Hedging ist eine Risikomanagement-Strategie, bei der bestehende oder geplante Positionen durch gezielte Gegenpositionen gegen unerwünschte Preis-, Kurs- oder Wechselkursentwicklungen abgesichert werden. Ziel ist nicht die Erzielung zusätzlicher Gewinne, sondern die Begrenzung oder vollständige Neutralisierung von Risiken. Hedging wird sowohl von Unternehmen zur Absicherung realwirtschaftlicher Risiken als auch von Privatanlegern zum Schutz ihres Portfolios eingesetzt.
Das Kernprinzip besteht darin, eine Position aufzubauen, die bei einer negativen Entwicklung der ursprünglichen Position einen Gewinn erzielt und so den Verlust ausgleicht. Dies erfolgt überwiegend mit Derivaten:
Exportorientierte Unternehmen setzen Hedging nahezu flächendeckend ein. Ein deutscher Mittelständler, der in 6Monaten 20Mio.$ aus den USA erwartet, verkauft entsprechende USD-Futures oder kauft Put-Optionen auf EUR/USD. Selbst wenn der Dollar um 15% fällt, bleibt der Euro-Erlös stabil. Fluggesellschaften hedgen Kerosinpreise, Lebensmittelkonzerne Kakao- und Weizenpreise, Energieversorger Strom- und Gaspreise. Ohne Hedging wären viele Geschäftsmodelle bei starken Preisschwankungen nicht profitabel.
Privatanleger können ihr Depot mit vergleichsweise einfachen Mitteln absichern:
1. Index-Hedging
Kauf von Put-Optionen oder Short-Futures auf DAX, EURO STOXX50 oder S&P500. Ein 400.000€-Depot ist bereits mit wenigen Kontrakten effektiv geschützt.
2. Protective Put
Ein langfristig orientierter Anleger hält z.B. die Münchener Rück-Aktie und kauft zusätzlich Put-Optionen mit einem Strike 8-12% unter dem aktuellen Kurs. Er behält Dividende und langfristiges Kurspotenzial, ist aber nach unten abgesichert.
3. Zero-Cost-Collar
Kauf eines Put und Verkauf eines Call oberhalb des aktuellen Kurses. Die Prämien gleichen sich weitgehend aus – die Absicherung kostet fast nichts, begrenzt aber auch das Aufwärtspotenzial.
4. Dynamisches Hedging
Kontinuierliche Anpassung der Absicherungsquote je nach Marktlage und Volatilität. Wird vor allem von Fonds und professionellen Vermögensverwaltern genutzt.
Beispiel 1 – Aktienportfolio
Ein Anleger hat 500.000€ in DAX-Werten investiert. Er kauft 5 DAX-Put-Optionen mit Strike 17.500 (aktueller Stand 18.200). Fällt der DAX um 20%, verliert das Depot ca.100.000€ – die Put-Optionen steigen jedoch um ca.100.000€ in Wert und neutralisieren den Verlust.
Beispiel 2 – Währungshedging
Ein deutscher Investor hält US-Aktien im Wert von 300.000€ bei einem Kurs von 1,09 USD/EUR. Er verkauft Euro-Dollar-Futures. Fällt der Dollar auf 1,00, würde das Depot ohne Hedge ca.8% an Euro-Wert verlieren – durch das Hedge bleibt der Wert in Euro stabil.
Beispiel 3 – Rohstoffhedging
Eine Bäckereikette sichert sich durch Call-Optionen auf Weizen ab. Steigt der Weizenpreis um 40%, gleichen die Gewinne aus den Optionen die höheren Einkaufskosten aus – die Brötchenpreise bleiben stabil.
Vorteile:
Nachteile:
Hedging ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbares Werkzeug für jeden ernsthaften Anleger und jedes Unternehmen mit Preis- oder Währungsrisiken. Richtig eingesetzt reduziert es nicht nur das Risiko dramatisch, sondern ermöglicht erst den langfristigen Vermögensaufbau in volatilen Märkten. Die Kosten einer professionellen Absicherung sind in den meisten Fällen deutlich geringer als die Verluste, die ein ungesichertes Portfolio oder Unternehmen in einer Krise erleiden würde. Wer dauerhaft erfolgreich sein will, kommt an einem durchdachten Hedging-Konzept nicht vorbei.