag.
  • Ausgewogene Zeichnung -> Kurs bewegt sich zunächst seitwärts oder leicht höher.
  • Schwache Nachfrage -> Kurs fällt unter den Einführungskurs („Broken IPO“).

Beispiele aus der Praxis

  • Volkswagen Vorzüge 2019 (Traton-IPO): Einführungskurs 27€, erster Schlusskurs 29,40€ (+8,9%).
  • Delivery Hero 2017: Einführungskurs 25,50€, erster Kurs sprang auf über 38€.
  • Deutsche Telekom 1996: Einführungskurs 28,50 DM, erster Tag starkes Plus – einer der größten IPOs der deutschen Geschichte.
  • Renault Truck (Volvo AB) 2024: Einführungskurs 48€, erster Tag +20%.

Bedeutung für Privatanleger

Privatanleger können in den meisten IPOs über ihre Depotbank zeichnen. Vorteil: Sie erhalten die Aktien exakt zum Einführungskurs (ohne Spread). Allerdings gibt es oft Zuteilungsquoten von nur wenigen Prozent bei überzeichneten IPOs. Viele Anleger warten daher bewusst ab und kaufen erst im Sekundärmarkt, wenn der Kurs sich stabilisiert hat – oft günstiger als der anfängliche Hype-Preis.

Unterschied zum Bezugskurs bei Kapitalerhöhungen

Der Einführungskurs ist nicht zu verwechseln mit dem Bezugskurs bei bezugsberechtigten Kapitalerhöhungen. Dort erhalten Bestandsaktionäre neue Aktien zu einem meist deutlich niedrigeren Preis als dem aktuellen Börsenkurs.

boerse.de-Schlussfolgerung

Der Einführungskurs ist der offizielle Startpreis einer Aktie an der Börse und das Ergebnis eines intensiven Bookbuilding-Prozesses. Er spiegelt die aktuelle Nachfrage wider und ist oft der Ausgangspunkt für starke Kurssprünge am ersten Handelstag. Für Privatanleger bieten IPOs die Chance, von Anfang an dabei zu sein – allerdings mit dem Risiko, dass überhitzte Kurse nach einigen Tagen oder Wochen wieder deutlich zurückkommen. Wer an einem Börsengang teilnimmt, sollte sich bewusst sein: Der Einführungskurs ist selten der günstigste Einstiegskurs auf langer Sicht.



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